Flüchtlinge: Bundesamt noch nicht für große Zugangszahlen gerüstet

Flüchtlinge: Bundesamt noch nicht für große Zugangszahlen gerüstet

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Flüchtlinge: Bundesamt noch nicht für große Zugangszahlen gerüstet

Die Mitarbeiterzahl im Bundesamt für Migration und Flüchtlinge wurde mehr als verdoppelt. Könnte es nun eine so große Zahl von Zuwanderern wie im vergangenen Jahr bewältigen? Noch nicht, sagt der Chef der Behörde.

Ein starker Zustrom von Asylbewerbern wie vor einem Jahr würde das Bundesamt für Migration und Flüchtlinge (BAMF) nach Einschätzung seines Leiters Frank-Jürgen Weise auch heute noch überfordern - trotz der erfolgten personellen Aufstockung. „Im Moment ist es noch ein angespannter Zustand“, sagte Weise der Deutschen Presse-Agentur.

Aktuell arbeiteten in seiner Behörde knapp 8000 Mitarbeiter, etwa 2000 davon befristet als Abordnung. Doch ein Großteil davon sei noch nicht lange dabei. Sie müssten daher zunächst weiter qualifiziert werden.

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„Ein Teil der neuesten Mitarbeiter ist noch nicht so routiniert in ihren Aufgaben, dass ich im Moment sagen würde, wir könnten vergleichbar hohe Zahlen problemlos verkraften“, sagte Weise der Deutschen Presse-Agentur in Nürnberg.

Asylanträge nach Bundesländern 2017

  • Nordrhein-Westfalen

    Nirgendwo sonst wurden so vielen Asylanträge gestellt wie in Nordrhein-Westfalen. In der ersten Jahreshälfte 2017 waren es bisher 32.122 Menschen.

    Hinweis: Alle Daten beziehen sich auf Erst- und Folgeanträge in den Monaten Januar bis Juni 2017.

    Quelle: Bundesamt für Migration und Flüchtlinge / Statista

    Stand: August 2017

  • Bayern

    12.921 Menschen haben in der ersten Hälfte des Jahres 2017 in Bayern einen Asylantrag gestellt.

  • Baden-Württemberg

    In Baden-Württemberg wurden 2017 bisher 11.290 Asylanträge gestellt.

  • Niedersachsen

    In Niedersachsen stellten 10.003 Menschen im Januar bis Juni 2017 einen Antrag auf Asyl.

  • Rheinland-Pfalz

    In Rheinland-Pfalz beantragten 2017 bislang 7.610 Menschen Asyl.

  • Hessen

    In Hessen stellten in den ersten sechs Monaten 2017 7.508 Bewerber einen Asylantrag.

  • Berlin

    In Berlin wurden von Januar bis Juni 2017 5.535 Anträge auf Asyl gestellt.

  • Sachsen

    Bis Mitte 2017 stellten 4.205 Menschen einen Asylantrag in Sachsen.

  • Schleswig-Holstein

    3.346 Asylanträge verzeichnet Schleswig-Holstein für die ersten sechs Monate 2017.

  • Sachsen-Anhalt

    Einen Asylantrag in Sachsen-Anhalt stellten bis Juni 2017 3.304 Menschen.

  • Brandenburg

    Asyl in Brandenburg beantragten in der ersten Jahreshälfte 3.162 Menschen.

  • Thüringen

    In Thüringen wurden in den Monaten Januar bis Juni 2017 3.049 Asylanträge gestellt.

  • Hamburg

    In Hamburg stellten bis Ende Juni 2017 2.633 Menschen einen Antrag auf Asyl.

  • Mecklenburg-Vorpommern

    In Mecklenburg-Vorpommern stellten 2.104 Menschen einen Asylantrag (Januar bis juni 2017).

  • Saarland

    Bis Juni 2017 stellten im Saarland 1.538 Menschen einen Asylantrag.

  • Bremen

    In Bremen beantragten bis Ende Juni 1.192 Menschen Asyl.

  • Unbekannt

    Bei 94 Asylanträgen bis Mitte 2017 ist das Bundesland, in dem der Antrag gestellt wurde, anscheinend unbekannt.

Im Moment gelte es, die „Kultur einer leistungsorientierten, steuerbaren Organisation“ zu schaffen. Dies sei eine der größten Herausforderungen. „Am Ende des Jahres werden wir sagen können, das läuft gut.“

Von den geplanten 6300 festen Stellen für das BAMF seien inzwischen rund 6000 besetzt. Zusätzliche 2000 Mitarbeiter seien derzeit noch von der Bundesagentur für Arbeit (BA), von Post, Bundeswehr und aus dem Bundesinnenministerium abgeordnet. Diese Abordnungen sollen noch bis Jahresende im BAMF bleiben. „Dann muss man das reduzieren - auch weil dann auf die BA verstärkt die Aufgabe der Arbeitsmarktintegration zukommt und die Leute dort wieder gebraucht werden.“ Einige Spezialisten etwa von der Bundeswehr sollen auch im nächsten Jahr noch im BAMF aushelfen. „Aber damit wird es dann funktionieren“, sagte Weise zuversichtlich.

Bei den Abläufen in den Asylverfahren sieht er inzwischen große Fortschritte: Weil die Menschen nur noch Leistungen bekommen, wenn sie den sogenannten Ankunftsnachweis haben - eine Art Flüchtlingsausweis - kämen inzwischen fast alle sehr schnell nach der Einreise nach Deutschland in die sogenannten Ankunftszentren des BAMF. Dort könne über die Asylanträge für etwa die Hälfte der neuen Fälle sehr schnell entschieden werden - in 48 Stunden bis zu einer Woche.

Bei der anderen Hälfte - wenn etwa Papiere fehlen, die Identität unklar ist oder sonstige Widersprüche auftauchen - dauere es länger. Im Schnitt liege die Verfahrensdauer bei neuen Fällen inzwischen bei drei Monaten. „Bei den langwierigen Verfahren haben wir das aber oft gar nicht zu verantworten: Da geht es um Dublin-Verfahren, um Anfragen bei den Botschaften oder um das Warten auf Atteste.“

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Die oft kritisierte Trennung zwischen erster Erfassung der Menschen und dem Stellen des Asylantrags „gibt es eigentlich nicht mehr“, wenn alle Menschen in den Ankunftszentren registriert werden, sagte Weise. „Die Registrierung ist dann automatisch mit dem Asylantrag verbunden.“

Betrachte man die Gesamtzahl der Asylverfahren, dann steige dagegen die durchschnittliche Verfahrensdauer im Moment - sie liege derzeit bei mehr als sechs Monaten. Grund dafür seien die komplizierten Altfälle, in denen häufig noch Dokumente oder Pässe fehlen oder Anfragen gestellt und abgewartet werden müssen.

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