Gold-Indexfonds: Brexit und Zinstief lassen Goldpreis steigen

Gold-Indexfonds: Brexit und Zinstief lassen Goldpreis steigen

, aktualisiert 05. Juli 2016, 06:04 Uhr
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Die Unsicherheit an den Märkten treibt den Preis für das Edelmetall nach oben.

von Katharina SchneiderQuelle:Handelsblatt Online

Als sicherer Hafen in ungewissen Zeiten locken derzeit nicht nur Goldbarren, sondern auch Gold-Indexfonds die Anleger. Die Goldbestände der Fonds steigen stark an. Auch der Preis je Feinunze nähert sich seinem Zweijahreshoch.

FrankfurtAuch das noch – werden sich viele Anleger nach dem Brexit-Votum vor anderthalb Wochen gedacht haben. Als würde ihnen das schwächelnde Wirtschaftswachstum und die Belastung durch die Nullzinspolitik der Notenbanken nicht schon genug Sorgen bereiten. Um sich abzusichern, setzen jetzt noch mehr Investoren auf die Krisenwährung Gold. Das zeigt sich auch an börsengehandelten Gold-Indexfonds (ETFs). Allein am vergangenen Freitag sind die Goldbestände dieser ETFs um 6,6 Tonnen auf 1.959 Tonnen gestiegen. Im Januar hatten sie laut Daten von Bloomberg noch bei 1.458 gelegen. Nun haben sie das höchste Niveau seit August 2013 erreicht.

Gold gilt bei vielen Investoren als sicherer Hafen in ungewissen Zeiten. Die gesteigerte Nachfrage hat auch den Preis je Feinunze ordentlich angetrieben: Seit Januar verteuerte sich das Edelmetall um rund 27 Prozent. Nach Bekanntwerden des Brexit-Votums hat der Kurs erneut einen Schub nach oben bekommen. Seit dem 23. Juni ist er von etwa 1260 Dollar auf am Montag zeitweise rund 1357 Dollar je Feinunze geklettert. Damit erreichte der Goldpreis beinahe sein Zweijahreshoch.

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An den Aktienmärkten hat sich die Lage mittlerweile wieder etwas beruhigt, doch die Notierung des Krisenbarometers Gold bleibt weiterhin erhöht. „Dies zeigt uns, dass das gelbe Edelmetall weiterhin als Absicherungsvehikel gefragt ist“ sagt Gabor Vogel, Rohstoffexperte der DZ Bank. „Wir sehen Gold ohnehin nicht als spekulatives Instrument, sondern als eine Art Versicherung, die in stürmischen Kapitalmarktzeiten Stabilität im Portfolio liefert.“

Allerdings: „Wer aber eine "Gold-Versicherung" abschließt, verzichtet auf regelmäßige Kupon- und Dividendenzahlungen. Diese Opportunitätskosten des Goldbesitzes stellen einen Teil der Versicherungsprämie dar“, so Vogel. Der zweite Teil der Prämie resultiere aus der Tatsache, dass sich der Versicherungsnehmer – also der Goldanleger – im Klaren darüber sein müsse, dass die Goldnotiz – insbesondere in weniger unsicheren Zeiten – zum Teil erheblichen Schwankungen unterliegt und auch über einen längeren Zeitraum fallen kann. Die DZ Bank geht davon aus, dass das Interesse an Gold hoch bleibt. Erst im Laufe des Jahres 2017 sei für die zweite Jahreshälfte mit steigenden Zinsen zu rechnen, dann werde der Goldpreis wieder in Richtung 1.250 Dollar je Unze gedrückt.

Auch die Marktexperten von Heraeus Metal sehen den Brexit nur als mittelbare Ursache für den aktuellen Anstieg des Goldpreises. „Auslöser für die Erholung sind einmal mehr die Erwartungen an die US-Zinspolitik“, sagten sie am Montag. „Nach dem Brexit-Referendum gehen die Marktteilnehmer zunehmend davon aus, dass eine Leitzinsanhebung nicht unmittelbar bevorsteht.“ Sie halten einen solchen Schritt frühestens Ende des Jahres für wahrscheinlich. Allerdings: „Auch wenn sich die erste Nervosität etwas gelegt hat, wird der Brexit die Anleger mittelfristig in Atem halten und damit Gold als „sicheren Hafen“ weiterhin unterstützen.“


Silber hat noch stärker zugelegt

Sehr starkes Kaufinteresse sei weiterhin in Großbritannien zu beobachten. Den deutschen Markt dominierten hingegen Gewinnmitnahmen. „Da der Goldpreis in Euro weiterhin auf dem höchsten Niveau seit April 2013 handelt, kommt diese Entwicklung nicht überraschend“, so Heraeus. „Wir gehen jedoch davon aus, dass ein Großteil des Verkaufsinteresses inzwischen gestillt ist und erwarten für die kommenden Wochen eine steigende Nachfrage.“ Der Preis dürfte sich zunächst zwischen 1300 und 1390 Dollar bewegen.

Das Research-Team der Commerzbank weist zudem darauf hin, dass der Silberpreis zwischenzeitlich sogar noch deutlich stärker zugelegt habe als Gold. Silber hat erstmals seit zwei Jahren wieder die Marke von 21 Dollar je Feinunze überschritten. In der Folge erreichte das Gold-Silber-Verhältnis mit gut 64 den niedrigsten Stand seit August 2014. Diese Preisbewegung wurde inzwischen aber teilweise korrigiert.

„Silber handelt „nur“ noch bei gut 20 Dollar, das Gold-Silber-Verhältnis liegt wieder bei über 67. Die Unterbewertung von Silber gegenüber Gold ist damit weitgehend abgebaut“, so die Commerzbank-Experten. Silber profitiere dabei neben dem Preisanstieg bei Gold auch von der breitangelegten Stärke bei den Industriemetallen. Derart abrupte Preisbewegungen habe es bei Silber in der Vergangenheit schon öfter gegeben, und sie seien daher nicht vollkommen ungewöhnlich. Noch im März lag das Gold-Silber-Verhältnis mit 83 bei einem 23-Jahreshoch.

Quelle:  Handelsblatt Online
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