Stelter strategisch: Wenn Notenbank-Helikopter Geld abwerfen - außer in Europa

kolumneStelter strategisch: Wenn Notenbank-Helikopter Geld abwerfen - außer in Europa

Kolumne von Daniel Stelter

Die Rotoren starten, die Laderäume werden mit Geldscheinen gefüllt. Das Helikoptergeld der Notenbanken befindet sich auf der Startbahn. Doch was, wenn die Europäische Zentralbank erst später mitmachen darf?

Die Forderungen nach weiteren aggressiven Maßnahmen der Notenbanken werden immer lauter. Ich befürchte, dass es bei noch negativeren Zinsen und damit einhergehenden Einschränkungen der Bargeldnutzung nicht bleiben wird. Zu sehr ist die Welt in der Eiszeit gefangen, wie ich – so viel Eigenwerbung sei gestattet - auch in meinem neuen Buch "Eiszeit in der Weltwirtschaft" beschreibe.

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Besonders aktiv mit der Forderung nach neuen Instrumenten der Geldpolitik ist der erfolgreichste Hedgefonds-Manager aller Zeiten, Ray Dalio von Bridgewater. Nachdem er bereits im Januar bei CNBC und in der Financial Times nach den Helikoptern gerufen hatte, legte er vergangene Woche nach.

Zum Autor

  • Daniel Stelter

    Daniel Stelter war von 1990 bis 2013 Unternehmensberater bei der Boston Consulting Group (BCG), zuletzt als Senior Partner, Managing Director und Mitglied des BCG Executive Committee. Seit 2007 berät Stelter internationale Unternehmen zu den Herausforderungen der fortschreitenden Finanzkrise. Zusammen mit David Rhodes verfasste er das 2010 preisgekrönte Buch „Nach der Krise ist vor dem Aufschwung“. Weitere Bücher folgten, aktuell hat Stelter das Buch "Eiszeit in der Weltwirtschaft" veröffentlicht. Stelter ist Gründer des auf Strategie und Makroökonomie spezialisierten Forums „Beyond the Obvious“, das Antworten auf die wirtschaftlichen und finanzpolitischen Fragen unserer Zeit sucht.

Die Geldpolitik über den Vermögenseffekt wirkt demnach nicht mehr, weil die Assets schon so teuer sind, dass künftige Renditen nicht mehr attraktiv sein können. Eine Tatsache, die mehr als einmal Gegenstand dieser Kolumne war. Damit wird Bargeldhaltung immer attraktiver, bietet es doch sicheren nominellen Null-Ertrag, der bei Deflation sogar positiv ist. Bei allen anderen Assets sind die Risiken asymmetrisch nach unten ausgerichtet, wie auch in der vergangenen Woche an dieser Stelle erläutert (Wer es verpasst hat, sollte es unbedingt nachlesen. Höhere Risiken führen zu überproportionalen Kursrückgängen). An einem Tag kann man eine Jahresrendite verlieren. Das Aufwärtspotenzial dagegen ist begrenzt. Gold und Goldminen würde ich trotz der jüngsten Kursgewinne davon ausnehmen.

Stelter strategisch Was wäre, wenn der Euro platzt?

Als Investor muss man in Szenarien denken. Auch das Ende des Euros gehört dazu. Nach dem Theater um Griechenland erst recht. Wer gewinnt, wer verliert, wenn der Euro auf die eine oder andere Art scheitert?

Ein leerer Luftballon mit dem Logo der Europäischen Union (EU) Quelle: dpa

Laut Dalio ist damit zwangsläufig auch die Volatilität der Wechselkurse höher, weil bei tiefen Zinsen und geringen Zinsdifferenzen die Anpassungen zwischen den Währungen abrupter und stärker ausfallen. Fehle die Flexibilität der Wechselkurse – wie etwa in der Eurozone – seien die realwirtschaftlichen Anpassungen umso schmerzvoller. Die Folge sind laut Dalio zunehmende „Währungskriege“, bei denen man durch die Schwächung der eigenen Währung versucht, einen – kurzfristigen – Vorteil zu erlangen.

Nach dieser bekannten Beschreibung der Situation kommt Dalio zu dem Fazit, dass nun die dritte Phase der Geldpolitik beginne, „(...) which will more directly and forcefully encourage spending“. Gemeint sind Staatsfinanzierung und Geld für Haushalte direkt von der Notenbank (da sind sie wieder, die 10.000 Euro aus dem Notenbank-Helikopter für jeden...). Natürlich betont er, dass er das nicht empfehle und auch nicht erwarte, dass es rasch geschieht. Er sieht es nur als Notwendigkeit, weil sonst die Wirtschaft nicht wieder auf die Beine komme.

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12 Kommentare zu Stelter strategisch: Wenn Notenbank-Helikopter Geld abwerfen - außer in Europa

  • 10.000 Dollar oder Euro oder eine Million Yen für jeden, egal ob Baby oder Greis, egal ob Sozialhilfeempfänger oder Multimillionär und auch für Milliardäre? Was würden diese mit 10.000 Dollar anstellen? Spenden oder was?

    Eine Familie mit 10 Kindern erhalt dann 12 mal 10.000 Dollar? Zahlen die damit ihren Hauskredit? Und dann?

    Was ist wohl mit Staatsfinanzierung durch die Notenbank gemeint? Die Notenbank kauft sämtliche Schulden des Staates und der kann erneut so viele neue Schulden machen, wie die Notenbank aufkauft? Dalio hat es nicht nötig Neuverschuldungsquoten oder Staatsschuöldenquoten auch nur anzusehen. Die Neuverschuldung der USA betrug 2010 über 12 Prozent des USA BIP 2010. Welches Wirtschaftswachstum hatten die USA 2010? Na wie viel?
    Was sollte der Vergleich mit Deutschland seit 2010 aussagen? Wer liest schon den Monatsbericht des Bundesfinanzministeriums vom 19. Februar 2016 Seiten 111 und 112?
    Was haben die USA mit über 1.400 Milliarden Dollar 2010 angefangen? Wurde AIG für über 100 Milliarden gerettet? Welches Wachstum hat das gebracht?
    Die prinzipielle Frage lautet: Kann der Staat die Investitionslücke und zugleich die Konsumlücke der privaten Unternehmen und der privaten Haushalte schließen und was für eine Wirtschaft wäre das. Einen Hedgefondsmanager muss das nicht interessieren und ein Wirtschaftsmagazin auch nicht? Na dann?

  • Wir haben bereits eine Staatsfinanzierung durch die EZB. Ob direkt oder indirekt macht keinen wirklichen Unterschied. Mit der Geldpolitik kann man keine Strukturprobleme lösen. Da kann die Notenbank noch so viel Geld drucken. Es kommt nur zu einer großen Fehlallokation von Kapital. Das geht solange, bis die Blase platzt. Wir stehen m.E. kurz davor. Zu Hedgefonds ist zu sagen, dass sie berechtigter weise in Deutschland lange Zeit verboten waren. Es handelt sich um reine Spekulation, die nichts zu einer wirtschaftlichen Entwicklung beiträgt. Überhaupt hat sich die Finanzindustrie in den letzten Jahrzehnten immer mehr von der Realwirtschaft abgekoppelt. Nicht die Ausweitung durch Notenbankgeld, sondern ein Zurückfahren dieser Fehlentwicklung wäre angesagt. Alle Ökonomen, Politiker, Medien usw. sollten sich mal wieder auf den Sinn und Zweck von Realwirtschaft besinnen und dass Banken ursprünglich Dienstleistungsunternehmen waren. Da es für Politiker aber leichter ist mit neugedrucktem, wertlosen Geld Wahlgeschenke zu verteilen (muß der Steuerzahler später selber zahlen), als wirtschaftlich sinnvolle Maßnahmen durchzuführen, wird es so weitergehen, bis es den großen Knall gibt. Da helfen keine noch so schlauen Modelle von "Topökonomen". Das meiste ist heiße Luft, wie die Geldpolitik der Notenbanken.

  • „Der japanische Staat jedenfalls wird seine Schulden niemals bedienen. Gleiches gilt für die USA und Europa“
    Anders formuliert: Bereits jetzt zahlen die Eurostaaten ihre Importe aus Germany nicht, war auch noch nie beabsichtigt, sondern die Schulden werden auf einem großen Bierdeckel Namens Target2 angeschrieben. Diesen Eurobetrug, auf den das Eurosystem aufgebaut ist und zu ungeahnten Exporterlösen (Geschenken) Deutschlands führte, wurde von Prof. Sinn und Bundesbankpräsident Axel Weber aufgedeckt.

    Träume auf 4 Räder Made in Germany kaufen – und nix bezahlen. Vor ein paar Jahren frohlockte der damalige griechische Finanzminister damit, dass es in keinem anderem Land der Eurozone eine solch hohe Dichte an Porsche Cayennes gäbe, als in seinem. Die Anschaffungskosten so ab 120.000.- Euro, mit ein paar Extras locker über 150.000.- Euro, wurden von deutschen und französischen Banken finanziert, dies sich dann ihre Kreditausfälle vom deutschen Steuerzahler über die „Rettungspakete“ bezahlen ließen.

    Wir profitieren also vom Eurosystem dahingehend, dass wir schon seit 15 Jahren den Weihnachtsmann spielen – auf Kosten von Millionen Aufstockern, Kurz- und Leiharbeitern und Hartz4-ler.
    1986, 1987, 1989 und 1990 waren wir mit den höchsten Löhnen Europas unumstrittener Exportweltmeister. 20 Jahre lang waren wir immer unter den ersten drei!! Zu Zeiten der D-Mark konnte ein Facharbeiter nicht nur seine Familie ernähren, sondern nebenher noch ein Eigenheim abbezahlen, seine Kinder auf die Uni schicken und privat für die Rente vorsorgen. Heute schickt er seine Familie zur Suppenküchen. Damals wurden die Schulden noch mit nationalen Währungen bezahlt.
    Inzwischen arbeitet jeder vierte im Niedriglohnsektor. Etwa 7,6 Millionen Menschen – 9,3 Prozent der Bevölkerung – erhalten staatliche Leistungen zur Sicherung ihres Existenzminimums. Und über 5 Millionen Menschen verzichten aus Scham auf Hartz 4!

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