Serdar Somuncu: Jede Minderheit hat ein Recht auf Diskriminierung

Serdar Somuncu: Jede Minderheit hat ein Recht auf Diskriminierung

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Serdar Somuncu ist Kabarettist und Buchautor.

Ne yazık türküm diyene - jahrelang drohten mir die Nazis, jetzt sind es die Anhänger Erdogans. Sind das die Menschen, für deren Rechte ich seit dreißig Jahren unter Einsatz meines Lebens auf der Bühne stehe?

Vor einigen Tagen haben AKP-Aktivisten versucht, meine Vorstellung zu stören. Ihr Vorwurf: Ich würde die Türkei verraten und Beleidigungen gegen Staatspräsident Recep Tayyip Erdogan in Schutz nehmen.

Obwohl ich die Demonstranten dazu aufgefordert habe, sich einem Gespräch zu stellen, sind sie nach ein paar unverständlichen Rufen geflüchtet. Das ist nicht nur feige, sondern auch ein Beweis für die mangelnde Auffassungsgabe und Demokratieunfähigkeit dieser Leute.

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Es macht mich vor allem traurig. Denn es erinnert mich in fataler Weise an die Zeit, in der ich "als Türke" vor Nazis auf den Bühnen stand und fast täglich bedroht und angegriffen wurde. Jetzt bin ich der "Deutsche", der sich vor der fehlgeleiteten Wut der Türken fürchten muss.

Schade um so viel Dummheit, aber kein Grund aufzuhören. Wer mich kennt, der weiß, wofür ich stehe. Toleranz und Gleichberechtigung!

Der Medien-Kommissar Erregungswellen im Fernsehen

In den Fernsehtalkshows von Anne Will, Frank Plasberg & Co. werden die Diskutanten aufeinander gehetzt. Statt in TV-Debatten Lösungen zu liefern, wird der Negativismus verstärkt. Das hilft vor allem den Populisten.

Handelsblatt-Korrespondent Hans-Peter Siebenhaar wirft wöchentlich einen Blick auf die Medienbranche.

Die Freiheit des Wortes und der Kunst! Respekt vor Andersdenkenden, aber auch Mut zur Überzeugung! Ich stehe dabei weder auf der Seite einer Nation, noch gehöre ich zu einer Partei. Ich sage meine Meinung als Mensch!
Meine Themen sind oft kontrovers, und nicht immer muss man einer Meinung sein. Deshalb ertrage ich auch andere Meinungen. Aber, dass ich eines Tages sagen muss, dass die Nazis im Gegensatz zu meinen türkischen Landsleuten wenigstens den Mut hatten, ihre kruden Theorien vor mir zu verteidigen, ist schon eine Ironie des Schicksals.

Vor allem frage ich mich: Sind das die Menschen, für deren Rechte ich seit dreißig Jahren unter Einsatz meines Lebens auf der Bühne stehe? Es ist ein Krieg der Missverständnisse - warum beleidigt man, wenn man Respekt verlangt?
Seit Wochen tobt nun mittlerweile diese Aufregung, die auf nichts anderem basiert als auf der Unfähigkeit, richtig zuzuhören. Ich habe niemals Beleidigungen in Schutz genommen.

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