Finanzexperte einmal anders – Jan Enno Einfeld: „Die Risiken sind beherrschbar“

Finanzexperte einmal anders – Jan Enno Einfeld: „Die Risiken sind beherrschbar“

, aktualisiert 31. Mai 2017, 08:36 Uhr
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Jan Enno Einfeld und Katharina Schneider in 4000 Metern Höhe.

von Katharina SchneiderQuelle:Handelsblatt Online

Fallschirmspringen und Geldanlage haben einiges gemein. Jan Enno Einfeld über sein Hobby und seinen Job als Bereichsleiter Investing bei der Comdirect. Nach dem Interview folgte der Tandemsprung aus 4000 Metern Höhe.

Itzehoe„Hungriger Wolf“ – der Name des Flugplatzes bei Itzehoe, knapp 70 Kilometer nördlich von Hamburg, klingt bedrohlich. Doch an diesem Frühsommertag herrscht dort beste Stimmung. Aus den Lautsprechern ertönt lässige Strandclub-Musik, die Menschen lachen, alle paar Minuten knattert ein kleines Flugzeug vorbei und Fallschirmspringer gleiten elegant zu Boden. Hier ist auch Jan Enno Einfeld häufig anzutreffen. Der Bereichsleiter Investing bei der Comdirect ist Mitglied im YUU-Skydive Fallschirmsport-Verein. Mal fliegt er das Flugzeug, das die Fallschirmspringer absetzt, macht mit seinem Team „Bodyflyers“ Formationssprünge oder bietet Tandemsprünge an. Im Interview spricht er über Parallelen zwischen seinem Beruf und seinem Hobby – und erklärt der Autorin, warum sie vor dem anschließenden Tandemsprung keine Angst haben muss.

Herr Einfeld, wann empfinden Sie mehr Nervenkitzel, beim Fallschirmsprung oder in turbulenten Börsenzeiten?
Turbulente Börsenzeiten können aufregend sein, genauso wie das Fallschirmspringen. Mir geht es aber nicht um Nervenkitzel. Für mich ist das Fallschirmspringen ein Sport, der mir unglaublich viel Spaß bringt und mir hilft, nach einer stressigen Woche abzuschalten und den Kopf mal für etwas anderes zu benutzen als für Börse und Anlageberatung.

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Beides ist mit Vorureilen behaftet – das Fallschirmspringen und der Aktienhandel. Ist es schwieriger, Menschen davon zu überzeugen, dass Geldanlage mit Aktien keine Zockerei ist oder dass Fallschirmspringen nicht gefährlich ist?
Ich glaube, es ist zumindest in Deutschland eine größere Herausforderung, Menschen davon zu überzeugen, ihr Geld in Wertpapiere anzulegen. Wir müssen ihnen noch vermitteln, dass es ohne Wertpapiere aktuell nicht funktioniert. Viele wissen zu wenig darüber, deshalb legen sie ihr Geld meist nur in Spareinlagen an, ohne die bestehenden Angebote zur Information und Unterstützung zu nutzen. Beim Fallschirmspringen dagegen ist jedem klar, dass man entweder selbst eine Ausbildung machen oder im Tandem mit einem ausgebildeten Profi springen muss. Keiner käme auf die Idee, einfach so in 4000 Metern Höhe aus dem Flugzeug zu springen.

Wie kamen Sie auf die Idee Fallschirmspringer zu werden?
Mit 14 Jahren habe ich das Segelfliegen angefangen und später die Motorseglerlizenz erworben. Dann folgte Motorflug, doch das ist sehr teuer. Während des Studiums hatte ich die Idee, Fallschirmspringer abzusetzen, so konnte ich fliegen und bekam auch noch Geld dafür. In dem Fallschirmsprungverein in meiner Nähe durften aber nur Piloten fliegen, die selbst Springer waren, also habe ich den Kurs gemacht.

Können Sie sich an Ihren ersten Sprung erinnern?
Der war ganz schrecklich. Ich bin mit einer automatischen Aufziehleine in 1000 Metern Höhe aus einem kleinen Flugzeug gesprungen, das keine richtige Tür, sondern nur einen Stoffvorhang hatte. Als der hochgerollt wurde, hat es mich viel Überwindung gekostet, zu springen und ich habe mich die ganze Zeit gefragt: „Was machst du hier?“ Etwa nach dem zehnten Sprung hat sich das gegeben und seitdem macht es nur noch Spaß.


Wie sieht es mit Ihrer ersten Aktie aus, waren Sie damit erfolgreich?
Welche meine erste war, weiß ich nicht mehr genau. Ich erinnere mich aber gut an Highlight Communication. Das war zu Neuer-Markt-Zeiten und ich war gerade Auszubildender bei der Sparkasse. Wir haben öfter versucht, bei Neuemissionen dabei zu sein, weil man damit damals hohe Gewinne erzielen konnte. Ich hatte tatsächlich eine Zuteilung bekommen und habe nach einem erheblichen Kursanstieg verkauft. Als der Kurs dann noch weiter stieg, hat sich ein Kollege über mich lustig gemacht. Das währte aber nicht lange, im Frühjahr 2000 ging der Kurs plötzlich runter. Da dachte ich mir: Von realisierten Gewinnen ist noch nie einer Pleite gegangen.


„Robo-Advisors können eine große Hilfe sein“

Bei der Comdirect sind Sie in den vergangenen Jahren vom Bereichsleiter Trading zum Bereichsleiter Investing gewechselt. Wie sieht ihr privates Portfolio aus?
Früher habe ich häufiger mit Einzeltiteln gehandelt oder auch Optionsscheine zur Absicherung genutzt. Mittlerweile bin ich komplett auf ETFs und gemanagte Fonds umgestiegen. Mich interessiert zwar noch, wie sich einzelne Papiere entwickeln, aber mir fehlt die Zeit, um das intensiv zu verfolgen. Mit meinem privaten Portfolio bin ich wirklich zufrieden, ich bewege ich mich schon lange sehr gut im Mittelfeld. Außerdem gehöre ich zu den Cominvest-Kunden der ersten Stunde.

Cominvest ist der Robo-Advisor der Comdirect, den Sie mitentwickelt und Mitte Mai gestartet haben. In Deutschland stammen solche Angebote bisher vor allem von Finanz-Start-ups. Haben Sie sich da etwas abgeschaut?
Fintechs und andere digitale Start-ups setzen häufig bei den Bedürfnissen der Kunden an und legen einen extremen Schwerpunkt auf Bedienfreundlichkeit. Davon können etablierte Banken lernen. Unsere digitale Vermögensverwaltung unterscheidet sich aber sehr deutlich von anderen Angeboten, da wir drei Stufen der Beratung anbieten: von Tipps bei der Wertpapier-Auswahl über Anlageberatung bis zur vollständigen Vermögensverwaltung.

Werden Robo-Advisors den menschlichen Berater ersetzen?
Die digitale Vermögensverwaltung ist für sehr viele Kunden das Zukunftsmodell. Sie können es täglich rund um die Uhr von überall nutzen, es ist kostengünstig und lässt sich individuell anpassen. Trotzdem glaube ich, dass auch ein menschlicher Berater weiterhin eine Daseinsberechtigung hat, insbesondere, wenn es um komplexe Vermögensstrukturen und die Kombination unterschiedlicher Finanzprodukte geht.

Können Robo-Advisors helfen, die deutschen Sparer zu Aktionären zu machen?
Ich glaube ja, aber nicht von heute auf morgen. Wer bisher nur auf Zinsprodukte gesetzt hat, muss seine Anlagestrategie ändern, und da können Robo-Advisors eine große Hilfe sein.

Nun, mit ETFs habe ich schon eigene Erfahrungen gesammelt, jetzt ist der Selbstversuch im Fallschirmspringen dran. Zur Vorbereitung bekomme ich einen orange-grauen Overall, eine Ledermütze und eine Schutzbrille. Jan Enno Einfeld zeigt mir, in welcher Position wir aus dem Flugzeug springen, wie wir die Arme im freien Fall anwinkeln und er erklärt, warum wir die Beine bei der Landung nach vorne strecken.

Bei der Geldanlage gibt es die goldene Regel, dass man das Risiko streuen sollte, wie ist das beim Fallschirmspringen?
Da ist das genauso, deshalb haben wir zwei Fallschirme dabei und ein automatisches Aktivierungsgerät, das uns im äußersten Notfall hilft, den Schirm zu öffnen. Die Technik ist sehr gut gewartet und bietet die größtmögliche Sicherheit. Genauso wie eine Wertpapieranlage ist auch Fallschirmspringen nicht vollkommen risikofrei, aber es ist ein beherrschbares Risiko.

Bei der Geldanlage gibt es immer den Hinweis, dass die Wertentwicklung der Vergangenheit kein Indikator für die Entwicklung in der Zukunft ist. Ich frage trotzdem: Wie oft haben Sie das schon gemacht und wie lief es?
Ich habe insgesamt etwa 7500 Sprünge gemacht, davon 6500 im sogenannten „Tunnel“ beim Indoor-Skydiving und rund 1000 draußen. Etwa 150 davon waren Tandems und keinem Tandemgast ist irgendwas passiert – es gab höchstens mal bei der Landung einen blauen Fleck. Ich glaube, das wird auch dieses Mal gut!

Na, gut, die Risikostreuung und die Erfahrung überzeugen mich. Trotzdem stelle ich ein paar Fragen lieber noch vor dem Sprung. Wer weiß, wie es mir nach dem Sprung geht…

Im „Tunnel“ üben Sie Formationssprünge. Wie muss man sich das vorstellen?
Der Tunnel ist eine Röhre, in die von unten Luft geblasen wird, so dass man darin schweben kann. Bei den Formationen ist es wichtig, vorher einen genauen Plan zu haben – wieder eine Parallele zur Geldanlage, da sollte man ja auch nicht wahllos irgendwelche Aktien oder ETFs kaufen, sondern vorher überlegen, was gut zusammenpasst. Beim Springen lautet die Devise: „Plane den Sprung und springe den Plan“. Es geht darum, in welcher Position man das Flugzeug verlässt, wie man einander im freien Fall festhält und wie man sich wieder voneinander trennt. Im vergangenen Jahr habe ich mit 22 weiteren Springern den europäischen Rekord im Head-up-Fallschirmspringen gebrochen.


„Fast jeder kann Fallschirmspringen“

Was braucht es, um ein guter Fallschirmspringer zu werden?
Bezogen auf die körperlichen Voraussetzungen kann so gut wie jeder Fallschirmspringen. Beim Tandemspringen hatten wir schon ältere Damen mit 85 Jahren oder Kinder unter zehn Jahren. Man muss lediglich eine normale Grundfitness haben und darf nicht mehr als 95 Kilo wiegen, das ist die Grenze, bis zu der die Ausrüstung zugelassen ist. Wer alleine springen möchte, braucht Disziplin. Beim Einpacken des Fallschirms zum Beispiel muss man sehr akribisch sein, sonst kann es passieren, dass sich der Schirm nicht richtig öffnet.

Kommt Ihnen das akribisch-Sein auch im Job zugute?
Sicherlich, ich kann sehr genau und konzentriert arbeiten. Wenn man häufiger Fallschirmspringt, entwickelt man aber auch eine Tiefenentspannung. Für den Körper ist es natürlich Stress, wenn man aus 4000 Metern Höhe aus dem Flugzeug springt und mit 200 bis 300 Stundenkilometern Richtung Erdboden rast. Wenn man das öfter macht, bleibt man auch in stressigen Situationen im Job oder anderswo gelassener.

Da ertönt der Aufruf für den Shuttle-Bus. Wir fahren wenige Minuten zum Startpunkt der Absetzmaschine. Die Cessna Caravan hat zwei Sitzbänke und bietet Platz für 14 Personen. Statt einer normalen Tür hat sie ein Rollo. Der Anstieg auf 4000 Meter Höhe dauert beinahe 20 Minuten. Danach geht alles ganz schnell. Beim Aussteigen habe ich keine Zeit zu überlegen, ich hocke kaum eine Sekunde in der offenen Flugzeugtür und da geht es auch schon los. Im freien Fall denke ich kurz, ich könne gar nicht atmen, der Druck ist enorm, aber dann geht es doch. Als der Fallschirm aufgeht, ist es einfach nur noch schön, runtersegeln, ganz entspannt, toller Ausblick.

Ich könnte mir vorstellen, dass Sie das gerne ständig machen wollen, käme es für Sie in Frage, das Hobby zum Beruf zu machen und den Banker-Job aufzugeben?
Das Fallschirmspringen macht mir unglaublich viel Spaß. Natürlich bin ich auch gerne Banker. Und ich freue mich gerade in dieser spannenden Zeit, die Branche mitzugestalten. Und auch bei der Comdirect haben wir noch viel vor.
Herr Einfeld, vielen Dank für das Interview.

Quelle:  Handelsblatt Online
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