Dax-Ausblick: Börsianer geraten in Stress

Dax-Ausblick: Börsianer geraten in Stress

, aktualisiert 23. Juli 2016, 15:04 Uhr
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Was zuerst tun bei der Daten- und Zahlenflut?

von Andrea CünnenQuelle:Handelsblatt Online

Der Terminkalender für Aktienanleger ist in der nächsten Woche prall gefüllt. Notenbanken, Konjunkturdaten und die auf Hochtouren laufende Quartalssaison könnten die Börsen ins Trudeln geraten lassen.

Eines steht zumindest fest: Langweilig wird es Börsianern in den kommenden Tagen nicht werden: „Wir stehen vor einer spannenden Woche, die an den Börsen zu größeren Kursschwankungen führen könnte“, fasst Robert Greil, Chefstratege Chefstratege der Privatbank Merck Finck & Co den Ausblick zusammen: Zahlreiche Makro- und Unternehmenszahlen stehen an, zwei wichtige Notenbanken tagen und am Freitag – allerdings erst nach Börsenschluss in den USA – werden die Ergebnisse des Bankenstresstests in der Euro-Zone veröffentlicht.

Besonders im Fokus steht dabei für Tobias Basse, Aktienstratege bei der NordLB, die Zinsentscheidung der US-Notenbank Fed am Mittwoch. Zwar rechnet niemand damit, dass die Fed die Leitzinsen erhöht. „Man wird aber auf die Details schauen“, sagt Basse. Interessant sei vor allem die Frage, ob jemand gegen die Beibehaltung des Schlüsselsatzes von 0,25 bis 0,5 Prozent gestimmt habe. Dies würde Spekulationen auf eine Straffung der US-Geldpolitik noch in diesem Jahr schüren.

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Vor Dezember rechnet kaum jemand mit einer Aktion der Fed. Und eine Zinserhöhung im Dezember erwartet – gemessen an Zinssätzen für Termingeschäfte in den USA – nur knapp die Hälfte der Investoren. Zu ihnen gehört Mark Kiesel, Chef-Anleihestratege beim Fondshaus Pimco. Die Entscheidung der Briten gegen die Europäische Union habe zwar dafür gesorgt, dass eine baldige Leitzinserhöhung in den USA vom Tisch sei. Aber die Wirtschaft in den USA wachse schließlich relativ gut und auch die Inflationsrate dürfte anziehen.

Bei der Bank of Japan rechnen einige Investoren dagegen schon am Freitag mit einer Aktion. „Eine weitere Lockerung der Geldpolitik liegt auf der Hand“, schreibt Frederic Neumann, leitender Volkswirt der HSBC in einem Kommentar. „Die Märkte erwarten rasche und entschlossene Maßnahmen.“

Die Strategen der BayernLB sind da zurückhaltender: Nachdem der wiedergewählte japanische Ministerpräsident Shinzo Abe bereits ein neues Konjunkturpaket ab Herbst in Aussicht gestellt habe, könnte die Bank of Japan zunächst abwarten. Dabei die Notenbank der Einführung von „Helikoptergeld“, bei dem die Notenbank direkt Geld an die Bürger verteilt, schon in dieser Woche eine klare Absage erteilt.

Dass die Notenbanker nicht immer die Erwartungen der Märkte erfüllen, hat in der vergangenen Woche Mario Draghi, Chef der Europäischen Zentralbank (EZB) gezeigt. Er hielt sich mit neuen Ankündigungen zurück, obwohl viele Analysten damit gerechnet hatten, dass die EZB die Kriterien für ihr monatlich 80 Milliarden Euro schweres Anleihekaufprogramm modelliert.

Ein Grund dafür ist, dass die Anleiherenditen gerade in Deutschland zu rund 60 Prozent unter die Marke von minus 0,4 Prozent gefallen sind. Diese Anleihen kann die EZB nicht kaufen, weil sie unter dem negativen Einlagensatz rentieren, den die Notenbank erhebt, wenn Banken kurzfristig bei ihr Geld parken wollen. Doch Draghi sagte dazu letztlich nichts.

Die Märkte nahmen das jedoch gelassen. Am Donnerstag und Freitag bewegten sich die Aktienkurse kaum. Unter dem Strich hat der Dax in der vergangenen Woche aber 0,8 Prozent zugelegt und notierte zuletzt mit 10.148 Zählern. Damit trennen ihn nur noch gut 100 Punkte von dem Stand vor dem überraschenden Brexit-Votum in Großbritannien am 23. Juni. Nach dem Votum war der Leitindex um bis zu zehn Prozent abgesackt. Auf Jahressicht liegt der Dax rund 5,5 Prozent im Minus – und damit besser als zur Halbjahresbilanz, bei der er noch über elf Prozent in den roten Zahlen notierte.


Wie fragil ist die Konjunktur?

Kurzfristig sind viele Experten aber weiter skeptisch – auch weil sich die Börsen vom Brexit-Schock so schnell erholt haben. So wirkt die aktuelle Rally am Aktienmarkt wirkt auf die Fondsgesellschaft Columbia Threadneedle ein Stück weit ungerechtfertigt und nicht durch Fundamentaldaten untermauert. Vor dem Hintergrund zunehmender globaler Risiken – der gerade nicht wie ein günstiges Umfeld für positive Aktienrenditen wirkt – hat die Fondsgesellschaft die Aktienquote in Europa, Großbritannien und Asien in den Portfolios auf neutral zurückgestuft, nachdem sie Aktien fünf Jahre lang gegenüber anderen Anlageklassen bevorzugt hatte.

An einer geringfügigen Übergewichtung in Japan hält Columbia Threadneedle fest. „In den USA und in den Schwellenländern haben wir unsere Position von einer Untergewichtung auf ein neutrales Niveau erhöht, denn das sind Regionen, die sich offenbar nicht unmittelbar im Brennpunkt der ungünstigen Entwicklung befinden“, erklärt Mark Burgess, Aktienchef des Fondshauses. Auch laut Greil von Merck Finck spricht „das fragile Umfeld vorerst für eine Untergewichtung von Risikoanlagen wie Aktien.“

Ob die Konjunktur tatsächlich fragil ist, darüber geben zahlreiche Daten in der nächsten Woche Auskunft. Ein Highlight in Deutschland kommt damit gleich am Montag mit dem Ifo-Geschäftsklimaindex. Hier rechnen Ökonomen nach dem überraschenden Anstieg des Vormonats mit einem Rückgang. Der am Freitag veröffentlichte zusammengefasste Einkaufsmanagerindex für den Industrie- und Dienstleistungsbereich hatte sich nur leicht verschlechtert.

Dennoch: „Der deutliche Rückgang der ZEW-Erwartungen im Juli gab bereits einen Vorgeschmack darauf, wie sehr die Entscheidung Großbritanniens, die EU verlassen zu wollen, auch die konjunkturellen Perspektiven in Deutschland trifft“, meinen die Strategen von HSBC. Der Gfk-Konsumklimaindex am Mittwoch dürfte sich dagegen nach Meinung von HSBC stabil gehalten haben - dank des soliden Arbeitsmarkts und der niedrigen Teuerungsrate.

Der Arbeitsmarktbericht für Deutschland steht am Donnerstag an. Die Arbeitslosenquote dürfte dabei laut Ökonomen auf dem Rekordtief von 6,1 Prozent verharren. Die Verbraucherpreise in Deutschland, die ebenfalls am Donnerstag anstehen, dürften im Juli um 0,3 Prozent gegenüber dem Vorjahr gestiegen sein - genauso wie Inflationsrate für den Euro-Rau, die am Freitag veröffentlicht wird. Die EZB strebt mittelfristig eine Teuerungsrate von knapp zwei Prozent an.

In den USA geben unter anderem Konsumklimaindex am Dienstag und der Einkaufsmanagerindex der Notenbank von Chicago (Freitag) Aufschluss über die Konjunkturentwicklung. Bei beiden Daten rechnen Volkswirte mit einem leichten Rückgang.

Die Ergebnisse des Bankenstresstests gibt die europäische Bankenaufsicht EBA erst am Freitagabend bekannt. Im Vorfeld könnten Investoren aber durchaus nervös reagieren und die gebeutelten Banken noch mehr abstrafen. Die Bankenaufsicht EBA prüft 51 Institute auf ihre Krisenfestigkeit. Anders als bei der großen Überprüfung 2014 gibt es keine Mindesthürde für die Kapitalausstattung — damit kann formal auch kein Institut durchfallen. „Dennoch wird das Ergebnis nach den bekannten Schwachstellen, allen voran dem Zustand der italienischen Institute, abgeklopft werden“, heißt es bei HSBC.

Besonderes Augenmerk werden Anleger dabei in der nächsten Woche erneut auf die Deutsche Bank richten, die am Mittwoch ihre Quartalszahlen vorlegt. Analysten erwarten im Schnitt einen Mini-Gewinn von nur elf Millionen Euro. Auch ansonsten läuft die Bilanzsaison auf Hochtouren. Allein aus dem Dax berichten sieben Unternehmen.

Am Mittwoch gibt es Zahlen von der Deutschen Börse sowie von den Pharma- und Chemiekonzernen Bayer und BASF. Am Donnerstag legen Linde und Dax-Neuling Pro Sieben Sat 1 ihre Quartalsbilanzen vor, ebenso wie Volkswagen. VW hatte dabei in der vergangenen Woche schon recht gute Eckdaten vorgelegt. Am Freitag berichtet Heidelberg Cement. Daneben stehen aus den USA unter anderem die Zahlen von Apple am Dienstag) und der von der Google-Mutter Alphabet am Donnerstag auf dem Terminplan.

Quelle:  Handelsblatt Online
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