Piratenpartei: Piraten auf der Welle des Erfolgs

Piratenpartei: Piraten auf der Welle des Erfolgs

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Humorig mit mehr als bissigem Unterton: Vorschläge für Piraten-Wahlkampfplakate

von Max Haerder

Der Anfang von etwas ganz Großem oder doch mehr Glück als Verstand? Wenn sie ehrlich sind, wissen es die Piraten selbst noch nicht. Die etablierten Parteien haben Angst vor den kommenden Wahlen.

Um zu verstehen, wer die Piratenpartei ist und was ihr Aufkreuzen in der deutschen Politik noch bedeuten könnte, der sollte sich zuallererst die Reaktionen der Konkurrenz anschauen. Da wäre dieses eigenartige, ins Panische kippende Beleidigtsein der FDP, wie diese Newcomer mühelos Themen wie Bürgerrechte, Datenschutz und Netzpolitik erobern. Und dann exklusiv ausbeuten. Da wäre diese vom Staunen in Wut kippende Abwehrhaltung der Grünen, wie die Twitter-Bande  die einstigen Revoluzzer und Aktivisten als das aussehen lässt, was sie schon länger sind: eine etablierte, gesättigte, und ja: auch eine leicht langweilige Partei.

Den 7,6-Prozent-Erfolg im Saarland sollten die Piraten noch nicht überbewerten. Noch nicht. Aber die ersten Wahlanalysen, die gestern Abend noch ganz klassisch über die Fernsehkanäle verbreitet wurden, zeigten eine interessante Erklärung für die Erfolgswelle der Freibeuter: Kaum die Hälfte ihrer Stimmen holten sie von Nichtwählern. Einige mehr stammten von Wahlberechtigten, die beim letzten Mal noch bei anderen Parteien ihr Kreuz gemacht hatten.

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Die Piraten spielen mit Klischees über sich - und mit ihrem Schwerpunktthema Urheberrecht

Die Konzeptlosigkeit kann noch eine Zeitlang Konzept bleiben, wenn diese Erfolgsmischung erhalten bleibt: Nichtwähler plus online-affine Erstwähler plus frustrierte Wechselwähler sind eine Basis, von der die Liberalen gern mal wieder träumen würden.

An der Saar hatten die Piraten Ende Januar gerade einmal rund 200 Mitglieder, kein Parteiprogramm und prominente Köpfe schon gar nicht. Egal, sagte der Wähler. In Berlin gab es schräge Plakate und ein paar Parolen. Nehm‘ ich, sagte der Wähler. In Nordrhein-Westfalen hieven die Piraten einen selbst nach eigenen Maßstäben vollkommen Unbekannten als Spitzenkandidaten ans Steuer. Wähl` ich trotzdem, werden die Bürger wohl sagen.

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Natürlich wissen auch die Piraten, wie Wahlwerbung funktioniert. Dem politischen Gegner eins auszuwischen, gehört oft dazu

Tatsächlich sind die ersten Raubzüge in der Hauptstadt und im Saarland geschenkt. Erst wenn die New Kids on the Block in Nordrhein-Westfalen in den Landtag einziehen sollten, würden sie zum ersten Mal wirklich all die Erwartungen mit Substanz untermauern, die bislang (sehr gern auch von uns Medien) an sie herangetragen werden.

Rollt die neue deutsche Welle auch in NRW weiter, dann hätten die Piraten für die kommende Bundestagswahl bewiesen, dass sie auch ohne finanzielle Großoffensiven, gegen den herrschenden Personalisierungswahn und trotz limitierter Themenpalette in der Lage sind, zu siegen. Für das politische Establishment muss das klingen wie eine Kriegserklärung.

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Das verbleibende gute Jahr bis zur Bundestagswahl dürfte deshalb höchst interessant werden: Wie halten es die etablierten Parteien mit diesem Internet, dass vielen (Jung-)Wählern nicht nur Mittel zum Leben, sondern fast schon zum Leben geworden ist? Wie reagieren die Piratenwähler auf die ersten konkreten Arbeitsbilanzen aus Berlin, Saarbrücken oder Düsseldorf (der Verzicht auf Dienstwagen und auf Hertha-Freitickets in Berlin alleine werden es dann wohl auch nicht reißen)? Was hat die Schwarmintelligenz zur Schulden- und Eurokrise zu sagen und was zur Wirtschafts-, Sozial- und Arbeitsmarktpolitik?

Die Konkurrenzbeobachtung in den anderen Parteizentralen sollte sich jedenfalls schnell Zugang zu den Mailinglisten verschaffen.

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