VW-Abgasaffäre: Was hinter dem "Clean Diesel"-Betrug steckt

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VW-Abgasaffäre: Was hinter dem "Clean Diesel"-Betrug steckt

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VW fälscht Abgaswerte in den USA. Jetzt drohen dem Autobauer Milliardenstrafe und Imageschaden.

von Katja Joho und Stephan Happel

Volkswagen droht wegen der Manipulation von Abgaswerten eine Milliardenstrafe. Wie der VW-Konzern schummelte, warum überhaupt und wie die US-Umweltbehörde dahinter kam.

„Zykluserkennung“ ist das Zauberwort, das sich Volkswagen für seine Manipulationen bei Abgastests in den USA zu Nutze machte. Eine Software reichte scheinbar aus, damit die VW-Modelle den dortigen Abgasnormen entsprachen – allerdings nur während der offiziellen Testläufe.

Denn mithilfe von Sensoren kann eine kluge Software erkennen, dass sich das Auto im Testlauf befindet und dann im richtigen Moment sozusagen auf das Sauber-Programm schalten. Dieser Technik bedienten sich die VW-Ingenieure. „Die Software sagt dem Auto in diesem Fall, fahr so, wie es den Richtlinien entspricht“, erklärt es Gerd Lottsiepen, verkehrspolitischer Sprecher des ökologischen Verkehrsclubs VCD und Experte für Antriebstechnik und Emissionen.

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Der Effekt: Die Volkswagen-Modelle blieben auf dem Prüfstand unter den gesetzlichen Grenzwerten. Im Realbetrieb auf der Straße überschritten sie diese jedoch um das 40-fache, wie die US-Umweltbehörde EPA berichtet. Ein klarer Verstoß gegen den Clean Air Act, der in den USA die Grenzwerte für Abgase regelt.

Für den Hauptschadstoff Stickoxid sind in den Vereinigten Staaten die zulässigen Obergrenzen viel niedriger als in Europa. Während in der EU nach der seit September 2015 geltenden Euro-6-Norm maximal 80 Milligramm pro Kilometer erlaubt sind, sieht die vergleichbare Norm der US-Umweltbehörde EPA ein Limit von 70 Milligramm pro Meile, also etwa 1,6 Kilometern vor. Daran wollte VW sich offenbar aber nicht halten und nutzte mithilfe der Manipulations-Software die Möglichkeit, die Grenzwerte zu reißen, bei den Tests aber trotzdem zu bestehen.

Die EPA

  • Environmental Protection Agency

    Die Environmental Protection Agency, kurz EPA, ist so ziemlich die letzte US-Aufsicht, mit der Unternehmen sich anlegen wollen. Die 1970 als unabhängige Umweltschutzbehörde der US-Regierung gegründete Institution gilt als knallharter Regulierer. Politiker - vor allem aus dem Lager der Republikaner - kritisieren die weitreichenden Kompetenzen der EPA immer wieder und sehen die große Macht der Aufseher als Gefahr für die Wirtschaft. Die EPA verteidigt Umweltschutzgesetze wie etwa den „Clean Water Act“ oder den „Clean Air Act“ - gegen den der deutsche Autobauer Volkswagen verstoßen haben soll - teils auch mit drastischen Mitteln wie Milliardenstrafen und strafrechtlicher Verfolgung.

Der Betrug durch Volkswagen flog auf, weil die US-Umweltbehörde dort neben den klassischen Tests auf dem Rollenprüfstand auch Untersuchungen im Realverkehr machte – die Fahrzeuge also während den Tests ganz normal auf den Highways unterwegs waren. Weil die Täuschungssoftware in dieser Situation nicht startete, um die Ergebnisse zu verfälschen, zeigten sich die realen Stickoxid-Werte und damit der extreme Unterschied zu den Prüfstandmessungen.

Die ausführlicheren Tests der Volkswagen-Modelle waren auf Betreiben der kalifornischen Luftschutzbehörde CARB (California Air Resources Board) und der EPA veranlasst worden - fernab der in Europa üblichen Rollprüfstände. Wohl nur dadurch konnten die Manipulationen aufgedeckt und öffentlich gemacht werden, wie sie in einem ausführlichen Schreiben an Volkswagen USA erläutern.

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