Edelmetall-Boom: "Ich sehe den Goldpreis bei 8000 Dollar pro Unze"

Edelmetall-Boom: "Ich sehe den Goldpreis bei 8000 Dollar pro Unze"

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Goldanalyst James Turk: Prognose für 8000 Dollar pro Unze

von Annina Reimann

Der Goldmarkt ist mittlerweile gigantische 6,4 Billionen US-Dollar schwer. Goldanalyst James Turk sagt im Interview mit wiwo.de, wieso das Edelmetall trotzdem ein Investment bleibt und welche Alternativen es gibt.

wiwo.de: Herr Turk, der Goldpreis knackt einen Rekord nach dem nächsten und liegt derzeit bei über 1200 Dollar pro Unze. Sehen wir nicht längst eine Goldpreisblase?

James Turk: Nein, die Wahrheit ist eher: Nicht der Goldpreis ist hoch, sondern die Währungen, in denen Gold gehandelt wird, haben an Kaufkraft verloren. Im Vergleich zum Papiergeld hat Gold seine Kaufkraft erhalten. Ein Beispiel: Noch heute kann man ein Barrel Rohöl mit der gleichen Menge an Gold kaufen, wie das vor 60 oder auch 100 Jahren möglich war. Zudem laufen Besitzer von physischem Gold nicht Gefahr, dass ihre Einlagen verloren gehen. Dies könnte der Fall sein, wenn eine Bank pleite geht und Anleger gegebenenfallls nicht alle Einlagen zurück bekommen.

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Physisches Gold zu besitzen ist aber kompliziert: Ich muss es bei einem Händler abholen und in einen Tresor legen. Wieso setzen Sie da nicht lieber auf Goldaktien?

Vermögen lässt sich klassisch in zwei Bereiche einteilen: Liquidität und Investments. Goldaktien sind für mich ein Investment. Goldbarren oder -münzen sind dagegen Liquidität. Schließlich hat der Goldmarkt eine weltweite Marktkapitalisierung von 6,4 Billionen US-Dollar. Im Gegensatz dazu kommt beispielsweise die größte Goldaktie Barrick Gold nur auf rund 44 Milliarden Dollar. Bei Gold sehe ich daher mehr Potential.

Wie groß ist das aus Ihrer Sicht?

Zwischen den Jahren 2013 und 2015 sehe ich den Goldpreis bei 8000 Dollar pro Unze.

Jetzt übertreiben Sie aber! Gold wird kaum als Industriemetall eingesetzt. Wenn sich die Unsicherheit an den Märkten legt, könnte der Goldpreis schnell einbrechen. Welche Alternativen sehen Sie zu Gold?

Silber und Platin. Da diese Edelmetalle mehr von industriellem Nutzen geprägt sind, ist ihr Preis jedoch wesentlich volatiler als der von Gold. Ich glaube nicht, dass der Goldpreis fällt, da Gold als Geld betrachtet wird und der Markt den Preis bewertet – nicht der Staat. Die Nachfrage nach Gold ist vorhanden – es gibt also keinen Grund anzunehmen, dass der Goldpreis einbricht.

Apropos Staat – wie stark ist Papiergeld überhaupt noch mit Gold gedeckt?

Es gibt seit 1971 keine Bindung mehr zwischen Gold und Papiergeld. Ich errechne allerdings seit Jahren den von mir so genannten „Fear-Index“, also Angst-Index. Zur Berechnung wird das Gewicht der Goldreserven der nationalen Notenbank multipliziert mit dem aktuellen Marktpreis und anschließend durch die verfügbare Geldmenge im Land geteilt. Daraus ergibt sich, dass Ende Juli in Amerika von den im Umlauf befindlichen Mengen US-Dollar nur 2,09 Prozent mit Gold hinterlegbar wären. Es gab Zeiten, da lag die Golddeckung des Dollars nach diesen Kriterien bei rund 30 Prozent.

Wie stehen Sie bei Ihren privaten Investments zu physischem Gold?

Da halte ich mehr als 50 Prozent meines Vermögens in Barren. Und ich will diese Quote in Zukunft noch steigern.

Gold bringt Ihnen im Gegensatz zu Aktien aber keine Dividende.

Gold hat in den wichtigsten Weltwährungen wie Euro, Dollar, Pfund, Yen oder Renminbi in den vergangenen neun Jahren durchschnittlich zweistellige Wertzuwächse gebracht. Für Papiergeld bekommen Sie derzeit nur Niedrigzinsen. Und die Dividende sehe ich als Risikoaufschlag.

Sie haben im Jahr 2001 den Internethändler Goldmoney auf Jersey gegründet. Nutzer eröffnen dabei eine Holding, Sie verwahren das Edelmetall in Zürich, London oder Hongkong. Informationen über die Kontoinhaber verrät das Steuerparadies Jersey nicht an andere Staaten. Wie stellen Sie sicher, dass Steuerhinterzieher Ihr Modell nicht missbrauchen?

Goldmoney ist ein durch die Jersey Financial Services Commission reguliertes Unternehmen und muss denselben Vorgaben und Regeln zur Erfüllung der Anti-Geldwäsche-Gesetze folgen wie Banken in Jersey. Mit der Zustimmung zu unserer Nutzungsvereinbarung versichert der Kunde, dass er den Gesetzen und steuerrechtlichen Vorgaben seines Heimatlandes entspricht. Sollten Kunden diese Regeln verletzen, verstoßen sie gegen unsere Nutzungsvereinbarung und ihre Holding wird geschlossen. Da wir Kunden aus 87 Ländern haben, ist es uns nicht möglich, die Vorgaben jedes einzelnen dieser Länder zu verfolgen – diese Möglichkeit haben aber auch Banken in Jersey nicht.

Sie verkaufen Gold an private und institutionelle Investoren. Woher kommt momentan mehr Nachfrage? 80 Prozent der Holdings eröffnen Privatleute. Sie machen sich Sorgen um den Euro. Kein Wunder wenn Jean-Claude Trichet, der Präsident der Europäischen Zentralbank, zuerst sagt: „Ich kaufe keine Staatsanleihen“ und er plötzlich seine Meinung ändert und sagt: „Übrigens, ich kaufe Staatsanleihen“. Die Notenbanken sind längst der verlängerte Arm der Politik. Aber in den letzten Monaten hatten wir auch verstärkt Anfragen aus Indien.

Asien ist ein gutes Stichwort: Was ist mit China, bleibt das Land in Zukunft ein großer Käufer? Traditionell fließt Gold dorthin, wo der Reichtum wächst. Das ist jetzt in Asien der Fall, besonders China wächst rasant. Und verglichen mit westlichen Zentralbanken hält China prozentual wenig Gold. Außerdem wollen sie mehr und mehr weg von ihren gigantischen Dollarreserven. Auch das spricht für China als Käufer.

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33 Kommentare zu Edelmetall-Boom: "Ich sehe den Goldpreis bei 8000 Dollar pro Unze"

  • Man sollte sich den Namen James Turk gut merken. Wenn die Remonetarisierung weiter voran schreitet, wird er einen wichtigen Platz in den Geschichtsbüchern einnehmen. Der Firmenwert von GoldMoney wird explodieren.

  • ... ich meinte die "Remonetarisierung" des Goldes ...

  • fragen sie einen metzger, ob man fleisch essen soll ...
    dieser turk ist kein goldanalyst sondern ein goldhändler.
    was soll man von ihm anderes erwarten?
    wäre es nicht klüger, einen unanhängigen wirtschaftswissenschaftler zu fragen?

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