Korruption: Die Masche Maschmeyer

KommentarKorruption: Die Masche Maschmeyer

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Carsten Maschmeyer

von Max Haerder

Hat der Ex-AWD-Chef Carsten Maschmeyer Gerhard Schröder nun eine Million Euro für die Rechte an seinen Kanzler-Memoiren bezahlt oder sogar zwei? Wie unwichtig! Viel interessanter sind die neuen Einblicke in das geradezu kunstvolle Spiel politischer Einflussnahme, pardon, freundschaftlicher Beratung.

Es gibt Korruption. Und es gibt weit Klügeres als Korruption. Strategien, die subtiler sind und viel feiner wirken als ein schnödes „Gibst du mir, dann geb‘ ich dir“. Es geht um Menschliches, allzu Menschliches, um Sympathie, Nähe, ja sogar um etwas ganz Großes: um Freundschaft. Wahrscheinlich.

Würde man den guten Rat eines guten Freundes jemals als grenzwertige, gar unzulässige Einflussnahme werten? Würde man? Wäre man nicht eher überzeugt von dem, was er sagt, weil er weiß, wovon er spricht – und dürfte man diese Ratschläge dann nur deshalb nicht verwenden für sein eigenes Tun, weil sie von einem Vertrauten stammen? Wäre das nicht das eigentlich Groteske?

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Vielleicht denken Alt-Bundeskanzler Gerhard Schröder (SPD) und Ex-AWD-Chef Carsten Maschmeyer genauso so über ihr Verhältnis. Wir wissen es nicht. Und wir werden es bei dieser Bilderbuch-Freundschaft zweier Bilderbuch-Kerle wohl auch nie erfahren. Die Gedanken sind frei. Niemand wird sie verraten.

Dafür reden andere: Zwei Journalisten des Magazins „Stern“ haben ein Buch über die Masche Maschmeyer geschrieben, ein sehr aufschlussreiches, voller vertraulicher Korrespondenz und Dokumenten von und mit Maschmeyer (Wigbert Löer, Oliver Schröm: „Geld Macht Politik. Das Beziehungskonto von Carsten Maschmeyer, Gerhard Schröder und Christian Wulff“).

Das Werk ist nicht deshalb interessant, weil die Öffentlichkeit nun weiß, dass der Unternehmer Schröder für dessen Memoiren statt der bereits bekannten einen Million Euro genau 2.016.380,37 Euro bezahlt hat (Schröder habe schließlich eine Million netto erhalten sollen, sagt Maschmeyer heute, nach Steuern und anderem Gedöns), sondern weil das Buch einen außerordentlich detaillierten Einblick in die wirklich atemberaubenden Netzwerk-Künste des einstigen Finanzvertriebs-Zampanos erlaubt.

Man muss sagen: Maschmeyer ist in dieser Disziplin ein Profi allererster Güte. Dieser Mann konnte schon zu Schnurrbartzeiten feine Briefe voller Lob, Zuneigung und Ehrerbietung verfassen, vor allem an Politiker, die sonst öffentlich zumeist nicht besonders viel Ehre, Zuneigung und Lob erfahren.

Er konnte Wahlkampagnen für Gerhard Schröder finanzieren oder Marketing-Kampagnen für Christian Wulffs Buch unterstützen – und den Herren sogar gar nichts davon erzählen. Wie uneigennützig das gewirkt haben wird, wenn er sein Mäzenatentum erst später offenbarte.

Wie gesagt: ein Profi. Unnachahmlich auch dieser Instinkt für Politiker mit den besten Aufstiegschancen. Schröder, Wulff, Ursula von der Leyen. Man kennt sich, man ist per Du.

Das Buch legt nun Dokumente offen, die eine brisantere Lesart rot-grüner Regierungspolitik nahelegen: Schröder hat im Jahre 2004 seinem Freund Maschmeyer offenbar sehr genau und im eher intimen Rahmen („möglichst bei ihm (Schröder, Anm. d. Red.) zuhause“, faxte Maschmeyer als Terminbitte an Schröders Büro) zugehört, bevor es eine Reform der Riester-Versicherung gab.

Von den gesetzlichen Änderungen an der privaten Alterssicherung, die dann Anfang 2005 in Kraft traten, profitierten alle, aber eben auch Maschmeyers Finanzberatung AWD.

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Die Verbindung von Kanzler und Berater war sozusagen Experten- und Lobbyistenanhörung unter vier Augen auf höchster Ebene. So weit, so noch zu tolerieren. Einen Beleg für die Schlussfolgerung, Maschmeyer habe sich später mit der Memoiren-Transaktion auf eine elegante wie lukrative Art erkenntlich für politische Hilfestellung von ganz oben gezeigt, gibt es nicht. Auch das gehört zur Wahrheit.

Maschmeyer investiert heute in Aktien und Start-ups, am liebsten aber investiert er in Menschen. Für die hat er ein Gespür. Wer damit reich geworden ist, Kunden Finanzprodukte anzudrehen, die sie brauchen und die sie vielleicht auch nicht brauchen, wird sogar sehr feine Antennen für deren Bedürfnisse haben.

Und dann kümmert man sich mit persönlicher Hingabe und anderen Zuwendungen. Man weiß ja nie, wann sich das auszahlt.

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