Gesunde Lebensmittel sind teurer: Milliardenkosten durch Übergewicht

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Gesunde Lebensmittel sind teurer: Gute Ernährung ist eine Frage des Geldes

Milliardenkosten durch Übergewicht

Auch in Deutschland gab es eine viel beachtete Studie zum Thema: Das Forschungsinstitut für Kinderernährung veröffentlichte 2007 eine umfangreiche Untersuchung. Diese kam zu dem Schluss, dass das Arbeitslosengeld II nicht ausreicht um Kinder und Jugendliche ausgewogen und gesund zu ernähren - selbst, wenn nur beim Discounter eingekauft wird.

Die tatsächlichen Kosten bezifferten die Experten je nach Alter des Kindes auf bis zu 45 Prozent höher, als die Regelleistung es vorsieht. Die Studienautoren warnten vor den volkswirtschaftlichen Kosten durch Übergewicht - und daraus resultierenden chronischen Erkrankungen. Die sogenannte KIGGS-Studie zur Gesundheit von Kindern und Jugendlichen in Deutschland zeigt, dass bereits sechs Prozent aller deutschen Kinder und Jugendlichen fettleibig sind, in niedrigen sozialen Schichten ist der Anteil fast doppelt so hoch. Im Erwachsenenalter gelten zwei Drittel der Männer und die Hälfte der Frauen als übergewichtig oder fettleibig.

In Deutschland stiegen die Gesundheitsausgaben laut Statistischem Bundesamt im vergangenen Jahr auf mehr als 300 Milliarden Euro. Und laut Schätzungen des Bundesministeriums für Bildung und Forschung wird etwa ein Drittel dieser Kosten durch Krankheiten verursacht, die direkt oder indirekt mit der Ernährung zusammenhängen. In den USA werden die Kosten, die allein durch Diabetes und Herz-Kreislauf-Erkrankungen verursacht werden, sogar auf 700 Milliarden Dollar geschätzt - pro Jahr.

Kritik an Agrar-Subventionen

Die britischen Wissenschaftler sehen die Politik in der Pflicht. Sie verweisen auf Studien, die die Agrarpolitik der EU untersuchen. Diese belegen, dass die Preisunterschiede zwischen ungesunden und gesunden Lebensmitteln durch die Subventionen für bestimmte Agrarprodukte beeinflusst werden. Die Subventionen für Zucker, Öl oder Milch bergen laut den Autoren somit das Potenzial, die öffentliche Gesundheit durch die Senkung der Preise für süße und fettige Lebensmittel zu beeinträchtigen.

Auch, wenn die Nahrungsmittelausgaben der Deutschen im Durchschnitt nur ein Zehntel der Konsumausgaben ausmachen, sind sich Forscher international einig: Die massiven Preisunterschiede zwischen billigen Snacks und teurem Obst und Gemüse stellen eine erhebliche Hürde für eine gesunde Ernährungsweise dar. Wer will schon einen Haufen Geld für Bananen, Paprika und Brokkoli ausgeben, wenn süße Schokoriegel verlockend günstig zu haben sind... Präventionsprogramme, Beratung und das Wissen, welche Nahrung gesund und welche ungesund ist, stoßen hier an ihre Grenzen.

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Wolle man eine langfristige Verbesserung der Ernährungsgewohnheiten erreichen, dürften die Preisunterschiede nicht länger ignoriert werden, fordert Cambridge-Wissenschaftler und Mitautor Pablo Monsivais. Gezielte Subventionen gesunder Lebensmittel könnten zudem eine bessere Ernährungsweise bei Menschen mit niedrigem Einkommen fördern.

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