Pillen gegen Stress: Immer mehr Deutsche dopen sich für den Job

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Pillen gegen Stress: Immer mehr Deutsche dopen sich für den Job

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Doping im Büro. Nicht Topmanager, sondern ganz normale Angestellte greifen zu Pillen, um produktiver zu sein.

von Lin Freitag

Immer mehr Deutsche nehmen leistungssteigernde Medikamente. Und entgegen gängiger Vorurteile sind es nicht die Top-Manager, die dopen: Besonders wer Angst um seinen Job hat, greift eher zur Pille.

Ob Antidepressiva, Ritalin oder Betablocker: Rund drei Millionen Deutsche nehmen rezeptpflichtige Medikamente, um im Job leistungsfähiger zu sein oder Stress abzubauen – zu diesem Ergebnis kommt eine aktuelle Studie der Krankenkasse DAK, die am Dienstag vorgestellt wird.

Damit ist der Anteil der Deutschen, die sich im Job dopen, in den letzten Jahren stark gestiegen. Als die Krankenkasse sich vor sechs Jahren schon einmal mit dieser Frage beschäftigte, lag der Anteil der dopenden Deutschen noch bei 4,7 Prozent. Im aktuellen Report sind es 6,7 Prozent.

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Beliebte Stimmungs-Aufheller

  • Methylphenidat (MPH), besser bekannt unter dem Handelsnamen Ritalin.

    MPH kam in den 1950er-Jahren auf den Markt und war zunächst rezeptfrei als Mittel gegen chronische Erschöpfungszustände, Antriebstörungen und Depressionen erhältlich. Seit 1971 fällt es unter das Betäubungsmittelgesetz und darf nur noch bei klarer Indikation vom Arzt verschieben werden.

    Wofür wird MPH vom Arzt verschrieben?

    Bei Kinder und Erwachsenen mit Aufmerksamkeitsdefizit-/Hyperaktivitätsstörung (ADHS).

    Welche Wirkungen hat MPH auf gesunde Menschen?

    Steigerung der Wachheit, Verbesserung der Aufmerksamkeit und Verkürzung der Reaktionszeiten; keine messbare Wirkung auf Stimmung und Gedächtnis; kein Verbesserungseffekt bei längerfristiger Einnahme.

    Mögliche Nebenwirkungen:

    Von harmlosen Nebenwirkungen wie Kopfschmerzen, Nervosität, Schlaflosigkeit bis hin zu Herzrhythmusstörungen, Stimmungsschwankungen oder Persönlichkeitsveränderungen.

  • Modafinil

    Modafinil wurde in den 1980er Jahren in Frankreich erfunden und wird seit 1998 in Deutschland unter dem Namen Provigil oder Vigil, das auf Lateinisch „wach“ bedeutet, verkauft. Dem Namen entsprechend wurde dieses Mittel bei verschiedenen Erkrankungen eingesetzt, die mit einer starken Tagesmüdigkeit einhergehen.

    Wofür wird Modafinil vom Arzt verschrieben?

    Seit 2011 ist Modafinil nur noch bei Narkolepsie zugelassen. Für alle anderen Störungen, bei denen Modafinil davor eingesetzt wurde, konnte die Wirkung nicht eindeutig nachgewiesen werden.

    Welche Wirkungen hat Modafinil auf gesunde Menschen?

    Erhöhung der Wachheit, kürzere Reaktionszeit, Wirkung auf Gedächtnisleistung und Aufmerksamkeit ist unklar, keinen Einfluss auf Stimmung.

    Mögliche Nebenwirkungen:

    Unter anderem Kopfschmerzen, Schwindelgefühl, Schlaflosigkeit, Herzrasen, Leberfunktionsstörungen, Verdauungsstörungen.

  • Antidepressiva

    Die ersten Antidepressiva wurden in den 50er Jahren zugelassen. Die Gruppe der Antidepressiva umfasst verschiedene Substanzklassen. Am häufigsten werden Präparate aus der Gruppe der selektiven Serotonin-Wiederaufnahme-Hemmer(SSRI) verwendet.

    Wofür werden Antidepressiva vom Arzt verschrieben?

    Depressionen, Angsterkrankungen, Zwangsstörungen, Panikstörungen, Essstörungen, posttraumatische Belastungsstörung, Schmerzsyndrome.

    Welche Wirkungen haben Antidepressiva auf gesunde Menschen?

    Wirkt nicht besser als ein Placebo; die erhofften Effekte konnten bei Gesunden nicht festgestellt werden.

    Mögliche Nebenwirkungen:

    Häufiger sind Benommenheit, Verdauungsstörungen, Kopfschmerzen, Schlaflosigkeit; Nervosität, allergische Reaktionen; selten kann es auch zu schweren Reaktionen an Lunge, Nieren oder Leber kommen.

  • Betablocker

    Betablocker kamen in den 1960er Jahren auf den Markt. Sie gehören zu den am häufigsten verschriebenen Arzneimitteln, da ihr Anwendungsgebiet sehr breit ist.

    Wofür werden Betablocker vom Arzt verschrieben?

    Bluthochdruck, Herzerkrankungen, Angstzustände, Migräneprophylaxe sowie zur symtpomatischen Behandlung einer Schilddrüsenüberfunktion.

    Welche Wirkungen haben Betablocker auf gesunde Menschen?

    Reduzierung von Angstsymptome wie Herzklopfen oder Zittern, Aufregung nimmt ab.

    Mögliche Nebenwirkungen:

    Gelegentlich kommt es zu Müdigkeit, depressiven Verstimmungen, vorübergehenden Magen-Darm-Beschwerden, aber auch allergische Hautreaktionen sind möglich. Bei Menschen mit Asthma kann es zu Atemnot kommen.

  • Antidementiva

    Die Antidementiva lassen sich in verschiedene Wirkstoffgruppen unterteilen. Häufig eingesetzt werden Acetylcholinesterasehemmer, die für leichte bis mittelschwere Demenz zugelassen sind und Memantin, das bei mittelschwerer bis schwerer Demenz eingesetzt wird.

    Wofür werden Antidementiva vom Arzt verschrieben?

    Erkrankungen, die zu einem Gedächtnisabbau im Alter führen, wichtigster Vertreter ist die Alzheimer-Demenz.

    Welche Wirkungen haben Antidementiva auf gesunde Menschen?

    Studien mit Gesunden zeigen widersprüchliche Ergebnisse, manche weisen gar auf eine leichte Verschlechterung der Gedächtnisleistung hin.

    Mögliche Nebenwirkungen:

    Sehr häufig sind Verdauungsstörungen und Kopfschmerzen; gelegentlich kommt es zu Magen- oder Darmblutung sowie Krampfanfällen.

Die Dunkelziffer dürfte laut den Autoren noch deutlich höher ausfallen. Demnach haben bis zu 12 Prozent der berufstätigen Deutschen schon einmal verschreibungspflichtige Medikamente für eine bessere Leistung im Job eingenommen. Das sind rund fünf Millionen Bundesbürger.

Für die Studie wurden die Arzneimitteldaten von 2,6 Millionen erwerbstätigen Versicherten analysiert und zusätzlich mehr als 5000 Berufstätige im Alter von 20 bis 50 Jahren befragt.

Wer Angst um seinen Job hat, greift eher zur Pille

Doch warum benötigen immer mehr Deutsche die Stimmungs-Aufheller am Arbeitsplatz? Liegt es am Leistungsdiktat der modernen Gesellschaft? An zu viel Stress? Den eigenen Erwartungen? Oder doch an den vielen Unsicherheiten, hervorgerufen durch mehr Flexibilität, Wirtschaftskrise und Globalisierung?

Laut DAK-Studie sind zu viel Stress, Leistungsdruck und Überbelastung die häufigsten Gründe für Doping. So gaben vier von zehn der betroffenen Arbeitnehmer an, die Medikamente vor einer wichtigen Präsentation oder Verhandlung eingenommen zu haben. Aber auch die Unsicherheit durch Massenentlassungen, Pleiten und heikler Auftragslage ist ein häufig genannter Grund für Doping. Wer Angst um seinen Job hat, greift eher zur Pille.

Das gilt vor allem für Männer. Die männlichen Betroffenen erhoffen durch die eingenommen Mittel ihre beruflichen Ziele besser zu erreichen, aber auch noch genügend Energie für Privates zu haben. Frauen hingegen dopen, damit Ihnen die Arbeit leichter fällt oder um emotional gefestigter zu sein.

Jede fünfte Frau gab außerdem viel Kundenkontakt als Grund an. „Frauen nehmen eher bestimmte Mittel gegen Depressionen, um die Stimmung zu verbessern und Ängste und Nervosität abzubauen“, sagt Herbert Rebscher, Vorstandsvorsitzender der DAK-Gesundheitssparte. „Bei Männern sind es meist anregende Mittel. Sie wollen wach bleiben, stark und leistungsfähig sein.“

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