Berlin intern: Ein Trump-Mann, mit dem man leben kann

kolumneBerlin intern: Ein Trump-Mann, mit dem man leben kann

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Teilnehmer der Ceta und TTIP Demonstration in Stuttgart (Baden-Württemberg).

Kolumne von Gregor Peter Schmitz

Der neue Präsident kennt Deutschland kaum. Umso wichtiger, wer hier sein Botschafter wird. Im Gespräch für diesen Job ist Robert M. Kimmitt - ein Deutschlandprofi.

Wenn Amerika einen neuen Präsidenten bekommt – traditionell am 20. Januar –, verliert es mit einem Schlag seine Botschafter in aller Welt. An diesem Tag endet deren Amtszeit, also auch die von John B. Emerson, dem Nochrepräsentanten in Berlin. Dessen Vorgänger durften häufig noch ein wenig über den Januar hinaus bleiben, bis ein Nachfolger gefunden war.

Emerson, Wirtschaftsanwalt mit Hollywoodverbindungen, hätte etwa noch zum Filmfest Berlinale im Februar sein Land vertreten können. Das wollte Donald Trump aber nicht. Emerson muss den Posten pünktlich räumen. Wenig überraschend, der Demokrat gilt als enger Vertrauter von Bill Clinton, aus seinem Horror über den Politiker Trump hat Emerson selten einen Hehl gemacht.

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Keine Deutschlandkenner in Trumps Umfeld

Ein Nachfolger ist noch nicht in Sicht. In Trumps Umfeld gibt es keine Menschen mit nennenswerter Deutschlanderfahrung. Der Präsident in spe hat im Wahlkampf ja die Bundesrepublik gerne als Land voller marodierender Flüchtlingsbanden beschrieben. Fast alle Transatlantiker in Washington haben sich von ihm distanziert.

Eine Ausnahme: Robert M. Kimmitt, einst US-Vizefinanzminister und nun Partner einer der einflussreichsten Kanzleien in Washington. Kimmitt war schon Botschafter in Deutschland, von 1991 bis 1993, er spricht fließend Deutsch und gilt als Freund des Landes. Selbst bei vollem Terminkalender nimmt er sich Zeit für Gäste aus Berlin, er ist aktiv in Netzwerken wie dem American Council on Germany und stolzer Träger des Großen Bundesverdienstkreuzes, mit Stern und Schulterband.

„Kimmitt wäre ein Vollprofi“, sagt ein Deutschlandexperte in Washington. Allerdings gilt der Vietnamveteran auch als Fan des Freihandelsabkommens TTIP. Nachdem Barack Obama und Angela Merkel im November dafür in der WirtschaftsWoche warben, sagte er: „Die neue Trump-Regierung hat gute Stellen für die amerikanische Arbeiterklasse versprochen: TTIP könnte ein hervorragender Ausgangspunkt sein, um diese neuen Arbeitsplätze zu schaffen.“

Was Deutsche und Amerikaner über TTIP denken

  • TTIP führt zu Arbeitsplatz-Verlusten und weniger Wachstum

    Dieser Meinung ist jeder zweite Amerikaner – aber nur jeder fünfte Deutsche.

  • TTIP gibt ausländischen Unternehmen unfaire Vorteile

    Hier sind sich die Deutschen und die Amerikaner nahezu einige: Jeweils jeder Fünfte glaubt das.

  • TTIP reduziert die Standards für Nahrungsmittel, Autos und die Umwelt

    Dieser Ansicht sind zwölf Prozent der befragten Amerikaner und 61 Prozent der Deutschen.

Das könnte für Zoff mit Trump sorgen. Kimmitt wäre als Botschafter zudem dem designierten Außenminister Rex Tillerson unterstellt, Chef des Ölgiganten ExxonMobil und Freund von Russlands Präsident Putin. Allerdings halten selbst überzeugte US-Demokraten Tillerson nicht unbedingt für eine Fehlbesetzung, er kenne sich immerhin in der Welt aus.

Die Frage ist, wie stark sich die Diplomatie gegenüber einem Weißen Haus behaupten kann, in dem ein unberechenbarer Nationaler Sicherheitsberater Michael Flynn sitzen wird, der zu Verschwörungstheorien neigt – und natürlich Trump selbst, der offenbar nicht gewillt ist, sich im Amt groß zu ändern. Allerdings könnte ihn das Amt ändern, etwa in seiner Haltung zu Russland, das führende Republikaner weiter hart angehen wollen.

Sie könnte Kimmitt befrieden, gehört er doch eher zum republikanischen Establishment. Er gilt zudem als jemand, der das Ohr Merkels hat – und könnte ihr raten, was von US-Seite oft zu hören ist: Flatter him and get what you want. Schmeichele ihm, so sei Trump manipulierbar, meinen informierte Kreise. Nur haben die sich in ihm schon sehr oft getäuscht.

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