Bargeld: Experten sehen Einschränkungen skeptisch

Bargeld: Experten sehen Einschränkungen skeptisch

Kommt man Geldwäsche, Terrorfinanzierung oder Schwarzarbeit mit der Abschaffung des Bargelds bei? Wohl kaum, meinen Experten. Kriminelle seien schließlich nicht „blöd“.

Die von der Bundesregierung angedachte Obergrenze für Zahlungen mit Bargeld wird nach Einschätzung von Experten organisiertes Verbrechen oder Schwarzarbeit kaum eindämmen. „Das bringt fast gar nichts“, sagte der Schattenwirtschafts-Experte Friedrich Schneider von der Universität Linz der „Frankfurter Allgemeinen Zeitung“ (Samstagsausgabe). Bei einem Limit von 5000 Euro könnte die Schwarzarbeit um ein Prozent zurückgehen. Selbst bei einem totalen Bargeldverbot rechnet der renommierte Forscher nur mit einem Rückgang um zwei bis drei Prozent. Derzeit liege der Anteil der Schattenwirtschaft bei etwa 11 Prozent des Bruttoinlandsprodukts.

Bargelddebatte Rettet das Bargeld und die Freiheit!

Die Abschaffung des Bargelds soll Kosten senken und Kriminalität bekämpfen, sagen die Befürworter. In Wahrheit aber geht es um etwas anderes: Um Kontrolle, Enteignung und die Abschaffung der Privatsphäre. Ein Kommentar.

Eine Mitarbeiterin einer Bank übergibt am Schalter einer Sparkasse 5000 Euro in 500-Euro-Scheinen an einen Mann. Quelle: dpa

Auch die organisierte Kriminalität würde man mit einer Abschaffung des 500-Euro-Scheins und Barzahlungsgrenzen nur wenig treffen. „Das organisierte Verbrechen ist doch nicht blöd, sondern die Geldwäsche läuft doch längst weit überwiegend bargeldlos über Scheinfirmen; nur in Filmen ist es noch so, dass die mit einem Geldkoffer über die Grenze reisen“, sagte Schneider.

Auch der Deutsche Richterbund zeigte sich skeptisch. Es sei relativ einfach, Geldflüsse zu verschleiern und Geldwäsche zu betreiben, sagte Präsidiumsmitglied Peter Schneiderhan sagte der Zeitung. Dies geschehe durch Überweisungsketten und durch die Nutzung von Konten, die unter Verwendung einer falscher Identität eröffnet worden seien. „Die Abschaffung von Bargeld würde daher Terrorismusfinanzierung oder Geldwäsche nicht verhindern, sondern nur auf elektronische Zahlungswege verlagern.“

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Die große Mehrheit der Deutschen hängt zudem an Schein und Münze. Nur jeder Fünfte (21 Prozent) könnte sich ein bargeldloses Leben vorstellen, wie eine repräsentative TNS-Emnid-Umfrage für den „Focus“ ergab. Hingegen wollen 79 Prozent nicht auf Bargeld verzichten. Der FDP-Vorsitzende Christian Lindner wettert gar, die Abschaffung des Bargelds verstoße gegen die Verfassung. „Wenn Union und SPD das nicht verstehen, dann sollte der Schutz des Bargeldes im Grundgesetz verankert werden“, sagte der Politiker der „Bild“-Zeitung (Samstagsausgabe). Auch eine Begrenzung von Bargeldzahlungen lehnte er ab. Auch Bankenvertreter mahnten die Verfügbarkeit von Bargeld ohne Grenzen an. Der Vorsitzende der Volks- und Raiffeisenbanken, Uwe Fröhlich, nannte eine mögliche Abschaffung einen „unnötigen Eingriff in die Freiheit“.

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7 Kommentare zu Bargeld: Experten sehen Einschränkungen skeptisch

  • "Die Mehrheit der Deutschen hängt zudem an Schein und Münze."

    Wer kommt denn auf diesen Quatsch? Dann stelle man sich nur einige Minuten an die Supermarktkasse. Obwohl die Kartenzahlung viel länger dauert als mit Bargeld, werden häufig Zahlbeträge unter 10 Euro mit Karte bezahlt. Sicher Erinnert sich kaum noch jemand, dass auch Mieten, Strom und Gas vor kaum 50 Jahren alle mit Bargeld bezahlt wurden. Auch die Lohntüte stammt aus dieser Zeit. Wie viele Leute bekommen heute ihren Lohn in der Lohntüte bar ausbezahlt durch der Geldboten aus dem Lohnbüro?
    Der wird wohl auch noch per Hand ausgerechnet, wie vor 50 Jahren und in Bus und Bahn kommt der Schaffner und sammelt die Groschen für die Fahrkarte ein? In welcher Zeit leben die Experten und die Medien?

    Die Deutschen hängen viel mehr an Schal und Mütze als an Schein und Münze.

  • Erinnert sich noch jemand, dass auch das Zeitungsabonnement durch den Briefträger kassiert wurde?

    Mit Bargeld werden heute weniger als zehn Prozent der privaten Zahlungen erledigt. In den Unternehmen sind das weniger als ein Prozent.

    Zu solchen falschen Auffassungen kommt nur noch, dass allein das Geld in Scheinen und Münzen gesetzliches Zahlungsmittel sei? Das Geld von Girokonto ist dann wohl kein gesetzliches und auch kein Zahlungsmittel? So dumm können wohl nur Banker sein?
    Wieso konnte Gold und Silber aus dem Zahlungsverkehr verschwinden und durch Papier bzw. elektronisch gespeicherte Ziffern ersetzt werden? Nun Weil alles Geld im Zahlungsverkehr Zahlungsmittel ist. Gesetzliches Zahlungsmittel ist es nur dann, wenn es staatlich vor Fälschung garantiert werden muss. Noch nie etwas von elektronischer Kontofälschung gehört, oder was? Geld kann sämtliche Zahlungsfunktionen erfüllen, auch wenn es keine Münzen und Scheine mehr gäbe. Das ist nur noch eine Frage der Tradition. In diesem Sinne verschwindet täglich ein kleines bisschen Bargeld im Zahlungsverkehr, bis es in einigen Jahrzehnten völlig verschwunden ist. Die entscheidende Frage lautet dann: Wird es Geld, wie wir es heute kennen dann überhaupt noch geben? Garantiert das Vollgeld wenigstens den vollen Nutzen der Güter und Dienstleistungen?

    Der Geldfetisch vernebelt doch den Verstand viel zu sehr, als dass die durch Geld vermittelte menschliche Beziehung deutlich wird.

    Warum kommen Tiere und Pflanzen ohne Geld aus, was die Menschen "keinen" Tag aushalten würden?


  • • Erst Aushoehlung, dann Abschaffung des Bankgeheimnissess
    • Dann Abschaffung des Bargelds
    • Danach allegmeine Steuerung des Ausgabeverhaltens durch den Staat (Negativzinsen zwecks Konsumfoerderung, Ausgabeeinschraenkungen wenn bestimmte Banken Liquiditaetsgefaehrdet sind)
    • Schliesslich Steuerung des Ausgabeverhaltens von Individuen durch den Staat (wer darf Alkohol, Suessigkeiten, Fleisch kaufen und wieviel?)
    • Letztendlich Ausschalten aller Kaufmoeglichkeiten bei unbotmaessigem Verhalten.

    Es gehoert nicht einmal besonders viel Fantasie dazu sich vorzustellen, wohin die Reise geht.

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