Drei-Tage-Bart beliebter denn je: In Form gebracht

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Drei-Tage-Bart beliebter denn je: Das große Bart-Comeback

In Form gebracht

Ansonsten lässt Roetzel kein gutes Haar am Drei-Tage-Bart. Er sei der „wenig überzeugende Versuch, Stillosigkeit mit Stil zu versöhnen“, es fehle ihm die „Konstanz“ von Glattrasur und Vollbart, vor allem nähre er gleich zwei Illusionen: doch noch ein bisschen Mann sein zu dürfen, auch wenn man „sonst nichts mehr zu melden hat“, und sich die Rasur sparen zu können.

Beides hat seiner Beliebtheit nicht geschadet. Im Gegenteil: Zwei Drittel der deutschen Männer rasieren sich nicht täglich, meldete die Zeitschrift „Men’s Health“ – eine exakte Statistik gibt es nicht. Der Niedergang der Rasur erfreut erstaunlicherweise die Hersteller klassischer Rasiermesser, denen sich neue Zielgruppen erschließen. Friseurmeister Armin Brandt, der vor sechs Jahren am Münchner Flughafen den Salon Brants Barber & Shop eröffnet hat, bietet neben „klassischen Nassrasuren“ auch „Beautyanwendungen“ für den Bart an. 40 bis 50 Prozent seiner Kunden seien Drei-Tage-Bart-Träger.

„Unterm Strich“, so Brandt, sei der Pflegeaufwand beim Drei-Tage-Bart „ungefähr der gleiche wie bei der Ganzrasur“: Der Bart wird mit dem sogenannten Trimmer auf die gewünschte Länge zwischen zwei und vier Millimeter gestutzt, graue Haare werden auf Wunsch abgetönt, die Konturen mit dem Rasiermesser an Oberlippe, Kinn, Wangen und Hals sauber ausrasiert und „in eine schöne Form gebracht“: Bei fülligen Gesichtern sollte man „die Konturen „tiefer ziehen“, „das macht schmäler“. Brandt empfiehlt, den Bart mit einem milden Shampoo zu reinigen und einzucremen, „damit die Haut geschont wird“ – und das Erscheinungsbild nicht leidet.

Die meisten seiner Drei-Tage-Bart-Kunden kommen aus dem mittleren Management: „Je höher, desto glatter.“ Bärte mögen am Arbeitsplatz, wie eine Umfrage erst jüngst wieder gezeigt hat, weithin akzeptiert, ja beliebt sein. Doch in den Chefetagen sind sie eher die Ausnahme. Erst recht in der Variante des Drei-Tage-Barts. Am ehesten findet man ihn noch in der Computerbranche: Digitale Großkonzerne wie Google oder Microsoft ersparen sich und ihren Mitarbeitern Vorgaben bei der Gestaltung des Bartwuchses. Bei Google ist man der Ansicht: „You can be serious with or without a beard.“

Auch im Einzelhandel setzen Bartträger zuweilen Zeichen: Kaufhof-Chef Lovro Mandac und die Zalando-Gründer Rubin Ritter und Robert Gentz tragen Drei-­Tage-Bärte, Rewe-Chef Alain Caparros changiert zwischen Zehn-Tage- und Vollbart. Der langjährige CEO des Schweizer Pharmakonzerns Novartis Daniel Vasella, einst einer der mächtigsten Manager Europas, trägt einen Drei-Tage-Bart, freilich erst, seit er freiberuflich Führungskräfte coacht.

Sogar die traditionell testosterongesteuerte Automobilbranche will von der Zurschaustellungen sekundärer Geschlechtsmerkmale in der Regel nichts wissen. Gewiss, Mercedes-Chef Dieter Zetsche kultiviert seinen fidel frisierten Walrossschnauzer, und Ex-BMW- und VW-Vorstandschef Bernd Pieschetsrieder wird als Altbayer sicher nicht seinen schwarz-silbernen Henri-Quatre-Bart ablegen, wenn er in den Aufsichtsrat von Daimler wechselt.

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Nur Chefexzentriker Sergio Marchionne, seit 2004 CEO von Fiat, leistet sich den Luxus eines Drei-Tage-Barts. Ansonsten zeigt der Blick auf die Riege führender Auto­manager: lauter glatt rasierte Leistungs­athleten. „Die Repräsentation von Macht und Autorität ist an den sexuell unmarkierten Körper gekoppelt“, schreibt die Modetheoretikerin Barbara Vinken in ihrem neuen Buch „Angezogen“, aus „inkorporierten Institutionen“ solle „niemand durch Abweichung herausstechen“.

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