Riedls Dax-Radar: Spekulationen um Rohöl, Euro und Linde

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Ein sich stabilisierender Ölpreis und die geplante Fusion von Gashersteller Linde mit dem US-Wettbewerber Praxair würden der Börse guttun.

Kolumne von Anton Riedl

Gute Aussichten für Anleger: Die Erholung am Ölmarkt und ein kaum veränderter Euro dürften den Dax bei seiner kurzfristigen Korrektur stützen. Extra Schub sollte es für Linde geben, wenn die Fusionspläne vorankommen.

Erstmals seit Mitte Juni ist der Preis für ein Fass Rohöl der Nordseesorte Brent wieder über 50 Dollar gestiegen.
Noch vor wenigen Wochen gab es Ängste, der Preis für das Schwarze Gold könnte erneut abstürzen und Notierungen unter 30 Dollar erreichen. Doch im Bereich zwischen 40 und 45 Dollar, ziemlich genau auf der Durchschnittslinie der vergangenen 200 Handelstage, kam es zu einer schnellen Preiserholung.

Grund dafür sind Spekulationen, nach denen sich die großen Förderländer um Saudi Arabien womöglich auf Produktionsobergrenzen einigen könnten. Zudem dürften auch Äußerungen aus Saudi-Arabien eine Rolle gespielt haben, wonach das Land seine hohe Abhängigkeit vom Öl reduzieren wolle. Langfristig könnte das die Produktion dämpfen – und damit die Preise stabilisieren.

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Dass ein solches Schlüsselprodukt wie Öl auf Dauer so billig bleibt wie jetzt, ist ohnehin wenig wahrscheinlich. Denn die zwei entscheidenden Gründe für niedrige Ölpreise – kurzfristig hohe Lagerbestände und die Überproduktion großer Förderländer wie Saudi-Arabien, Russland und die USA – gelten keineswegs für immer. Auf Lagerbestände zu achten, ist eher eine Übung kurzfristiger Rohstoffspekulanten; und dieser Blick kann sich schnell drehen.

Mittelfristig Ölpreise zwischen 40 und 60 Dollar möglich

Und auch bei den großen Produzenten sind Verschiebungen möglich. Die Investitionen in amerikanisches Schiefergestein sind rückläufig, Saudi-Arabien könnte sich umorientieren und weniger fördern und in westafrikanischen Fördergebieten drohen politische Unruhen die Ölproduktion zu stören. Was ist, wenn etwa auch noch Russland nicht mehr bis zum Anschlag fördert? Ein geringeres Angebot würde den Ölpreis sicher anschieben. Auf der anderen Seite, beim Ölverbrauch, zeigt der große Trend nach wie vor nach oben.

Sowohl die Amerikaner als auch die Chinesen, die größten Ölverbraucher, sehen derzeit nicht danach aus, als ob sie zu Sparbrennern werden.

Über Jahrzehnte galt die Grundregel, dass teures Öl schlecht für deutsche Aktien ist, weil es die Kosten hochtreibt und die allgemeine Konjunktur abwürgt. Doch diese Gleichung gilt nicht mehr. Heute ist es für viele Unternehmen sogar von Vorteil, wenn Öl nicht ganz so billig ist. Im Dax ist das besonders sichtbar an BASF, die einen erheblichen Teil ihrer operativen Gewinne aus dem Öl- und- Gasgeschäft der Tochter Wintershall ziehen.

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Rechtzeitig den Bullen fangen: Welche Aktien das größte Potenzial für einen Turnaround haben. Quelle: dpa Picture-Alliance

Teures Öl schadet nicht

Besonders wichtig ist der Ölpreis für die Vereinigten Staaten geworden, die sich in den vergangenen Jahren zu einem regelrechten Rohstoffland entwickelt haben – und der Ölpreis ist die entscheidende Rohstoffkurve weltweit. Das verhaltene Tempo der amerikanischen Wirtschaft hat auch damit zu tun, dass die Investitionen in die Schieferölindustrie in den vergangenen Monaten deutlich zurückgegangen sind.

Darüber hinaus ist der Ölpreis immer noch eine Kurve, die mit der allgemeinen Dynamik der Weltwirtschaft verbunden ist. So gesehen sind in den nächsten Monaten Notierungen zwischen 40 und 60 Dollar eher wahrscheinlich als ein neuerlicher Absturz. Auch die ersten Stabilisierungen an den anderen Rohstoffmärkten deuten in diese Richtung.

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