Denkfabrik: Was wir von den Webern des 19. Jahrhunderts lernen können

Denkfabrik: Was wir von den Webern des 19. Jahrhunderts lernen können

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Wie auch schon bei der Erfindung des mechanischen Webstuhls könnte auch die Digitalisierung zu einer sozialen Revolution führen.

Spaltet der technische Fortschritt die Arbeitswelt in digitale Gewinner und Verlierer? Das muss nicht sein. Die Digitalisierung ist eine Jahrhundertchance.

Vernichten die neuen digitalen Technologien die Arbeit, wie wir sie bisher kannten? Tatsächlich sprechen zahlreiche Studien für das Ende der traditionellen Arbeitswelt. Jobs, die uns über Jahrzehnte Sinn, Selbstwert und materielle Sicherheit verliehen haben, scheinen nun durch immer leistungsfähigere Computer ersetzt werden zu können.

Nach dem digitalen Siegeszug bei manueller Arbeit dringt die digitale Technologie mit wachsendem Tempo auch in die Wissensarbeit ein. Vorerst sind es Routinetätigkeiten, die in Feldern wie der Medizin, der Buchhaltung oder dem Management automatisiert werden. Aufgrund der großen Fortschritte der künstlichen Intelligenz dürften jedoch bald auch komplexere Aufgaben an Maschinen abgegeben werden können.

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Jede Revolution bringt einen sozialen Umbruch

Als jüngst das Computerprogramm AlphaGo die weltbesten Spieler des strategischen Brettspiels Go besiegte, bekam man einen Eindruck davon, was künstliche Intelligenz zu leisten vermag. Und es ist bezeichnend, dass das Silicon Valley mit GAFA (Google, Apple, Facebook, Amazon) und NATU (Netflix, Airbnb, Tesla, Uber) eine führende Rolle in der Automatisierung der Arbeit übernommen hat – alles Unternehmen, die im Vergleich zu ihrem Firmenwert wenig Arbeitsplätze schaffen.

Zur Person

  • Richard Straub

    Richard Straub ist österreichischer Unternehmer und Präsident der Peter Drucker Society Europe. Die Organisation, die sich der Tradition des Managementgurus Peter Drucker (1909–2005) verschrieben hat, hält vom 17. bis 18. November in Wien ihren Jahreskongress ab.

Spaltet sich die Arbeitswelt also in zwei Lager, wie es die Wiener Technologieexpertin Isabella Mader beim Peter Drucker Forum 2015 in Wien beschrieben hat? Gibt es am Ende wenige Privilegierte, die „oberhalb des Algorithmus“ arbeiten, und die Massen, die von den Algorithmen gemanagt werden? Eine solche Vision passt gut zu den pessimistischen Prognosen mancher Ökonomen über eine Jahrhundertstagnation.

Doch realistischer ist eine andere Sichtweise. Zahlreiche Ökonomen haben dargelegt, dass bisher jede technologische Revolution einen sozialen Umbruch im Gepäck hatte – jedoch letztlich mehr Arbeitsplätze schuf, als sie vernichtete. Als zu Beginn der industriellen Revolution in England viele Weber die automatischen Webstühle zertrümmerten, hielt das die Fabrikanten nicht davon ab, in diese neue Technologie zu investieren.

Niemand konnte vorhersehen, dass die Zahl der Weber sich in den nächsten Jahrzehnten vervierfachen würde. Denn als die Produktionsleistung pro Weber pro Stunde um den Faktor 50 stieg, schufen die radikal gesunkenen Preise neue Massenmärkte für Textilien. Noch deutlicher war dieses Phänomen bei der Schaffung neuer Industriezweige und Infrastrukturen wie etwa Straßen- und Stromnetze.

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