Terrorismus während der EM: Frankreichs neue Realität

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Terrorismus während der EM: Frankreichs neue Realität

, aktualisiert 14. Juni 2016, 14:54 Uhr
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Kein Panik: Die Pariser, die gezeichnet sind von den beiden Anschlägen des vergangenen Jahres, zeigen eine bewundernswerte Kaltblütigkeit – trotz des neuen Anschlags.

von Thomas HankeQuelle:Handelsblatt Online

Für Frankreich werden schlimme Befürchtungen wahr: Ein Terrorakt, Gewaltorgien von Hooligans und neue Proteste gegen die Arbeitsreform – alles kommt auf einen Schlag. Die Franzosen reagieren auf ihre ganz eigene Art.

Nach dem Mord eines vorbestraften Islamisten an einem Polizistenpaar hat die französische Regierung keine beruhigende Botschaft für die eigene Bevölkerung. Sie reagiert auch nicht mit dem sonst üblichen Aktionismus. „Wir können nicht nach jedem Vorfall nach neuen, zusätzlichen Kräften rufen“, sagte Premier Manuel Valls bei einem Statement vor der Nationalversammlung.

Er appelliert an den Realitätssinn der Franzosen: „Mit den Anschlägen von 2015 sind wir in eine andere Epoche eingetreten, die Zeit der Sorglosigkeit ist vorbei.“ Es gebe eine weltweite Bedrohung, wie der Anschlag in Florida gezeigt habe, und „der Krieg gegen den Terrorismus, in dem wir stehen“, verlange „Entschiedenheit und einen langen Atem“.

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Der 25-jährige Larossi Abballa hatte am späten Montagabend einem Polizisten vor dessen Haus in Magnanville bei Paris aufgelauert und ihn mit einem Messer erstochen. Nachdem er in das Haus eingedrungen war, ermordete er auch die Frau des Polizisten. Er verbreitete ein Video des getöteten Beamten, in dem er sagt, er wisse noch nicht, was er mit dem dreijährigen Kind des Paares machen solle. Gegen Mitternacht wurde Abballa im Haus von Angehörigen des Einsatzkommandos RAID erschossen. Das Kind wurde unter Schuck, aber unverletzt gefunden. Am Dienstag sind zwei Personen festgenommen worden, die dem mutmaßlichen Attentäter nahestehen sollen. Das teilten die Behörden mit.

Polizistenmord nahe Paris Staatsanwalt bestätigt Verbindung zum IS

Ein Polizist wird vor seinem Haus erstochen, der Angreifer verschanzt sich. Die Polizei stürmt das Gebäude. Der Verdächtige ist tot, ebenso die Frau. Frankreichs Präsident Hollande spricht von hoher Bedrohungslage.

Magnaville: Polizistenmord nahe Paris Quelle: dpa

Der frühere Anti-Terrorrichter Marc Trevidic sagt in einem Interview mit Le Figaro, er habe 2013 die Ermittlungen gegen Abballa und fünf weitere Personen geleitet, die ein Netzwerk für die Reise von Franzosen in Ausbildungslager der Islamisten in Pakistan gegründet hatten.

Zwei von ihnen seien nach Pakistan gereist und dort sofort festgenommen worden. Abballa selber sei in Frankreich geblieben und von seinen Mitangeklagten entlastet worden. „Es gab nicht viel Konkretes, was man ihm vorwerfen konnte“, sagt Trevidic. Schließlich wurde er zu drei Jahren Haft verurteilt, von denen er zwei absaß. In jüngster Zeit wurde er von der Polizei beobachtet, weil der Verdacht bestand, dass er an einem neuen Netzwerk für die Rekrutierung von Franzosen für die Reise in vom „Islamischen Staat“ kontrollierte Gebiete in Syrien beteiligt war.

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Der IS hat den Mordanschlag sofort als sein Werk bezeichnet. Abballa muss das Polizisten-Ehepaar schon länger beobachtet haben. Der Beamte war in Zivil, als er am Montagabend nach Hause kam. Innenminister Bernard Cazeneuve sagte: „Eventuelle Hintermänner und Komplizen des Attentäters werden wir unschädlich machen.“ Am Mittag wurden zwei Personen verhaftet, von denen noch unklar ist, ob sie tatsächlich Komplizen waren. Die Eltern von Abballa sind seit drei Monaten in ihrer Heimat Marokko. Bei einer ersten Durchsuchung ihrer Wohnung, in der auch der Sohn gewohnt hatte, wurden keine Waffen gefunden.


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