Dax-Ausblick: Mehr Bangen als Hoffen

Dax-Ausblick: Mehr Bangen als Hoffen

, aktualisiert 12. August 2017, 10:36 Uhr
von Andrea CünnenQuelle:Handelsblatt Online

Der schwelende Konflikt zwischen den USA und Nordkorea, dazu der starke Euro: Für den Dax war es eine Woche zum Vergessen. Es ist gut möglich, dass die neue Börsenwoche ähnlich turbulent wird.

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North Korean leader Kim Jong Un looks through a pair of binoculars as he organizes and guides a combined joint drill of the units under KPA Combined Units 572 and 630 in this undated photo released by North Korea's Korean Central News Agency (KCNA) in Pyongyang November 23, 2014. REUTERS/KCNA (NORTH KOREA - Tags: POLITICS MILITARY MARITIME) ATTENTION EDITORS - THIS PICTURE WAS PROVIDED BY A THIRD PARTY. REUTERS IS UNABLE TO INDEPENDENTLY VERIFY THE AUTHENTICITY, CONTENT, LOCATION OR DATE OF THIS IMAGE. FOR EDITORIAL USE ONLY. NOT FOR SALE FOR MARKETING OR ADVERTISING CAMPAIGNS. THIS PICTURE IS DISTRIBUTED EXACTLY AS RECEIVED BY REUTERS, AS A SERVICE TO CLIENTS. NO THIRD PARTY SALES. NOT FOR USE BY REUTERS THIRD PARTY DISTRIBUTORS. SOUTH KOREA OUT. NO COMMERCIAL OR EDITORIAL SALES IN SOUTH KOREA

Frankfurt„Haben jetzt eigentliche alle den Verstand verloren?“ Das fragt sich Wolfgang Albrecht, Analyst bei der Landesbank Baden-Württemberg, angesichts des Säbelrasselns zwischen den USA und Nordkorea, das Börsianer in der vergangenen Woche auf Trab hielt und auch in den kommenden Tagen im Fokus der Anleger stehen dürfte.

US-Präsident Donald Trump hat dem kommunistischen Staat für den Fall weiterer Provokationen mit „Feuer und Zorn“ gedroht, wie es die Welt noch nie gesehen habe. Der nordkoreanische Machthaber Kim Jong-Un konterte mit dem Verweis auf einen möglichen Präventivschlag auf den US-Militärstützpunkt der Pazifikinsel Guam. Damit heizte er „einen der gefährlichsten Konflikte der Welt an“ meint Albrecht. Trumps Verteidigungsminister James Mattis setzte noch einen drauf und drohte dem Regime Kim Jon-Uns und dem nordkoreanischen Volk mit Vernichtung.

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Dabei überwiegt die Hoffnung, dass es beim verbalen Schlagabtausch bleibt. „Hunde, die bellen, beißen nicht“, überschreibt die BayernLB ihren Wochenausblick. Das spiegelt auch die Lage an den Märkten wieder. Für den Dax und andere europäische Börsen war es zwar eine Woche zum Vergessen. Aber dramatisch war der Absturz nicht. Der Dax verlor unter dem Strich 2,3 Prozent. Am Freitag fiel er dabei zwischenzeitlich erstmals seit dem Frühjahr unter die Marke von 12.000 Punkten. Später berappelte er sich aber wieder etwas und schloss bei 12.014 Punkten auf dem Niveau des Vortags. Der Euro Stoxx 50 als Standardwerteindex für die Euro-Zone büßte auf Wochensicht 2,9 Prozent ein. Abwärts ging es auch an den US-Börsen.

Gleichzeitig schichteten wieder etwas mehr Anleger Geld aus Aktien in die mit Blick auf die Rückzahlung sicheren Staatsanleihen, vor allem aus Deutschland und den USA um. Entsprechend fiel die Rendite der zehnjährigen deutschen Bundesanleihe erstmals seit Ende Juni wieder unter die Marke von 0,4 Prozent. Die Rendite zehnjähriger US-Staatspapiere ging auf 2,20 Prozent zurück. Auch Gold war bei Anlegern wieder gefragter. Mit in der Spitze 2.187 Dollar kostete eine Feinunze (31,1 Gramm) so viel wie zuletzt vor zwei Monaten.

An den Märkten gilt: erhöhte Vorsicht. In einen ernsthaften Krisenmodus sind die Börsen aber noch nicht umgeschwenkt. So brachte die letzte größere Korrekturbewegung im Zuge der Sorgen um die chinesische Konjunktur dem Dax im Jahr 2016 Abschläge von mehr als zehn Prozent. Zudem gehen die derzeitigen Abschläge vom Jahreshoch bei Deutschlands Leitindex laut Analysten immer noch hauptsächlich auf „heimische“ Faktoren wie den festen Euro und den Kartellverdacht gegen die großen deutschen Automobilbauer zurück. Sein Jahres- und gleichzeitig Allzeithoch hatte der Dax am 19. Juni bei 12.931 Punkten erreicht. Inzwischen liegt er gut sieben Prozent darunter. An der Wall Street dagegen ging die Rekordjagd in diesem Jahr noch bis zum vergangenen Dienstag weiter. Die großen Indizes liegen nur leicht unter ihren Allzeithochs.


Zeit für Gewinnmitnahmen


Christian Kahler, Chefaktienstratege bei der DZ Bank, hält – mit Ausnahme des Euro Stoxx 50 – die großen Indizes in den Industriestaaten für zu teuer. „Die Berichtssaison in den USA hat ein sehr gutes Ende gefunden, und die noch anstehenden Berichte in Europa dürften keine wesentlich neuen Erkenntnisse mehr bringen“, sagt er. Zudem sei in den USA ein Großteil der Rally auf den Technologiesektor und Finanzwerte zurück, die nun auch anfälliger für Korrekturen sein dürften. Kahlers Fazit: „Die Zeit für Gewinnmitnahmen am Aktienmarkt ist günstig.“

So weit geht Andreas Hürkamp, Aktienstratege bei der Commerzbank, zwar nicht. „Beim Dax befinden sich die Erwartungen für die Gewinne, die Dividenden und den Buchwert allesamt auf Allzeithochs“, betont er. An den Aufwärtstrends dieser fundamentalen Dax-Daten dürfte sich nichts ändern. Dennoch dürften in den nächsten Wochen Risikofaktoren wie der stärkere Euro, anhaltende Sorgen um den Autosektor und eben die Nordkorea-Krise den Dax weiter belasten, meint auch Hürkamp. Einen Boden dürfte der Dax seiner Meinung nach im Bereich von 11.500 bis 12.000 Punkten bilden. Das entspräche im schlimmsten Fall aber einem doch ordentlichen Abschlag von mehr als vier Prozent.

Von Seiten der Konjunktur gibt es in der kommenden Woche zwar keine Stimmungsindikatoren, die das Vertrauen der Anleger oder der Industrie in die Wirtschaft messen. Dafür aber eine Reihe „harter“ Daten, die zeigen, wie sich die Wirtschaft zuletzt entwickelt hat. Den Auftakt machen am Montag die Zahlen zur Industrieproduktion in der Euro-Zone, die laut Volkswirten gesunken ist. „Die deutsche Volkswirtschaft dagegen brummt“, meinen die Ökonomen der Dekabank. Im zweiten Quartal sollte das Bruttoinlandsprodukt (BIP) um 0,7 Prozent gegenüber dem Vorquartal gestiegen sein. „Das ist zwar weniger als die schon länger auf euphorischen Höhen schwebenden Stimmungsindikatoren hätten hoffen lassen“, betonen die Deka-Experten. Aber es sei mehr als im ohnehin schon starken ersten Quartal. Das am Mittwoch anstehende BIP in der Euro-Zone dürfte um 0,6 Prozent und damit so stark wie im ersten Quartal gestiegen sein.

In den USA stehen am Dienstag die Einzelhandelsumsätze für Juli auf dem Konjunkturkalender. Ralf Solveen, Volkswirt bei der Commerzbank, erwartet dabei „vor allem ein kräftiges Plus im Kerngeschäft ohne Autos, Baumaterial und Benzin, das im Mai und Juni enttäuscht hatte“. Der private Konsum gilt als Hauptstütze der weltgrößten Volkswirtschaft. Die Konsensschätzung für die gesamten Einzelhandelsumsätze liegt bei 0,4 Prozent gegenüber dem Vormonat. Wichtig wird auch der von der Universität Michigan ermittelte Index für das Verbrauchervertrauen sein. Hier erwarteten Volkswirte eine Steigerung auf 94 Punkte.

Bei den Unternehmen steht am Montag der Versorger RWE im Fokus, der als Dax-Nachzügler seine Quartalszahlen präsentiert. RWE-Chef Rolf Martin Schmitz dürfte einen Milliardengewinn präsentieren. Der liegt aber an einem Sondereffekt, über den sich vergangene Woche schon Eon gefreut hat: der milliardenschweren Rückzahlung der Atomsteuer. Daneben legen in Deutschland unter anderem noch Bilfinger und K+S Zahlen vor, international sind es unter anderem Carlsberg, Wal-Mart, Deere & Co. Punkten können die Unternehmen mit ihren Zahlen aber nur unter einer Voraussetzung: Der Konflikt zwischen Nordkorea und den USA darf nicht zu sehr eskalieren.

Quelle:  Handelsblatt Online
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