Nach dem Attentat auf Jo Cox: Brexit-Kampagne läuft wieder an

Nach dem Attentat auf Jo Cox: Brexit-Kampagne läuft wieder an

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Blick durch eine vom Regen benetzte Autoscheibe auf eine britische Fahne.

Der möglicherweise politisch motivierte Mord an der Labour-Abgeordneten Jo Cox hat Großbritannien innehalten lassen. Doch die Schicksalsfrage rückt näher: Brexit oder nicht?

Nach dem Schock über den Mord an der Abgeordneten Jo Cox nimmt der Wahlkampf vor dem EU-Referendum in Großbritannien wieder Fahrt auf. Premierminister David Cameron warnte, ein Ausscheiden aus der Europäischen Union wäre ein Rückschritt für das Königreich und trüge zur Spaltung bei. Brexit-Befürworter Boris Johnson hielt dagegen und nannte das Abkehr von der EU eine einmalige Chance. Über den Ausgang der Abstimmung am Donnerstag wagen auch kaum ein Experte eine Prognose.

Das Attentat auf die Labour-Abgeordnete und Europa-Befürworterin Cox am Donnerstag hatte den Wahlkampf jäh unterbrochen. Die Behörden prüfen, ob der inzwischen des Mordes angeklagte Verdächtige aus politischen Motiven handelte. Am Wochenende verzichteten Gegner und Befürworter der EU immer noch auf Massenkundgebungen und äußerten sich stattdessen in den Medien.

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Cameron lobte in einem Artikel für den „Sunday Telegraph“ die mitfühlende Vision eines geeinten Großbritannien, wie sie Cox vertreten habe. Die Labour-Abgeordnete hatte sich wie der konservative Premier für einen Verbleib des Landes in der EU stark gemacht. Dagegen setzte Cameron heftige Kritik am Nationalisten und Brexit-Vorkämpfer Nigel Farage: Dieser stehe für Spaltung.

Camerons Parteikollege Johnson sagte dagegen der Zeitung „Sun on Sunday“, mit dem Votum zum Verlassen der EU könnten die Briten ihr Leben zum Guten wenden. So eine Chance komme nur einmal im Leben. Auch die Zeitungen „Sunday Times“ und „Sunday Telegraph“ empfahlen ihren Lesern, für den Brexit zu stimmen. So hatte sich auch schon das Massenblatt „The Sun“ positioniert. Der „Observer“ und die „Mail on Sunday“ warben dagegen für den Verbleib in der EU.

Für Cameron und Johnson dürfte der Ausgang des Referendums auch persönliche Konsequenzen haben. Beobachter nehmen an, dass sich der Regierungschef bei einer Abstimmungsniederlage kaum im Amt wird halten können. Johnson könnte dann womöglich seine Nachfolge antreten. In Umfragen liegen Befürworter und Gegner nahe beieinander, und etliche Briten haben sich noch nicht entschieden. Ob und wie der Mord an Cox den Ausgang des Referendums beeinflusst, ist unklar.

Cox' mutmaßlicher Mörder Thomas M. hatte sich am Samstag bei seinem ersten Gerichtstermin bizarr verhalten. Auf die Frage nach seinem Namen sagte er im Londoner Amtsgericht von Westminster: „Tod den Verrätern, Freiheit für Großbritannien.“ Keine Antwort gab der 52-Jährige nach Wohnort und Geburtsdatum. Richterin Emma Arbuthnote sagte, „angesichts des Namens, den er gerade genannt hat“ halte sie eine psychiatrische Untersuchung für angezeigt.

Ein Augenzeuge hatte nach dem Attentat gesagt, der Angreifer habe mehrmals „Britain First“ (deutsch: Großbritannien zuerst!) gerufen. Der Verdächtige soll Verbindungen zur US-Neonazi-Organisation National Alliance unterhalten und die ultrarechte Publikation „SA Patriot“ abonniert haben. Die nächste Anhörung wurde für Montag angesetzt. M. ist in Untersuchungshaft.

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