Trauer in Schweden: Haftbefehl gegen mutmaßlichen Attentäter von Stockholm

Trauer in Schweden: Haftbefehl gegen mutmaßlichen Attentäter von Stockholm

, aktualisiert 10. April 2017, 17:03 Uhr
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Die schwedische Nationalflagge weht nach dem Anschlag in Stockholm an vielen Orten des Landes auf Halbmast.

Quelle:Handelsblatt Online

In Restaurants, Bahnhöfen und Geschäften steht das Leben in Schweden am Montag kurz still. Das Land gedenkt der Opfer des Anschlags in Stockholm. Gegen den mutmaßlichen Täter wird Haftbefehl beantragt.

StockholmDrei Tage nach dem Lkw-Anschlag in Stockholm hat die Staatsanwaltschaft Haftbefehl gegen den Hauptverdächtigen beantragt. Der 39-jährige Usbeke sollte am Dienstag einem Haftrichter vorgeführt werden, hieß es am Montag in einer Mitteilung. Zuvor hatte Reichspolizeichef Dan Eliasson bei einer Pressekonferenz erklärt, der kurz nach der Tat festgenommene Mann sei „mit großer Sicherheit“ der Täter. Medienberichte über ein Geständnis des Mannes bestätigte er nicht. Schweden gedachte der Opfer des Anschlags am Montag landesweit mit einer Schweigeminute.

Bei der Überführung des 39-Jährigen seien Überwachungsbilder von Kameras „entscheidend“ gewesen, sagte Eliasson. Der Mann, der nach Polizeiangaben mit der Terrormiliz Islamischer Staat (IS) sympathisiert, steht unter Terror- und Mordverdacht. Einen Antrag des Mannes, seinen Verteidiger zu wechseln, lehnte das zuständige Gericht am Montag ab.

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2016 war dem Usbeken das Aufenthaltsrecht in Schweden verwehrt worden. Statt das Land zu verlassen, war er untergetaucht. Dass die Behörden ihn nicht ausfindig machen konnten, hat in Schweden eine Diskussion um die Durchsetzung von Abschiebungen entfacht.

„Wenn die Angaben, die wir über die Person bekommen haben, stimmen, dann müssen wir verlangen, dass jemand dafür die Verantwortung übernimmt. Vor allem von der Regierung“, sagte der Chef der Rechtspopulisten, Jimmie Åkesson, im schwedischen Fernsehen. Zuvor hatte Regierungschef Stefan Löfven eine konsequentere Abschiebepraxis angemahnt. Nach Angaben der Grenzpolizei sind in Schweden rund 12 000 Menschen nach abgelehnten Anträgen nicht auffindbar.

Bei dem Lkw-Anschlag in einer Einkaufsstraße waren am Freitag vier Menschen getötet und 15 verletzt worden. Nach einer landesweiten Schweigeminute für die Opfer beschwor Löfven bei einer Gedenkfeier am Stockholmer Rathaus den internationalen Zusammenhalt gegen den Terror. „Wir werden uns dem Terror nie ergeben. Wir werden das gemeinsam durchstehen“, sagte der Regierungschef an Belgien und Großbritannien gerichtet.

Unter den Todesopfern des Anschlags waren eine Belgierin und ein Engländer. Außerdem kamen nach Medienberichten eine Frau aus Westschweden und ein elfjähriges Mädchen ums Leben, das auf dem Heimweg aus der Schule war. Den Angehörigen der Opfer versicherte Löfven: „Ihr seid nicht einsam. Wir denken an euch. Ganz Schweden ist bei euch.“ An der Gedenkfeier nahmen auch die schwedische Königsfamilie sowie Vertreter des Reichstags teil.

Am Sonntag hatten die Ermittler eine weitere Person festgenommen, die nach ihren Angaben in einer Verbindung zu dem mutmaßlichen Täter steht. Weil die Person in geringerem Grad verdächtig sei, wollte die Polizei am Montag über sie keine näheren Angaben machen. Gegen sie wurde zunächst auch kein Haftbefehl beantragt, wie die Staatsanwaltschaft am Montag mitteilte.

Quelle:  Handelsblatt Online
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