Freytags-Frage: Wie kann man den Widerstand gegen Stromtrassen brechen?

kolumneFreytags-Frage: Wie kann man den Widerstand gegen Stromtrassen brechen?

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Strommasten.

Kolumne von Andreas Freytag

Windstrom wird über Stromtrassen vom Norden in den Süden transportiert. Dagegen regt sich Widerstand. Warum die Rebellion gerechtfertigt ist – und wie sie in Zustimmung umgewandelt werden kann.

An der schleswig-holsteinischen Nordseeküste ist es häufig sehr windig. Deswegen wird dort ein Großteil der deutschen Windenergie produziert. Im Jahre 2015 produzierten Windräder in Schleswig-Holstein knapp 14 Milliarden Kilowattstunden (kWh). Das war doppelt so viel Energie wie in 2013. Der Grund dafür: die  Inbetriebnahme mehrerer Offshore-Anlagen vor der Nordseeküste. Sie produzierten beinahe viermal so viel Strom wie Bayern und Baden-Württemberg im Jahre 2015 an Windenergie zusammen. Nur in Niedersachsen wurde in 2015 mit knapp 20 Milliarden kWh mehr Windstrom produziert.

Das ist nicht besonders überraschend. Es liegt an den Witterungsbedingungen in den beiden norddeutschen Küstenländern. Deswegen macht es Sinn, dass sich diese beiden Länder auf Windenergie spezialisieren. Es ist sogar zu erwarten, dass sich der Erzeuger-Mix des Stroms noch weiter von den konventionellen zu den erneuerbaren Energien wandeln wird, wenn die Bundesregierung ihre Pläne hinsichtlich der Kernkraft und Kohle realisiert oder gegebenenfalls noch verschärft. Letzteres würde wohl unter einer grünen Regierungsbeteiligung geschehen. Windenergie dürfte dann in Norddeutschland weiter ausgebaut werden. Sollte sich die Effizienz der Windräder steigern, wäre das hochrational – vor allem für Offshore-Anlagen.

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Schleswig-Holstein ist ein Nettoexporteur des Stroms innerhalb der Bundesrepublik. Der Brutto-Stromverbrauch des Küsten-Landes lag 2015 mit unter 20 Milliarden kWh deutlich unter der gesamten Stromerzeugung, die im gleichen Jahr über 33 Milliarden kWh betrug. Windenergie wird also strukturell dort erzeugt, wo sie nicht vollständig benötigt wird.

Energiewende Pläne für Nord-Süd-Stromautobahnen werden konkreter

Erdkabel statt „Monstertrassen“ - mit dieser Formel will die Politik auf Druck Bayerns die Blockade beim Ausbau der Stromnetze auflösen. Dass dies am Ende länger dauert und weit teurer wird, steht jetzt schon fest.

Die Nord-Süd-Stromautobahnen sollen unter die Erde wandern. Quelle: dpa

Dieser Strom muss, solange es keine adäquaten Speichertechnologien gibt, mithilfe von Überlandleitungen oder unterirdischen Leitungen an die Verbrauchsorte geleitet werden. Diese liegen eher in den Industriezentren in Bayern und Baden-Württemberg, wo die Industrie bislang vor allem mit konventionell produziertem Strom arbeitet. Wenn konventionelle Energie zunehmend durch erneuerbare ersetzt wird, verschärft sich das Problem des Stromtransportes also.

Das Hauptproblem der Stromversorgung dürfte also zukünftig eher in der Verteilung des Ökostroms als in seiner Erzeugung liegen. Die Erzeugung wird zunehmend effizienter und immer mehr gesellschaftlich akzeptiert. Anders verhält es sich mit der Verteilung des Stroms und seines Transports von Nord nach Süd. Denn die Stromtrassen – ob unterirdisch oder über der Erde – durchlaufen über weite Strecken Regionen, die den Strom nicht brauchen. Wer unmittelbar in der Nähe so einer Leitung wohnt, mag sich optisch gestört fühlen und unter den Folgen von Elektrosmog leiden.

Der Widerstand gegen die Trassen ist deswegen hoch. Bayern will sie nicht und auch Hessen hat kein Interesse. Hessen hat deswegen Naturschutzgebiete auf dem direkten Weg einer potentiellen Trasse ausgewiesen. Thüringen zieht nach – und erklärt die ehemalige innerdeutsche Grenze zum Naturschutzgebiet.

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