Iran: Die Gefahren des Iran-Geschäfts

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Iran: Die Gefahren des Iran-Geschäfts

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Warten auf den Aufbruch: Nach der Aufhebung der Sanktionen, wollen Iraner die Wirtschaft wieder zu internationaler Wettbewerbsfähigkeit führen.

von Florian Willershausen und Rüdiger Kiani-Kreß

Mit dem Ende der EU-Sanktionen hoffen deutsche Unternehmen auf gute Geschäfte im Wachstumsmarkt Iran. Die wird es aber vorerst kaum geben. Die Banken halten sich mit Krediten zurück, weil sie hohe Risiken sehen.

Die Linienflieger nach Teheran sind dieser Tage gut gebucht. Voller Euphorie pilgern Vertreter deutscher Mittelständler neuerdings in den Iran. Mit dem Fall der EU-Sanktionen gegen das Land mit rund 80 Millionen Einwohnern öffnet sich für sie ein Markt mit einem gewaltigen Modernisierungsbedarf.

Es fehlt an allem: Ölfelder liegen brach, weil die Nachfrage nach iranischem Öl wegen der Sanktionen eingebrochen ist. Es bedarf neuer Pumpen und Kompressoren, um die Förderung wieder hochzufahren. Fabriken verlieren an Wettbewerbsfähigkeit, allein weil man für die vielfach deutschen Maschinen darin keine Ersatzteile bekommt. Krankenhäusern fehlt die Ausstattung mit Medizintechnik, den Autoverkehr dominieren uralte Dreckschleudern.

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Logisch, die Deutschen sind voller Erwartungen ob des großartigen Neugeschäfts. Vor Ort treffen sie auf Iraner, die sehr genau wissen, was sie wollen und deutschen Exporteuren und erst Recht Investoren große Wertschätzung entgegenbringen.

Wissenswertes zum Iran

  • Bedeutung in der Golf-Region

    Der Iran ist schon alleine wegen der Bevölkerungszahl von fast 80 Millionen eine Macht in der Golf-Region. Der Gottesstaat war jedoch wegen seiner kompromisslosen Atompolitik in den vergangenen zehn Jahren international isoliert. Die im Zusammenhang mit dem Atomstreit verhängten Sanktionen führten in dem öl- und gasreiche Land auch zu einer Wirtschaftskrise. Viele Beobachter rechneten daher mit einem zweiten Nordkorea am Persischen Golf.

  • Wandel durch Hassan Ruhani

    Mit dem Sieg von Hassan Ruhani bei der Präsidentenwahl 2013 im Iran änderte sich jedoch das Bild. Sein Wahlslogan „Versöhnung mit der Welt“ führte im Juli 2015 zu einem Atomabkommen mit dem Westen. Der Iran wurde plötzlich zu einem potenziellen politischen und wirtschaftlichen Partner des Westens in einer von Krisen geschüttelten Region. Besonders im Syrien-Konflikt hofft der Westen auf eine positive Rolle Teherans.

  • Rolle im Kampf gegen den IS

    Mit seinen beiden gut ausgerüsteten Streitkräften - der klassischen Armee und den Revolutionsgarden - kann der Iran besonders im Kampf gegen die Terrormiliz Islamischer Staat (IS) eine entscheidende Rolle spielen. Diese Rolle aber ist innerhalb der Region höchst umstritten, unter anderem bei der anderen Regionalmacht Saudi-Arabien. Ideologische und besonders religiöse Differenzen zwischen dem schiitischen Iran und den sunnitisch-wahhabistischen Saudis sorgen daher immer wieder für Spannungen in der Region. 

„Ideale Bedingungen mit weitgehender Steuerfreiheit oder Visa-freier Einreise in die Sonderwirtschaftszonen“ gelobt ihnen etwa Mohammed Khazaee, der Vize-Minister für Wirtschaft und Finanzen. Nader Maleki, ein auf das Land spezialisierter Berater aus Frankfurt, sagt aber: „Der Iran wird sicherlich 100 Milliarden Dollar aufwärts investieren müssen, um die Wirtschaft wieder zu internationaler Wettbewerbsfähigkeit zu führen.“

Offen bleibt indes die Frage: Wer soll das bezahlen? Zwar ist der Iran reich an Öl und Gas, doch der Export der Rohstoffe ist beim aktuell niedrigen Ölpreis keinesfalls profitabel. Zwar werden mit der Lockerung der Sanktionen rund 100 Milliarden Dollar eingefrorenen iranischen Staatskapitals verfügbar. Doch es wird rasch im hoch defizitären Staatshaushalt verschwinden. Unternehmen müssen zudem Verbindlichkeiten gegenüber asiatischen Lieferanten begleichen.

Kurzum: Im Land fehlt bis auf weiteres das Geld für große Einkäufe. Aber was ist mit Kapital von den internationalen Märkten? Theoretisch wird es einfacher für (westliche) Investoren, in den Iran zu liefern. Praktisch halten sich alle Financiers bis auf weiteres zurück.

Die USA haben die Sanktionen nur abgespeckt, nicht aufgehoben, sagt Ludovic Subran, Chefvolkswirt des Pariser Exportkreditversicherers Euler Hermes. Für jedes Geschäft müsse man also weiter „umfassend prüfen“, ob etwa einer der Anteilseigner der Spedition vor Ort mit den Revolutionswächtern in Zusammenhang steht – was als Verstoß gegen das US-Sanktionsregime teuer werden könnte. Subran registriert ein großes Interesse mittelständischer Kunden am Iran-Geschäft, warnt aber: „Vorläufig bleibt der Iran ein Markt mit hohen Risiken.“

Mittelständler sollten geduldig und vorsichtig sein, so Subran: „Mit zweistelligen Wachstumsraten ist schon wegen des niedrigen Ölpreises sowieso nicht zu rechnen.“ Euler Hermes plant für dieses Jahr, ein Büro in Teheran zu eröffnen – und 2017 sei dann mit einer Wiederaufnahme des Geschäfts zu rechnen. Im Bundeswirtschaftsministerium heißt es, man „prüfe“ die Wiederaufnahme der Vergabe von Hermes-Bürgschaften. Will heißen: Es wird so rasch keine Garantien geben

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3 Kommentare zu Iran: Die Gefahren des Iran-Geschäfts

  • Ja so ist das inzwischen. Deutsche Unternehmen betreiben keine Geschäfte mehr, weil die USA böse werden könnten. Dafür war eine Woche nach Aufhebung der Sanktionen der chinesische Präsident im Iran. Was hat der wohl da u.a. gemacht? Die Chinesen lassen sich für Lieferungen nicht in Krediten bezahlen, sondern in Beteiligungen und Rohstoffen. Bis deutsche Unternehmen kommen, ist der größte Teil vom Kuchen schon verteilt.

  • Es ist bedauerlich, dass unsere dt. Unternehmen vor die Frage "Pest oder Cholera" gezwängt werden. "Pest" wäre der Verlust von Marktchancen an risikobereitere Wettbewerber. "Cholera" wären erhebliche Zahlungsausfälle. Vor wenigen Tagen schloss China großvolumige Handelsverträge ab. Die USA werden nicht nachstehen, obwohl das Handelsklima durch die vorausgegangenen Sanktionen (insbesondere die Selbstbefreiung Zahlungspflichten für iranischen Lieferungen) belastet sein dürfte. Aber Handelsinteressen haben glücklicherweise kein Langzeitgedächtnis. USA und China sind offenkundig in der Lage, größere Risiken zu tragen. Dagegen scheinen sich dt. Banken durch Eigenverschulden so ruiniert zu haben, dass weitere Risiken von den Aktionären völlig zu Recht abgelehnt werden. So zeigen die Zweifel an der Bonität des Irans den möglicherweise sehr maroden Zustand hiesiger Kreditinstitute gegenüber ausländischen Geldhäusern. Dieser Bedeutungsverlust könnte dem "Standort Deutschland" künftig schaden, sofern er mit voller Wucht auf die Realwirtschaft durchschlägt.

  • Nur einige Fakten. Deutsche Unternehmen lieferten während der Sanktionen 2014 Waren und Dienstleistungen für 2,4 Mrd. und wurden selbstverständlich dafür bezahlt. Nun sind die EU-Nuklearsanktionen aufgehoben und die Situation soll schlechter als vorher sein ?. Es stimmt, der Iran ist ein Markt wo Anfänger sich vorsichtig bewegen sollten, aber es gibt keinen Grund sich den Oberbedenkenträgern der Deutschen Großbanken oder Anwälten anzuschließen, die tatsächlich ja ein sehr eigenes Interesse an komplizierten Fragestellungen haben. Die Frage mit wemim Iran mache ich Geschäfte ist nicht ansatzweise so kompliziert wie dargestellt. Der Iran ist ein ordentliches bürokratisches Land, es gibt Firmenregister und Auskunfteien und Fakt ist, die ersten Akkreditive haben auch Deutsche Banken erreicht, die diese avisieren und auch bestätigen können. Forfaitierungen sind wieder möglich und damit hat der typische Mittelständler schon eine ganze Menge Sicherheit. Euler-Hermes deckt noch nicht, stellt aber schon "Letters of Intent" aus und macht damit deutlich, daß man an der zeitnahen Absicherung von Geschäften interessiert ist. Die zweite Reihe Deutscher Banken, einschließlich verschiedener Landesbanken ist wieder auf Irangeschäfte ansprechbar und nie gab es in den letzten Jahren mehr Banker, denen nicht die "Beine schlottern" sondern die mit breitem Grinsen ein sich dynamisch entwickelndes Irangeschäft verzeichnen. Wer darauf wartet, daß ihm Deutsche Großbanken oder Internationale Anwaltskanzleien bestätigen, daß es nun Zeit wäre, sich dem Iran wirtschaftlich risikolos zuzuwenden, der sollte wohl eher Geschäfte mit Österreich machen.

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