Energiewende: Frankreich verzögert den Atomausstieg

Energiewende: Frankreich verzögert den Atomausstieg

, aktualisiert 07. November 2017, 20:39 Uhr
Quelle:Handelsblatt Online

Statt drei Viertel sollte künftig nur noch die Hälfte des französischen Stroms aus Atomkraftwerken kommen. Nun wirft die Regierung diesen ambitionierten Zeitplan über den Haufen – ihr Argument: Die Klima-Ziele gehen vor.

ParisDie Pariser Regierung will den bisherigen Zeitplan für eine Energiewende hin zu weniger Atomstrom in Frankreich über Bord werfen. Das gesetzliche Ziel, den Atomanteil an der Stromproduktion auf 50 Prozent zu senken, soll mit Blick auf den Klimaschutz erst mehrere Jahre später erreicht werden. „Wenn man am Datum 2025 festhalten will, (...) wird das zum Nachteil unserer Klima-Ziele geschehen“, sagte Umweltminister Nicolas Hulot am Dienstag nach einer Kabinettssitzung in Paris. Denn dann müsse im Gegenzug die Stromerzeugung aus fossilen Brennstoffen angekurbelt werden.

Bislang kommen etwa drei Viertel der französischen Stromproduktion aus dem Atompark des Landes, der mit 58 Reaktoren der zweitgrößte der Welt ist. Hulot sprach sich dafür aus, im kommenden Jahr ein „realistisches Datum“ für das Atom-Ziel festzulegen – mit einem klaren Fahrplan, wann wie viele Reaktoren abgeschaltet werden. Im Sender Public Sénat nannte er als mögliche Frist „2030 oder 2035“.

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„Die Regierung hat sehr klar ihren Wunsch bekräftigt, das Ziel von 50 Prozent Atom-Anteil so schnell wie möglich zu erreichen“, versicherte Hulot, „aber natürlich ohne unsere Ziele zum Klimawandel zu opfern oder zu beschneiden“. Der sozialliberale Präsident Emmanuel Macron hatte in seinem Wahlprogramm unter anderem versprochen, bis 2022 die letzten Kohlekraftwerke des Landes zu schließen. Das Klimaschutz-Bündnis Réseau Action Climat kritisierte Hulots Ankündigung und sprach von einem „Rückzieher“.

Unter der damaligen sozialistischen Regierung war 2015 ein Energiewendegesetz verabschiedet worden, in dem das 50-Prozent-Ziel für 2025 festgeschrieben wurde. Hulot kritisierte, dass seitdem keine Maßnahmen ergriffen worden seien, um dies auch zu erreichen. Die Machbarkeit der Vorgabe ist schon länger umstritten. Der frühere Umweltaktivist, der von Macron im Mai in die Regierung geholt worden war, will mit der mehrjährigen Energieplanung im kommenden Jahr nun einen neuen Fahrplan vorlegen.

Nicht betroffen sind die Pläne zur Schließung des Atomkraftwerks Fessenheim an der Grenze zu Baden-Württemberg, das in Deutschland seit Jahren in der Kritik steht. Die Reaktoren des Kraftwerks sollen endgültig abgeschaltet werden, wenn ein neuer Reaktor in Flamanville am Ärmelkanal läuft. Dessen Inbetriebnahme hatte sich immer wieder verzögert, Betreiber EDF peilt den Start nun für Ende 2018 an.

Der französische Übertragungsnetzbetreiber RTE hatte am Dienstag Szenarien für die künftige Entwicklung der Stromversorgung in Frankreich vorgelegt. Dieser Analyse zufolge würde der CO2-Ausstoß des französischen Strom-Systems deutlich steigen, falls Frankreich am Datum 2025 für das 50-Prozent-Ziel festhält. Statt 22 Millionen Tonnen klimaschädliches CO2 im Jahr 2016 würden demnach 2025 je nach Variante 38 bis 55 Millionen Tonnen CO2 ausgestoßen.

Quelle:  Handelsblatt Online
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