Anleihen: Gläubiger haben Sicherheiten, Sparer gehen leer aus

Anleihen: Gläubiger haben Sicherheiten, Sparer gehen leer aus

von Christof Schürmann

Am Markt für Zinspapiere erhalten Anleger kaum noch einen Ausgleich fürs Risiko. Warum Unternehmensanleihen trotzdem besser als Festgelder sind, wie Investoren trotz Zinstief eine Rendite über der aktuellen Inflationsrate schaffen.

Nostalgie kann die Sicht auf die Vergangenheit erheblich verzerren. So ist es dieser Tage in Kreisen von Mittelalter-Nostalgikern groß in Mode, das gemeinhin finstere und von Elend und Unwissen geprägte Zeitalter als „golden“ zu verklären. Seit dem 12. Jahrhundert hätten sich unsere Vorfahren über 300 Jahre an einer prosperierenden Wirtschaft gelabt. Prosperiert habe die, weil sie sich – auf Druck der römischen Kirche – des gottlosen Zinses entledigt hätten.

Die Nostalgiker dürfen frohlocken: Goldene Zeiten stehen bald wieder an. Schließlich brachte in der Jetztzeit Finanzminister Wolfgang Schäuble schon Schuldverschreibungen unter die Leute, ganz ohne dafür Zinsen zahlen zu müssen. Das könnte bald auch für Einlagen bei Banken gelten. Denn kurzfristige Gelder verzinsen sich so niedrig wie nie. Breisgauer etwa erhalten von ihrer Sparkasse in Freiburg 0,1 Prozent Zins aufs Tagesgeld; die katholische Liga Bank in Regenburg zahlt 0,25 Prozent – dafür müssen sich Kunden aber schon zwei Jahre binden.

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Nicht nur Zinserträge nahe null machen Tagesgelder unattraktiv. Vielmehr ist auch die Sicherheit der Bankeinlagen zunehmend bedroht. Der Grund: Wenn Banken Schulden machen, stellen sie Gläubigern zunehmend Sicherheiten aus ihrer Bilanz zur Verfügung. Falls die Bank pleitegehen sollte, sind diese Sicherheiten aber dem Zugriff der Sparer entzogen.

Dass Banken Schuldpapiere mit Sicherheiten unterlegen, ist im Prinzip nicht neu. Von Banken ausgegebene Pfandbriefe etwa sind mit Grundschulden aus Immobilienkrediten oder mit Forderungen gegen die öffentliche Hand abgesichert.

Neu ist, dass Banken immer mehr Sicherheiten benötigen. Sie konnten sich zwar billig Geld bei der Europäischen Zentralbank (EZB) besorgen, die seit dem Crash der Lehman-Bank Hunderte Milliarden Euro schwere Refinanzierungsprogramme gestartet hat. Im Gegenzug mussten die Banken aber Sicherheiten bei der EZB deponieren.

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