Johanna Wanka: Die Baustellen der neuen Bildungsministerin

KommentarJohanna Wanka: Die Baustellen der neuen Bildungsministerin

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Johanna Wanka bekommt ihre Ernennungsurkunde, Anette Schavan die Entlassungspapiere.

von Max Haerder

Annette Schavan geht, Johanna Wanka kommt, die Probleme bleiben. Ein Überblick über die größten Schwachstellen der Bildungsrepublik.

Um kurz nach elf Uhr am Vormittag empfängt Johanna Wanka ihre Ernennungsurkunde von Bundespräsident Joachim Gauck. Nur zwei Stunden später, pünktlich zum ersten öffentlichen Auftritt im neuen Amt, hängt in der Schauvitrine ihres neuen Ministeriumssitzes in Berlin-Mitte bereits ihr Foto. Politik kann manchmal sehr zügig sein.
So voll war es im Pressesaal des Bildungsministeriums schon lange nicht mehr. Weiter so, lautet die unsichtbare Überschrift ihres kurzen Statements. Johannes Wanka (CDU) ist voll des Lobes für ihre Parteifreundin und Vorgängerin: Annette Schavan habe „Wichtiges erreicht“ und hinterließe „große Schuhe, in die ich versuche, zu treten“.
Wanka, studierte Mathematikerin, ehemalige Hochschulchefin und mehr als zehn Jahre lang Wissenschaftsministerin erst in Brandenburg und dann in Niedersachsen, ist von Fach. Eine lange Einarbeitungszeit wird sie kaum benötigen. Noch vor wenigen Tagen war sie als Koordinatorin der CDU-geführten Länder zu Verhandlungen in diesem Ministerium. Jetzt ist sie hier selber die Hausherrin.

Chronologie der Plagiatsaffäre um Annette Schavan

  • September 1980

    Annette Schavan reicht im Alter von 24 Jahren ihre erziehungswissenschaftliche Dissertation „Person und Gewissen“ an der Philosophischen Fakultät der Heinrich-Heine Universität Düsseldorf ein. Die Arbeit wird mit „sehr gut“ benotet.

  • 29. April 2012

    Auf einer Internetplattform wird anonym der Vorwurf des Plagiats gegen Schavan erhoben.

  • 2. Mai

    Die Universität Düsseldorf beauftragt die zuständige Promotionskommission, die Vorwürfe zu prüfen.

  • 10./11. Mai

    Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) spricht Schavan ihr Vertrauen aus.

  • 27. September

    Der Vorsitzende des Promotionsausschusses, Professor Stefan Rohrbacher, legt intern einen Sachstandsbericht vor. Das Ergebnis: An zahlreichen Stellen der Arbeit sei plagiiert worden. Es liege eine systematische Vorgehensweise und damit eine Täuschungsabsicht vor.

  • 14. Oktober

    Der „Spiegel“ zitiert aus dem vertraulichen Bericht Rohrbachers. Schavan weist eine Täuschungsabsicht zurück.

  • 15./16. Oktober

    Merkel spricht Schavan erneut das Vertrauen aus. Rückendeckung bekommt sie auch von ihrem Doktorvater Gerhard Wehle. Auf der Suche nach der undichten Stelle erstattet die Universität Strafanzeige gegen unbekannt wegen des Verdachts auf Weitergabe vertraulicher Informationen.

  • 17. Oktober

    Die Prüfungskommission berät über den internen Bericht Rohrbachers.

  • 10. November

    Schavan reicht nach Informationen der „Rheinischen Post“ bei der Uni Düsseldorf eine schriftliche Stellungnahme ein, in der sie den Vorwurf des Plagiats bestreitet.

  • 18. Dezember

    Die Promotionskommission empfiehlt nach Prüfung der Arbeit und Anhörung Schavans, ein Verfahren zur Aberkennung des Doktortitels zu eröffnen. Befinden muss darüber der Rat der Philosophischen Fakultät.

  • 22. Januar 2013

    Der Fakultätsrat stimmt mit 14 Ja-Stimmen bei einer Enthaltung für die Einleitung des Hauptverfahrens zur möglichen Aberkennung des Doktortitels. Für den 5. Februar setzt der Rat eine weitere Sitzung an.

  • 31. Januar

    Schavan räumt im „Zeitmagazin“ Flüchtigkeitsfehler in ihrer Doktorarbeit ein, weist den Vorwurf des Plagiats oder der Täuschung aber erneut zurück.

  • 5. Februar

    Der zuständige Fakultätsrat der Universität Düsseldorf stimmt im Plagiatsverfahren für die Aberkennung des Doktortitels. Schavan hält sich zu politischen Gesprächen in Südafrika auf.

  • 6. Februar

    Kanzlerin Merkel spricht ihr erneut „volles Vertrauen“ aus. Der Druck aus Politik und Wissenschaft nimmt zu.

  • 9. Februar

    Die Bundesbildungsministerin tritt nach einer Aussprache mit der Bundeskanzlerin Angela Merkel zurück.

Schavan habe „ein Haus hinterlassen, das wohlbestellt ist“, sagt Wanka. Höflichkeit und Respekt sind in solchen Momenten angezeigt. Tatsächlich aber warten auf die neue Bildungsministerin in den wenigen Monaten bis zur Bundestagswahl zahlreiche Probleme:
Kita-Ausbau
Es dürfte das explosivste Bildungsthema der kommenden Wochen werden – und die Bundesbildungsministerin ist dafür nicht einmal zuständig, sondern die Familienministerin. Trotzdem sollte sich die neue Ressortchefin in dieser Sache zu Wort melden. Noch immer fehlen etwa 150000 Kitaplätze und 15000 Erzieher, um den ab 1. August in Kraft tretenden Rechtsanspruch auf Betreuung zu erfüllen, schätzen der Deutsche Städte- und Gemeindebund und die Uni Dortmund.
In der frühkindlichen Bildung und Betreuung werden die Weichen für die ganze Schulzeit gelegt, vom Sprachvermögen bis zur Sozialkompetenz. Die Grundschule kann kaum noch reparieren, was zuvor versäumt wurde. Umso wichtiger, dass die Verantwortlichen in Bund und Ländern neben der kurzfristigen Quantität auch auf die mittelfristige Qualität Wert legen: mit besser ausgebildeten Erziehern und hohen Anforderungen an Tageseltern. Wenn eine Bildungsministerin das nicht kümmert, was dann?

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