Wikipedia & Co.: Welchen Netzmarken die Generation 50+ vertraut

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Wikipedia & Co.: Welchen Netzmarken die Generation 50+ vertraut

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Wikipedia ist bei der Generation über50 die beliebteste Marke im Internet.

von Kerstin Dämon

Wikipedia-Gründer Jimmy Wales war als Redner auf der Cebit 2014. Groß Werbung machen musste er für sein Onlinelexikon eigentlich nicht. Besonders die Generation über 50 schwört auf Wikipedia.

Vor 13 Jahren hat ein Mann mit einer Idee die Welt verändert. Zumindest aber das Internet. 2001 hob Jimmy Wales Wikipedia aus der Taufe, dass das gesammelte Wissen der Netzgemeinde allen zugängig macht. Heute gibt es in der Online-Enzyklopädie Wikipedia rund 13 Millionen Artikel in 285 Sprachen - ein Großteil davon verteilt sich auf neun Sprachen. Wie groß die Datenbasis des Lexikons genau ist, weiß niemand so recht. Wales rechnet mit einigen Terabyte. Seine derzeitige Mission: die Vielfalt der Themen und der freiwilligen Autoren zu stärken. "Die Zahl unserer freiwilligen Redakteure ist über die Jahre stabil geblieben, wir haben etwa 85.000 pro Monat", sagte er. Und weiter: "Ich denke, das ist momentan genug. Klar: Je mehr wir haben, um so schneller können wir das Material aktualisieren."

In schnelllebigen Internetjahren ist Wikipedia mit seinen 13 Jahren ein Dinosaurier. Trotzdem gehört die Online-Enzyklopädie nicht zum alten Eisen, denn nie war das Teilen von Informationen und Wissen ein so großes Thema wie heute. Laut Gründer Wales hat das Portal weltweit 532 Millionen Nutzer im Monat.

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Laut einer Forsa-Umfrage unter 1008 deutschen Internetnutzern ab 14 Jahren kennen 93 Prozent das Internetlexikon. 53 Prozent bezeichnen sich als gelegentlichen Nutzer, für 42 Prozent ist Wikipedia der erste Anlaufpunkt für Recherchen im Netz. Und die Zahl der mobilen Zugriffe steigt. Allein im Januar besuchten 6,09 Millionen Menschen die mobile Seite von Wikipedia. Nach Google (14,36 Millionen) und Facebook (10,44 Millionen) ist Wikipedia damit die am dritthäufigsten mit dem Smartphone oder Tablet aufgerufene Seite. Auch international wachsen die mobilen Zugriffe: "Wir beobachten in Afrika eine unglaubliche Beschleunigung beim Internet-Zugang per Handy - das entwickelt sich schneller, als so mancher hier ahnt", sagt Wales. Leider mache der kleine Handy-Bildschirm das Schreiben schwierig. "Aber wenn es mehr Leser gibt, dann gibt es auch mehr Freiwillige, die etwa in Zulu schreiben."

Die Deutschen im Internet

  • DSL

    2013: 41,3 Prozent

    2012: 42,2 Prozent

    Quelle: Initiative D21

  • Kabelanschluss

    2013: 9,6 Prozent

    2012: 8,5 Prozent

  • ISDN

    2013: 7,1 Prozent

    2012: 7,5 Prozent

  • Mobilfunkzugang

    2013: 6,2 Prozent

    2012: 5,1 Prozent

  • Modem (analog)

    2013: 3,7 Prozent

    2012: 3,2 Prozent

  • Sonstiges

    2013: 1,5 Prozent

    2012: 1,5 Prozent

  • Anderer breitbandiger Zugang

    2013: 1,2 Prozent

    2012: 1,2 Prozent

  • Kein Internet zu Hause

    2013: 0,8 Prozent

    2012: 1,0 Prozent

Derzeit gehört wikipedia.org zu den zehn am häufigsten frequentierten Internetseiten der Welt. Im September 2013 war die Seite weltweit auf Platz sechs, in Deutschland belegte Wikipedia zu diesem Zeitpunkt Platz sieben. Und das aus gutem Grund, wie Holger Geißler vom Marktforschungsinstitut YouGov sagt: "Es gibt eigentlich keine Alternative zu Wikipedia. Man kann höchstens Menschen fragen oder doch den guten alten Brockhaus zur Hand nehmen." Wales dagegen sieht die Konkurrenzlosigkeit darin begründet, dass Wikipedia im Grunde ein schlechtes Geschäft sei: "Wir leben von Spenden, wir geben alles umsonst ab - also sind wir nicht unbedingt ein lukratives Geschäftsmodell."

Und dennoch ist es eines der erfolgreichsten Projekte im Internet, die "Zeit" bezeichnet das Lexikon einmal als "das größte Werk der Menschen". Noch vor zehn Jahren sah es mit Akzeptanz des Onlinelexikons dagegen ganz anders aus: An Universitäten und in Schulen wurde das Portal verteufelt, die Artikel als unseriös und nichtwissenschaftlich bezeichnet. 2014 ist diese Anschauung überholt, wie Geißler sagt: "Auch die Reputation wird sehr gut bewertet."

Mittlerweile nutzen 73 Prozent der männlichen Internetnutzer die Online-Enzyklopädie Wikipedia zumindest gelegentlich. Bei den Frauen sind es 75 Prozent. Das ist das Ergebnis einer Online-Studie von ARD und ZDF. Am häufigsten besuchen demnach die 14- bis 19-Jährigen mit 95 Prozent die Plattform. Danach folgen die 20- bis 29-Jährigen mit 93 und die 30- bis 39-Jährigen mit 81 Prozent. Unter den 40- bis 49-Jährigen sind 77 Prozent Wikipedianutzer, bei den 50- bis 59-Jährigen sind es 61 Prozent und bei den 60- bis 69-Jährigen 47 Prozent. Außerdem nutzen 32 Prozent der über 70-Jährigen Wikipedia zumindest gelegentlich. Das zeigt auch die Beliebtheit der Marke. Bei der Gruppe der über 50-Jährigen in Deutschland ist Wikipedia laut dem Markenranking YouGov BrandIndex Top Performer 2013 die beliebteste Marke im Netz. Die Unterschiede zwischen den Altersklassen (unter 30, 30 bis 50, 50 und älter) sind zwar nicht gravierend, aber auch nicht marginal. Auch "in den USA finden die Ältesten Wikipedia am besten", wie Geißler sagt.

All: IndexYoung: IndexMiddle: IndexOld: Index∆Index: Middle vs. Old∆Index: Young vs. Old
Wikipedia52,044,852,555,67,710,8
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