Sicherheitskonferenz in München: Rettung der transatlantischen Freundschaft

Sicherheitskonferenz in München: Rettung der transatlantischen Freundschaft

, aktualisiert 17. Februar 2017, 16:06 Uhr
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Die Bundesverteidigungsministerin findet deutliche Worte für die US-Regierung.

Quelle:Handelsblatt Online

Auf der Münchner Sicherheitskonferenz wirbt die Bundesregierung um den Zusammenhalt von USA und Europa. US-Verteidigungsminister James Mattis bekannte sich zu den Nato-Pflichten: Auch Donald Trump stehe zu dem Bündnis.

MünchenBundesverteidigungsministerin Ursula von der Leyen (CDU) hatte sich gleich nach der Wahl von Donald Trump zum US-Präsidenten vorgenommen, zu allen weltoffenen Leuten aus der neuen US-Regierung und dem Kongress möglichst enge Beziehungen zu pflegen. „Dass heute der amerikanische Verteidigungsminister und die deutsche Verteidigungsministerin gemeinsam diese Konferenz eröffnen, ist ein gutes Zeichen für die Freundschaft unserer Völker“, sagte von der Leyen am Freitag zur Eröffnung der Münchner Sicherheitskonferenz (MSC). Ihr US-Kollege revanchierte sich freundlich: „Die Werte der Freiheit, des Vertrauens und der Freundschaft teilen wir gemeinsam“, sagte James Mattis. „Sicherheit ist immer am höchsten, wenn man sie im Team verteidigt.“

Vor einigen Jahren, erinnerte MSC-Leiter Wolfgang Ischinger, sei Mattis ja schon als Nato-Vertreter auf der Münchner Konferenz gewesen. Seit Mattis im Amt ist, ist von der Leyen um einen guten Kontakt bemüht. Der frühere US-General, der lange bei der Nato gearbeitet hat, gilt – trotz seines militärischen Ehrennamens „Mad Dog Mattis“ – als vernünftiger Transatlantiker.

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Kaum war er im Amt, besuchte ihn von der Leyen in Washington. Nach Mattis erstem Auftritt als Minister bei der Nato am Mittwoch in Brüssel beeilte sie sich zu sagen: Im Kern sei es berechtigt, dass die USA von den Europäern fordern, ihre Verteidigungsausgaben zu steigern.

Mattis hatte ultimativ verlangt, dass die EU-Staaten bis Ende des Jahres Pläne vorlegen sollten, wie sie das Ziel, zwei Prozent des Bruttoinlandsprodukts (BIP) für Verteidigung auszugeben, erreichen wollen. Auf dieses Ziel bis 2024 hatten sich die EU-Staaten vor drei Jahren gegenüber der Nato verpflichtet. Am Donnerstag zog Mattis die Drohung, anderenfalls die US-Ausgaben zurückfahren zu wollen, teilweise zurück: Natürlich bedeute dies nicht, dass die USA nicht zu ihrer Bündnisverpflichtung gegenüber ihren Verbündeten stünden. Die Beistandspflicht bleibe natürlich bestehen. „Der Artikel 5 ist das Fundament unserer Sicherheitspolitik“, betonte Mattis auch am Freitag.

Von der Leyen mahnte: „Die Lasten gemeinsam zu tragen, heißt jederzeit für einander einzustehen, wenn ein Partner in Not ist.“ Das sah Mattis genau so. Auch Präsident Trump sichere der Nato seine volle Unterstützung zu, sagte er. Die USA blieben vollständig engagiert beim Schutz Polens und des Baltikums, sicherte er zu: „Die Nato existiert, um den Frieden und unsere Demokratien zu verteidigen.“ Dass er in Brüssel verlangt habe, stetig auf die Umsetzung des vereinbarten Zwei-Prozent-Ziels hinzuarbeiten, sei von den Partnern erwartet und willkommen geheißen worden, so Mattis.

Von der Leyen ging in ihrer Rede erneut auf Mattis zu: „Ja wir wissen, dass wir einen größeren, einen faireren Anteil der Lasten für die gemeinsame atlantische Sicherheit tragen müssen“, sagte sie. Und erwähnte das von Deutschland geführte Bataillon in Litauen sowie die Beteiligung der Bundeswehr an Auslandseinsätzen wie dem in Mali: als gemeinsame Missionen mit europäischen Partnern. Die vereinbarte stärkere Zusammenarbeit in der EU diene nicht nur der Lastenteilung, sondern auch der größeren Effizienz, wenn nicht mehr jedes Land alles alleine plane.

Und der Verteidigungsetat sei in den Jahren 2016 und 2017 bereits um acht Prozent erhöht worden. „Aber wir müssen uns darüber im Klaren sein, dass wir die Investitionen in innere und äußere Sicherheit in den nächsten Jahren schneller erhöhen müssen“, sagte die Bundesverteidigungsministerin, allerdings ohne konkret zu werden.

Deutschland, so von der Leyen, sei auch verteidigungspolitisch erwachsen geworden: Es gehe schließlich um „unsere eigene Sicherheit“, betonte sie. Sie erinnerte dann aber auch an die gemeinsamen Werte, die es ausschließen, Folter einzusetzen. Und in Richtung Trump mahnte sie, der Westen sollte nie den Kampf gegen den islamistischen Terror mit einem Kampf gegen Muslime verwechseln. Es bleibe richtig, den Schulterschluss mit gleichgesinnten muslimischen und arabischen Staaten zu suchen.

Quelle:  Handelsblatt Online
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