Kunst: Wie Museen gegen das Spardiktat kämpfen

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Kunst: Wie Museen gegen das Spardiktat kämpfen

von Dieter Schnaas und Christopher Schwarz

In Zeiten klammer Kassen stellen einige Kommunen ihre Museen auf den Prüfstand. Die regionalen Häuser kämpfen um Besucher, um ihre Legitimation – und gegen die Spardiktate der Stadtkämmerer.

Wenn Gerhard Richter einen offenen Brief schreibt, herrscht Alarmstimmung, nicht nur in der Kunstszene. Zumal wenn es sich um einen Brandbrief handelt, in dem er einer ganzen Stadt mit Liebesentzug droht. Vor ein paar Tagen hat Deutschlands berühmtester Maler in einem Schreiben an den Leverkusener Oberbürgermeister gegen die von der Wirtschaftsprüfungsgesellschaft KPMG unterbreiteten Pläne zur Schließung des Museums Morsbroich protestiert, einer „hoch angesehenen Institution“, wie Richter schreibt, die auch „zwei wichtige Gemälde“, Aquarelle, Zeichnungen und Druckgrafiken aus seiner Hand beheimate.

Die Wirtschaftsprüfer haben dem Stadtrat vorgerechnet, dass durch „die Einstellung der Ausstellungstätigkeit“ und die „Auflösung der Sammlung“ von 2019 an ein jährlicher Betrag von 778.450 Euro eingespart werden könne. Richter sprach von einem „erschreckenden Vorschlag“. Eine öffentliche Sammlung sei „keine Geldanlage, die je nach Kassenlage geplündert werden kann“. Die Pläne zur Schließung des Museums müssten vom Tisch.

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Er würde sich freuen, „auch künftig noch einen guten Grund zu haben, nach Leverkusen zu fahren“. Der Künstler als selbstloser Anwalt des Museums, in dem das Erbe einer Stadt bewahrt wird, ihr Gedächtnis, ihre kulturelle Identität?

Robert Ketterer "Eine neue Dimension bei Fälschungen"

Robert Ketterer, Inhaber des Münchner Auktionshauses Ketterer Kunst, spricht im Interview über die Folgen der Digitalisierung für den Kunstmarkt und den Umgang mit Fälschern und Betrügern.

Robert Ketterer Quelle: Wolf Heider-Sawall für WirtschaftsWoche

Vor einigen Monaten spuckte Richter noch ganz andere Töne. Im Streit um den Entwurf des neuen Kulturgutschutzgesetzes, das den internationalen Handel mit national bedeutsamen Kunstgütern reglementieren soll, empfahl er, dem Beispiel seines Malerkollegen Georg Baselitz zu folgen, der Leihgaben in München abhängen ließ und in Dresden und Chemnitz zurückverlangte, um sie dem Zugriff des Staates zu entziehen. „Die Bilder aus den Museen holen“, riet Richter, „schnellstens auf den Markt bringen und verkloppen.“

Seine Leverkusener Intervention wäre daher „sehr viel glaubwürdiger“, meint der Kunstwissenschaftler Wolfgang Ullrich, wenn der Künstler den Bildungsauftrag der Museen auch während der Kulturschutzdebatte gewürdigt hätte, anstatt um die Zirkulation und Verkaufserlöse seiner Bilder zu bangen. Sein offener Brief wirke „extrem opportunistisch“ – und passe überdies ins Bild einer „Siegerkunst“, die von wenigen erfolgreichen Künstlern für einen exklusiven Kreis sehr reicher Menschen produziert werde.

Sind es also letztlich die Künstler selbst, die Finanzpolitiker und Wirtschaftsprüfer auf die Idee bringen, die Millionenwerte ihrer Museen zu versilbern? Warum sollen die klammen Kommunen an Rhein und Ruhr, in Duisburg, Mönchengladbach, Leverkusen, nicht auch etwas haben von den Preisexplosionen auf dem Kunstmarkt – und ihren Richter oder Sigmar Polke diskret zur Versteigerung freigeben?

„Weil wir es uns nicht leisten können, kulturpolitisch abzudanken“, sagen Hans Wilhelm Reiners, Gert Fischer und Susanne Titz, der Oberbürgermeister von Mönchengladbach, der Kulturdezernent und die Direktorin des Museums Abteiberg. Die drei sind sich herzlich einig in fast allem, was sie sagen: Eine Schließung des überregional bekannten Hauses für zeitgenössische Kunst – das sei undenkbar, das käme einem Offenbarungseid gleich, das wäre eine Kapitulation.

Das 1982 eröffnete Haus, ein mit dem Pritzker-Preis dekoriertes Hauptwerk des Architekten Hans Hollein, in dem vorzügliche Arbeiten von Richter, Polke, Warhol, Beuys, Kippenberger und natürlich von den Lokalmatadoren Heinz Mack und Gregor Schneider zu sehen sind, ist neben dem Fußballbundesligisten Borussia die einzige überregionale Marke der Stadt – wenn auch nur für einen kleinen Kreis von Kunstinteressierten.

„Ohne das Museum könnten wir nicht mal mehr versuchen, für Großstadtmenschen mit guter Ausbildung und etwas dickerem Portemonnaie attraktiv zu bleiben“, sagen Reiners-Fischer-Titz und: „Wir weigern uns, in einer Welt zu leben, in der die öffentliche Hand nur noch die elementarsten Grundbedürfnisse ihrer Bürger, ihr Essen, Trinken, Wohnen organisiert.“

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