Steuern und Recht kompakt: Rechtstipp der Woche: Investmentfonds

Steuern und Recht kompakt: Rechtstipp der Woche: Investmentfonds

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Um Steuertricksern das Handwerk zu legen, ändert der Gesetzgeber ab 2018 die Fondsbesteuerung. Das hat Vor- und Nachteile.

von Heike Schwerdtfeger, Sebastian Kirsch und Annina Reimann

Um Steuertricksern das Handwerk zu legen, ändert der Gesetzgeber ab 2018 die Fondsbesteuerung. Was Anleger tun können. Außerdem: Holzinvestments, Ruhestand und Expertenrat zur Rentenbesteuerung.

Investmentfonds: Abschied vom steuerfreien Familienschatz

Mancher Anleger hatte den Familienschatz vor Augen – ein Vermögen, das hätte entstehen können aus Fondsanteilen, die vor dem Jahr 2009 gekauft wurden. Wären die Altanteile über Generationen im Kurs gestiegen und vererbt worden, hätte derjenige, der sie verkauft, keinen Cent Steuern gezahlt. Doch das Märchen endet jetzt.

Durch das Investmentsteuerreformgesetz gibt es für alle Fonds ab 2018 einen steuerlichen Neuanfang. Ihm fällt der Bestandsschutz zum Opfer, der Altanteile vor der Abgeltungsteuer bewahren sollte. Der Gesetzgeber entschädigt Anleger der vor 2009 gekauften Anteile aber ab 2018 mit einem Ewigkeitsfreibetrag von 100.000 Euro. Verkaufen sie Altanteile, bleiben Kursgewinne so lange steuerfrei, bis der Freibetrag erschöpft ist. „Bei einem 200.000-Euro-Depot mit realistischen 50 Prozent Wertzuwachs in zehn Jahren ist der Betrag schnell aufgebraucht“, sagt Jörg Schöber, Anlageberater aus Bad Salzuflen. Sorgen machen sich seine Kunden über Marktbewegungen. Fallen die Aktienkurse vor dem 1. Januar 2018 heftig, hätten sich ihre bisherigen Kursgewinne auf Altanteile, die wegen des Bestandsschutzes steuerfrei sind, in Luft aufgelöst. 2018 würden sie dann mit den niedrigen Kursen als steuerlich „fiktiv wieder angeschafft“ ins Depot gebucht. Künftige Kursgewinne würden den 100.000- Euro-Freibetrag belasten. Kursverluste könnten gegengerechnet werden. Wer Geld benötige, sollte zunächst immer Fondsanteile verkaufen, die nach 2008 gekauft wurden. „Es ist sinnvoll jährlich zunächst den Sparerpauschbetrag von 801 Euro auszuschöpfen“, rät Schöber. Den 100.000-Euro-Freibetrag könne man später einsetzen.

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Investmentfonds Neues Gesetz soll Steuerschlupflöcher stopfen

Die Bundesregierung will die betrugsanfällige Besteuerung von Investmentfonds reformieren und an die Rechtsprechung in der EU anpassen. Das Kabinett will dazu einen Entwurf verabschieden.

Neues Gesetz soll Steuerschlupflöcher stopfen Quelle: dpa

Die Tricks der Anderen

Der Gesetzgeber stopft mit dem Gesetz Lücken, mit denen Großanleger den Fiskus ausspielten. Dies geschah etwa durch Aktienhandel um den Dividendentermin oder durch selbst aufgelegte Millionärsfonds, deren Kursgewinne innerhalb des Fonds auch für nach 2008 gekaufte Aktien steuerfrei blieben. Auch EU-rechtswidrige Vorteile für deutsche Fonds gegenüber ausländischen enden. Derzeit kassiert ein deutscher Fonds deutsche Dividenden ohne Steuerabzug, während einer aus Luxemburg bis zu 26 Prozent zahlt. Auch Mieterträge und Verkaufsgewinne aus heimischen Immobilien kassierten Fonds steuerfrei. Steuerlich war das so, als habe der Privatanleger direkt in Aktien oder Immobilien investiert. Erträge und Kursgewinne sind dann erst zu versteuern, wenn der Anleger den Abgeltungssteuerfreibetrag von 801 Euro ausgeschöpft hat.

Ab 2018 werden bei heimischen Fonds die von deutschen AGs stammenden Dividenden und heimische Immobilienerträge und -verkaufsgewinne auf Fondsebene mit 15,825 Prozent inklusive des Solidaritätszuschlags besteuert. Für die auf Riester-Anleger entfallenden Dividenden zahlen die Fonds keine Steuern. Andere Ertragsarten wie Zinsen, Gewinne aus dem Aktienverkauf und anderen Wertpapieren sowie Erträge aus Termingeschäften bleiben im Fonds steuerfrei.

Recht einfach: Wasser

  • Neckerei

    Im Sommer 2011 sitzt der 27-jährige Kläger in einem Unterrichtsraum im ersten Stock – und lässt sich zum Kaufmann umschulen. Eine Mitschülerin versucht ihn mit einem Gummispritztier nass zu machen, der Kläger springt zur Rettung aus dem offenen Fenster auf ein Vordach. Das bricht zusammen – und er bricht sich einen Wirbel und das Fersenbein. Arbeitsunfall. Doch die gesetzliche Unfallversicherung wehrt ab, Wasserspiele seien keine betriebsdienliche Tätigkeit. Das Sozialgericht Kassel sah die Neckerei als schultypisch an und erklärte sie zum Arbeitsunfall. Das Landessozialgericht Hessen revidierte: Neckereien liefen den Interessen eines Betriebes zuwider. Und mit 27 Jahren könne dem Kläger auch kein schultypischer Spieltrieb mehr attestiert werden. (L 3 U 47/13).

  • Warmwasser

    Auch im Sommer können Mieter ihre monatliche Zahlung mindern, wenn aufgrund einer defekten Gastherme vorübergehend kein warmes Wasser mehr aus dem Hahn kommt. Einen Mietabschlag von zehn Prozent hält der Bundesgerichtshof für angemessen (VIII ZR 343/08). Eine kalte Dusche im Winter bringt 15 Prozent Abschlag.

  • Rinnsal

    Nach einem Regenguss quoll Wasser aus einem Gullydeckel auf der Straße, floss über die schräge Einfahrt des Klägers in Garage und den Keller. 36.000 Euro sollte die Versicherung zahlen. Falsch, fand das Oberlandesgericht Oldenburg (5 U 160/11). Eine Elementarschadenversicherung decke nur Überschwemmungen ab. In diesem Fall habe das Wasser aber nicht – wie für eine Überschwemmung notwendig – im Garten gestanden. Der Boden war nur gesättigt nass. Die Neigung des Grundstücks habe den Schaden verursacht.

Zum Ausgleich für die neue Besteuerung im Fonds wird der Anleger teilweise von der Abgeltungsteuer verschont. Bei Aktienfonds, die mindestens 51 Prozent ihres Vermögens in Aktien investieren (maßgeblich sind die Anlagevorschriften), bleiben 30 Prozent der Erträge und Kursgewinne steuerfrei. Bei Mischfonds mit mindestens 25 Prozent Aktienanteil sind es 15 Prozent. Bei Immobilienfonds sind 80 Prozent steuerfrei, wenn der Schwerpunkt bei Auslandsimmobilien liegt, sonst 60.

Bei in- und ausländischen Fonds mit jährlicher Wiederanlage der Erträge (thesaurierend) verlangt die depotführende Bank ab 2018 eine Vorabpauschale. Maßgeblich ist ein Basiszins von aktuell 1,1 Prozent, nach 30-prozentigem Kostenabzug und 30-prozentiger Teilfreistellung für Aktienfonds blieben 0,54 Prozent des Fondsvermögens, die vom Konto des Anlegers oder aus seinem Depot abgebucht werden, wenn der 801-Euro-Pauschbetrag überschritten ist. Ist der tatsächliche Wertzuwachs niedriger, wird korrigiert. Verkauft der Anleger, verrechnet die Bank Pauschalen mit den Kursgewinnen.

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