Deutsche Börse und Nyse Euronext: Gericht bestätig Fusionsverbot

Deutsche Börse und Nyse Euronext: Gericht bestätig Fusionsverbot

2012 wollte die Deutsche Börse mit der New Yorker Börse zur weltweiten Nummer Eins werden. Die EU-Kommission machte einen Strich durch die Rechnung. Und zwar zu Recht, wie das EU-Gericht nun entschieden hat.

Gut drei Jahre nach der geplatzten Fusion mit der New Yorker Nyse Euronext hat die Deutsche Börse eine weitere Schlappe erlitten. Das Gericht der Europäischen Union erklärte, die EU-Kommission habe die Hochzeitspläne Anfang 2012 zu Recht durchkreuzt. Insbesondere im Börsenhandel mit europäischen Finanzderivaten hätte der Zusammenschluss zum weltgrößten Börsenbetreiber zu einer erheblichen Wettbewerbsbeschränkung geführt.

Die Deutsche Börse gibt sich jedoch noch nicht geschlagen. "Das Unternehmen ist nach wie vor der Meinung, dass die EU-Kommission eine zu enge Marktdefinition verwendet hat. Die Deutsche Börse AG wird prüfen, ob sie gegen das nicht rechtskräftige Urteil Rechtsmittel einlegt", so das Unternehmen. Eine Revision würde binnen zwei Monaten bei der höchsten EU-Instanz, dem Europäischen Gerichtshof (EuGH), landen.

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Europas oberste Wettbewerbshüter hatten damals den Zusammenschluss des Frankfurter Dax-Konzerns mit der New Yorker Börse wegen kartellrechtlicher Bedenken untersagt. Die Behörde fürchtete ein Quasi-Monopol auf dem Markt für europäische Finanzderivate, also Finanzwetten. Dagegen klagte die Deutsche Börse. Das Gericht wies die Klage nun in allen Punkten zurück. Die EU-Kommission habe weder einen Rechtsfehler noch einen Ermessensfehler gemacht.

Weitere gescheiterte Börsenfusionen

  • Regionalbörsen

    Die Welt der Börsenbetreiber ist und bleibt zersplittert. Nationale Eitelkeiten haben viele grenzüberschreitende Fusionen zum Platzen gebracht, immer wieder griffen auch die Wettbewerbshüter ein. Selbst in Deutschland gibt es neben der Börse in Frankfurt zahlreiche Regionalbörsen.

  • New York-New York

    New York-New York: Schon die bloße Drohung eines Einspruchs seitens der US-Wettbewerbshüter reichte, um die Technologiebörse Nasdaq im Mai 2011 von ihrem gut elf Milliarden US-Dollar schweren feindlichen Übernahmeangebot für die benachbarte New York Stock Exchange (NYSE) abzubringen. Damit schien der Weg frei für den Zusammenschluss von NYSE und Deutscher Börse - die aber ihrerseits am Nein der EU-Kommission scheiterte.

  • Singapur-Sydney

    Singapur-Sydney: Die Börse Singapur (SGX) versuchte ebenfalls 2011, die australische Börse ASX zu schlucken. Dafür bot sie 8,4 Milliarden australische Dollar (damals 5,9 Mrd. Euro). Der australische Finanzminister Wayne Swanch erklärte aber klipp und klar, das Angebot der Asiaten sei „nicht im nationalen Interesse“.

  • London-Toronto

    London-Toronto: Auch die London Stock Exchange (LSE) und die Börse Toronto (TMX) mussten ihre Hochzeit 2011 abblasen. Eine Gruppe kanadischer Finanzfirmen war den Briten in die Parade gefahren und hatte ein eigenes 3,7 Milliarden kanadische Dollar (damals 2,6 Mrd. Euro) schweres Übernahmeangebot vorgelegt. Mit ihrem Vorstoß wollten die Kanadier verhindern, dass der wichtigste Finanzhandelsplatz des Landes in ausländische Hände fällt. Die größere Londoner LSE hätte in der Ehe die Übermacht gehabt. (Quelle: dpa)

Der juristische Schlagabtausch bringt für den konkreten Fall zwar nichts mehr, denn die Nyse wurde inzwischen von der US-Börse ICE übernommen und ist damit vom Markt. Die Euronext wurde im vergangenen Jahr separat an die Börse gebracht. Die Branchenkonsolidierung hat in den vergangenen Jahren weitgehend ohne die Deutsche Börse stattgefunden. Der EuGH könnte allerdings grundsätzlich das Feld abstecken und Klarheit für künftige Deals schaffen.

Für die Anleger waren die Nachrichten zu Wochenbeginn keine große Überraschung. Die Deutsche-Börse-Aktie verlor bis zum Mittag gut ein Prozent und damit nur etwas mehr als der Gesamtmarkt.

Deutsche Börse legt Fokus auf Asien

Bei der Bilanzvorlage im Februar hatte der scheidende Vorstandschef Reto Francioni nochmals bekräftigt, die Fusion „wäre gut gewesen für Europa und den Markt“. Er würde das Brüsseler Verbot „nicht als größte Niederlage bezeichnen, eher als größte Enttäuschung“ seiner fast zehnjährigen Amtszeit. Der Schweizer verlässt nach der Hauptversammlung am 13. Mai die Deutsche Börse, an deren Spitze er seit Oktober 2005 stand. Francionis Posten übernimmt zum 1. Juni der frühere oberste Investmentbanker der schweizerischen Großbank UBS, Carsten Kengeter.

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Für Francioni war die Nyse nicht die erste gescheiterte Großfusion. Die Deutsche Börse hatte vor einigen Jahren mehrere Fusionen angestrebt, die sich aber nicht realisieren ließen. Vor dem Verbot für die Fusion mit der Nyse waren bereits Pläne zur Übernahme der Londoner Börse LSE und zur Übernahme der Vierländerbörse Euronext geplatzt. Die Deutsche Börse hat sich inzwischen anders orientiert und sucht ihr Heil vor allem in kleineren Partnerschaften in Asien.

Die Weichen für die Börse hat Francioni bereits gestellt: Bis auf weiteres treibt das Unternehmen keine Mega-Fusionen mehr in Europa und den USA voran, sondern lotet stattdessen Kooperationen in Asien aus. In naher Zukunft könnte dem Konzern hier eine umfassende Zusammenarbeit mit der Shanghai Stock Exchange (SSE) glücken, wie die Börse unlängst bestätigt hat.

Durch die Kooperation der beiden Börsenbetreiber sollen chinesische Investoren Zugang zum deutschen und europäischen Finanzmarkt erhalten. Zudem wollen die Unternehmen die deutsch-chinesische Finanzmarktinfrastruktur ausbauen und die Internationalisierung der chinesischen Währung Renminbi vorantreiben.

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