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Notärzte: Flucht vom Land

von Katharina Matheis

Die unterschiedliche Bezahlung für Notärzte führt zur Unterversorgung in ländlichen Regionen. Eine Reform, die Stadtärzte und die Notärzte vom Land gleichermaßen zufriedenstellt, scheint unmöglich.

Druck auf der Brust, Schweiß auf der Stirn, Atemnot: Wer einen Herzinfarkt hat, braucht sofort einen Notarzt. Denn auch wenn die Sanitäter schnell vor Ort sind, bleibt ihre Hilfe begrenzt. Nur ein Arzt darf die in solchen Notfällen unter Umständen lebensrettenden Medikamente verabreichen. Doch viele ländliche Regionen haben Probleme, ihre Notarztdienste durchgehend zu besetzen.

Ein Beispiel dafür ist die rheinland-pfälzische Kleinstadt Alzey mit 18.000 Einwohnern. Im vergangenen Jahr war hier an 25 Tagen kein Notarzt vor Ort. Vor allem an Feiertagen gibt es Lücken im Dienstplan. Im Zweifel wird dann bei Notfällen ein Hubschrauber oder Verstärkung aus der Nachbarschaft angefordert. Bis ein Arzt eintrifft, kann es bis zu 15 Minuten länger dauern. Dabei können schon Sekunden über das Leben der Patienten entscheiden. Auch aus dem südlichen Schwarzwald oder aus dem Erzgebirge wurden Nachrichten über Engpässe bekannt. So waren in Sachsen im vergangenen Jahr mehr als 570 Rettungsschichten unbesetzt.

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Grafik Hausärzte tummeln sich in Großstädten

Zahl der Allgemeinmediziner im Vergleich zum Bedarf in einer Region.

Grafik: Hausärzte tummeln sich in Großstädten

Das Problem: Je nach Einsatzgebiet werden die Mediziner für ihre Dienste unterschiedlich bezahlt. Denn die wenigsten sind als hauptberufliche Notärzte in Kliniken angestellt. Die meisten fahren neben ihrer Klinik- oder Praxistätigkeit oder sind als freie Notärzte unterwegs. Dafür bekommen sie in Alzey beispielsweise 27 Euro pro Stunde, wenige Kilometer weiter, in Bad Kreuznach, sind es bereits 13 Euro mehr.

Der Grund für die Lohnschwankungen erscheint zunächst einleuchtend: Während ein Arzt in der Großstadt 15 bis 20 Mal pro Schicht ausrücken muss, kann in einer ländlichen Region auch mal eine Nacht lang nichts passieren. Der durchschnittliche Stundenlohn variiert deshalb zwischen 19 Euro und 70 Euro. Viele der nicht hauptamtlichen Notärzte auf dem Land bleiben deswegen gerade an Feiertagen lieber zu Hause oder lassen sich in anderen Gebieten zum Dienst einteilen. „Hier existiert ein systemgewollter Druck zur Stadt“, sagt André Kröncke von der Notarztbörse, die freischaffende Notärzte vermittelt.

Um einen Notarztmangel in ländlichen Regionen zu verhindern, wurden in Bayern im Januar die Landnotärzte mit deutlich höheren Pauschalen beglückt. Gleichzeitig wurde die Bezahlung pro Einsatz um mehr als die Hälfte gekürzt. Die Umverteilung ging vor allem auf Kosten der Städter: Die Einsatzkräfte in den Metropolen mussten Einkommenseinbrüche von fast 30 Prozent hinnehmen. Entsprechend groß ist der Unmut unter den Medizinern.

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Die Stadtärzte halten an der einsatzorientierten Bezahlung fest, die Notärzte vom Land wollen höhere Bereitschaftspauschalen. Eine Reform, die alle zufriedenstellt, scheint unmöglich. Je nach Bundesland sind unterschiedliche Ministerien und Einrichtungen für den Rettungsdienst verantwortlich: Während es in Rheinland-Pfalz die Krankenhäuser sind, sind es in Sachsen die Krankenkassen, und in Bayern ist es die Kassenärztliche Vereinigung.

Michael Burgkhardt, Vorsitzender der Bundesarbeitsgemeinschaft der Notärzte, plädiert deshalb für mehr fest angestellte Notärzte: „Die Krankenhäuser müssten mehr Stellen für den Notarztdienst zur Verfügung gestellt bekommen. Diese würden dann tariflich bezahlt, und die unterschiedliche Rechnerei wäre hinfällig.“

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