Werner knallhart: Mit langen Haaren zum Friseur, mit Hepatitis wieder raus

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kolumneWerner knallhart: Mit langen Haaren zum Friseur, mit Hepatitis wieder raus

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Auch beim Friseur lauern Gefahren.

Kolumne von Marcus Werner

Wenn im ICE nur eine Minute zu lange die Kühlkette unterbrochen wurde, müssen alle Sandwiches weggeschmissen werden. Aber wenn man beim Arzt darum bittet, dass sich die Gehilfin vor der Blutabnahme die Hände desinfiziert, wird man schräg angeguckt. Die Hygiene-Gewohnheiten der Profis sind ekelhaft.

Ich habe jüngst meinen Friseur in Berlin gewechselt. Und zwar nicht, weil er etwa meinen Haarschnitt verhunzt hatte, sondern weil ich Angst hatte um mein Leben.

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Ich hatte schon häufiger davon gehört, dass beim Friseur Hepatitis B und C übertragen werden können. Nun bin ich gegen A und B geimpft, um ruhigen Blutes durch Südostasien reisen zu können. Bleibt aber C. Ein Virus, der gerne mal Leberkrebs auslöst.

Besonders widerlich sind unter Hepatitis-C-Gesichtspunkten die Momente, in denen der Friseur zum Rasiermesser greift. Zum „Nacken-Saubermachen“. Denn gerade beim Saubermachen kann es besonders schmuddelig zugehen. Da lauern Krankheit und Tod. Wegen mikrofeiner Verletzungen in der Haut, bei denen es noch nicht einmal sichtbar bluten muss.

Ich fragte meinen Friseur: „Hast du das Messer desinfiziert?“

„Desinfiziert? Also, stell dich nicht so an, sonst schneide ich dir die Halsschlagader auf.“

„Nein, im Ernst jetzt. Ist die Klinge desinfiziert?“

„Nö.“

„Ja, dann mach bitte eine neue rein.“

„Ich habe nur noch die. Und die Chefin sagt, wir sollen die Klingen nicht so verschwenden.“

„Oh Gott, wann hast die Klinge zum letzten Mal desinfiziert?“

„Gestern irgendwann.“

„Ich will nicht pingelig erscheinen, aber ich bin es nun einmal. Kein Messer an meinen Nacken! Ich mache das zuhause selber.“

Virologe Christian Drosten "Der Körper wird ständig von Viren angegriffen"

Der Bonner Coronaviren-Spezialist Christian Drosten hält die Gefahr einer weltweiten Ausbreitung von Mers für sehr gering. Auch die Ansteckungs-Gefahren für Nahost-Reisende sei minimal. Ein paar Tipps hat er trotzdem.

Gerade in arabischen Ländern ist der Erreger von MERS verbreitet, Experte Drosten sieht aber keinen Grund zur Panik. Geschäftsreisende hätten kaum Gelegenheit sich anzustecken. Quelle: AP

Beim nächsten Mal rund vier Wochen später, ich ließ mich gerade von meinem Friseur im Stuhl hochpumpen, da strahlte er mich über den Spiegel an: „Dieses Mal habe ich die Klinge extra vorher eingesprüht.“

Ich seufzte: „So desinfiziert ihr hier? Mit einem Spray?“

„Ja klar. Extra für dich.“

Ich biss die Zähne zusammen und ließ mich ein letztes Mal von meinem Friseur bedienen. Ohne Messer! Denn Einsprühen zerstört Hepatitis-C-Viren nicht zuverlässig. C-Viren sind harte Burschen. Als ich den Salon verließ, wusste ich: Diesen Mann werde ich nie wieder sehen. Denn so nett er war und so gut er schnitt: Er war ein Hygiene-Schwein. Ich hatte damals extra vorab ein Merkheft des Zentralverbandes des Deutschen Friseurhandwerks im Internet durchgelesen. Darin wird vorgegeben: Rasiermesser „sollten“ vor JEDEM Kunden in einem genau genormten Desinfektionsbad eingelegt werden. Knallharte Muss-Vorschriften habe ich nirgends gefunden. Ich persönlich kenne bis heute keinen einzigen Friseur (und ich habe mich ein bisschen umgehört), der über dieses Desinfektionsbad Bescheid weiß.

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