Freytags-Frage : Warum sind uns kriminelle Spitzensportler egal?

kolumneFreytags-Frage : Warum sind uns kriminelle Spitzensportler egal?

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Christiano Ronaldo ist Weltfußballer 2016 - und steht wegen seiner Steuerpraktiken in der Kritik.

Kolumne von Andreas Freytag

Jedes noch so kleine Fehlverhalten eines Politikers wird heute skandalisiert. Doch wenn Profifußballer Steuern hinterziehen, lässt uns das merkwürdig kalt. Wir müssen endlich politischer über den Sport reden.

Christiano Ronaldo ist gerade zum vierten Male zum Weltfußballer des Jahres gewählt worden. Ob er wirklich der beste Fußballer des abgelaufenen Jahres gewesen ist oder nicht, soll hier aber nicht interessieren. Interessant ist eher, dass die Sportjournalisten Ronaldo wählten, obwohl nun offenbar wurde, in welchem Ausmaß er versucht hat, Steuern zu hinterziehen.

Ronaldo ist keineswegs der einzige Spieler, der durch die Enthüllungen von Football Leaks, einem Netzwerk von Journalisten, in den Fokus der Öffentlichkeit geriet. Spielerverträge, Steuersparmodelle, die Macht der Berater und mehr wird dort verarbeitet. Es zeigt, dass die Welt des Fußballs nicht mehr von Sportsgeist und Fairness angetrieben wird, sondern offenbar fast ausschließlich noch von der Gier nach schnellem und maßlosem Reichtum. Bedenkt man zudem, dass der Weltfußballverband von zahlreichen Korruptionsfällen bis in die Gegenwart hinein betroffen ist, wundert es doch, dass es so wenig Empörung in der Öffentlichkeit und so wenig Druck aus der Politik gibt, diese Fälle aufzuklären. Dies fällt vor allem vor dem Hintergrund auf, dass Politiker selber schon bei der kleinsten Unregelmäßigkeit bzw. dem bloßen Verdacht unter Druck geraten. Man denke nur an die kleinkarierte Wut der Deutschen auf Bundespräsident Wulf, als dieser etwas gedankenlos, aber sicher nicht aus Gier, ein Spielzeugauto für sein Kind als Geschenk vom Hersteller akzeptierte.

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Zu diesem Verhalten der Fußballer samt öffentlicher Reaktion passt die Gleichgültigkeit, mit der die Sportwelt seit Jahren das organisierte Doping der Sportler in Russland oder im weltweiten Radsport (aber vermutlich auch anderswo) zur Kenntnis nimmt – immerhin wird die Bob und Skeleton WM 2017 der Stadt Sochi in Russland wieder entzogen.

Grundsätzlich hätte doch ein solches Verhalten von Eliten in der Öffentlichkeit ein erhebliches Skandalisierungspotential. Wie gesagt, ähnliches Verhalten der Wirtschaftselite oder der politischen Entscheidungsträger hätte (und hat in Einzelfällen) für enorme Aufregung gesorgt, und dies zu Recht, denn diese Funktionseliten sollen nicht nur das Funktionieren des Gemeinwesens sicherstellen, sondern haben auch eine Vorbildfunktion.

Die haben Sportler aber auch. Das Verhalten von Sportlern auf und neben dem Platz, der Umgang mit Niederlagen, die Fairness im Zweikampf, der Umgang mit Fans, aber auch der Umgang mit den hohen Einkommen dürfte einen Eindruck gerade auf junge Zuschauer machen. Wenn ein Fußballstar jahrelang ohne Führerschein mit einem Sportwagen durch das Ruhrgebiet fährt, dann aber von einer – relativ kleinen – Geldstrafe abgesehen straffrei bleibt, mag das bei manch jungem Mann den Eindruck vermitteln, die Regeln müsse man nicht so genau nehmen.

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