Ukraine-Krise: Oligarch erklärt Separatisten den Krieg

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Ukraine-Krise: Oligarch erklärt Separatisten den Krieg

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Der reichste Ukrainer zieht im Donbass die Strippen.

Russland verweigert den moskautreuen Aktivisten in der Ostukraine direkte Hilfe. In der Bevölkerung scheint ihr Rückhalt zu schwinden. Nun bezieht der einflussreiche Magnat Achmetow klar Position. Stehen die separatistischen „Volksrepubliken“ bereits vor dem Aus?

Zwei Videobotschaften aus der Ostukraine lassen die Lage in der krisengeschüttelten Region plötzlich in einem anderem Licht erscheinen. Denn die Unterschiede zwischen dem Oligarchen Rinat Achmetow und dem Separatistenführer Igor Strelkow könnten kaum klarer ausfallen. Hier der adrett gekleidete, erfolgreiche Milliardär, der mit festem Blick zum Widerstand gegen die prorussischen Kräfte ruft. Dort der unrasierte, fahrig wirkende Militante in Tarnuniform, der die mangelnde Kampfbereitschaft der Regierungsgegner beklagt.

Mit dem öffentlichen Appell Achmetows, der sich nun erstmals deutlich gegen die moskautreuen Kämpfer ausspricht, könnte die Stimmung in der russisch geprägten Unruheregion zugunsten der Zentralregierung kippen, meinen Beobachter. Denn der reichste Mann der Ukraine ist mit seinem Firmenimperium der wichtigste Arbeitgeber. Seine Leute sitzen zudem in Behörden an zentralen Stellen.

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„Hunderttausende“, so berichtet Achmetows Zeitung „Segodnja“, seien nun im Donbass dem Aufruf ihres Lohnherrn gefolgt, aus Protest gegen die Separatisten die Arbeit kurzzeitig niederzulegen. Aus Wut über „Gewalt und Chaos, Banditentum und Plünderungen“ hätten Autofahrer am Mittag ein ohrenbetäubendes Hupkonzert veranstaltet.

Mutig weist zudem der Bürgermeister der Millionenstadt Donezk und Achmetow-Vertraute Alexander Lukjantschenko Rücktrittsforderungen der militanten Separatisten zurück. Auch dies, so meinen Kommentatoren, weise auf schwindenden Rückhalt der selbst ernannten „Volksrepublik“ hin.

Fast verzweifelt beschwört der Donezker „Verteidigungsminister“ Strelkow, angeblich ein Agent des Moskauer Militärgeheimdiensts GRU, den Kampf für die russische Erde. „Ich hätte nie gedacht, dass sich in der ganzen Region nicht einmal 1000 Männer finden, die bereit sind, ihr Leben zu riskieren“, kritisiert er.

Russland hat bisher keine Anstalten gemacht, Soldaten zu schicken oder die Unabhängigkeit der „Volksrepubliken“ Donezk und Lugansk anzuerkennen. In umstrittenen Referenden hatten sich angeblich mehr als 90 Prozent der Einwohner für eine Eigenständigkeit ausgesprochen. Doch stärker als die nicht anerkannten Befragungen wertet der Kreml die Präsidentenwahl in der Ukraine am 25. Mai als möglichen Schritt zur Stabilisierung. Der Befehl von Präsident Wladimir Putin zum Abzug der Truppen von der ukrainischen Grenze schwächt die Separatisten weiter.

Einen „Trupp Versprengter, die in ihren Verirrungen auch von Moskau nicht wirklich unterstützt werden“ nennt Wolfgang Ischinger die prorussischen Kämpfer bei „Spiegel Online“. Der deutsche Spitzendiplomat moderiert im internationalen Auftrag einen Runden Tisch zur Krisenlösung.

Auch Achmetow betont, niemand kenne die neuen Machthaber. Mit Maschinenpistolen beherrschen diese die Straßen und benehmen sich oft wie Kriminelle anstatt wie Beschützer. Nach Angaben der Vereinten Nationen sind auch deswegen Tausende aus ihrer Heimat geflüchtet.

Die Militanten haben nun den Oligarchen zum Feindbild ernannt. „Achmetow hat seine Wahl getroffen, leider richtet sie sich gegen die Bevölkerung im Donbass“, behauptet Anführer Denis Puschilin. In der Tat verachten weite Teile der ukrainischen Gesellschaft Oligarchen als undurchsichtige Geschäftemacher. Doch bisher weiß der umtriebige Unternehmer etwa die große Gruppe der Bergarbeiter hinter sich.

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Der einflussreiche Achmetow könnte nun einmal mehr das politische Schicksal des Landes mitbestimmen - auch aus Angst um sein Vermögen. Bereits zweimal hat Bundesaußenminister Frank-Walter Steinmeier den Unternehmer zuletzt zu Beratungen getroffen, der einst den Aufstieg des nun gestürzten Präsidenten Viktor Janukowitsch finanziert haben soll. Nur dem Runden Tisch der Regierung bleibt Achmetow bislang fern.

„Nun nimmt er alles in die eigene Hand, weil er sowohl der Schwäche der Kiewer Führung als auch der Frechheit der selbst ernannten Machthaber überdrüssig ist“, meint der Politologe Wadim Karassjow. Achmetow, so heißt es in Kiew, favorisiere den reichen Geschäftsmann Pjotr Poroschenko als neuen Präsidenten. Und auch Moskau scheint sich mit dem Süßwarenunternehmer als Staatschef arrangieren zu können. Nicht auszuschließen, meint Karassjow, dass sich Oligarch und Kreml abgestimmt haben. Klar sei vor allem, dass auch künftig in der Ukraine die Großindustriellen die Linie vorgeben.

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