Oliver Brüstle: "Therapeutisches Klonen hat keine klar ersichtlichen Vorteile"

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InterviewOliver Brüstle: "Therapeutisches Klonen hat keine klar ersichtlichen Vorteile"

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Der deutsche Stammzellforscher Oliver Brüstle ist sich sicher, dass das Klonen von Stammzellen der Medizin nichts bringt. Längst gibt es bessere Stammzell-Methoden.

von Susanne Kutter

Erstmals ist es Forschern gelungen, menschliche Zellen zu klonen - bringen wird es der Medizin jedoch nichts. Stammzellforscher Oliver Brüstle ist davon überzeugt, dass der Durchbruch zu spät kommt.

WirtschaftsWoche: Warum war es so schwierig, Menschen zu klonen? Die Technik des Zelltransfers, die bei Dolly klappte, ist ja schließlich schon 17 Jahre alt.

Oliver Brüstle: Warum das beim Menschen so schwierig ist, kann niemand genau sagen. Doch die Forscher sind in dieser Studie eben genau dieser Frage nachgegangen, woran die bisherigen Versuche mit menschlichen Zellen scheiterten. Sie stellten fest, dass einer der Schlüsselpunkte die vorzeitige Aktivierung der Eizellen war. Die musste unterbunden werden. Dazu gibt es verschiedene Möglichkeiten.
Mit Kaffee klappte es?

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Ja, offensichtlich waren die Zugabe von Koffein und andere Neuerungen wie der Einsatz eines Virus für die Zellfusion in er Lage, den Reprogrammierungsprozess so zu optimieren, dass aus den geklonten Zellen Stammzelllinien entwickelt werden konnten.

Medizin Forscher klonen erstmals menschliche Stammzellen

Es könnte der lang ersehnte Durchbruch sein: Forscher haben erstmals menschliche embryonale Stammzellen produziert - mit Klontechnik. Mediziner erhoffen sich davon langfristig neue Therapiemöglichkeiten.

Der Zellkern einer Hautzelle wird in eine entkernte Spender-Eizelle eingebracht. Quelle: dpa

Als der südkoreanische Klonforscher Hwang Woo-suk seine – frei erfundenen – Ergebnisse von angeblich geklonten menschlichen embryonalen Stammzellen 2004 und 2005 im renommierten Wissenschaftsjournal „Science“ veröffentlichte, hegte niemand Zweifel. Halten Sie die Befunde diesmal für echt?

Nach allem, was man bisher sagen kann, ja. Mir ist zumindest beim Lesen der Studie nichts aufgefallen, was rote Warnlampen aufleuchten lassen würde. Was mich allerdings ein wenig irritiert hat ist die kurze Zeit, die zwischen dem Einreichen der Arbeit und ihrer Annahme durch die die Zeitschrift „Cell“ lag. Das waren nur wenige Tage. Normalerweise dauert solch ein Prozess, in dem andere, renommierte Forscher im Auftrag der Zeitschrift die Arbeit begutachten und auf mögliche Unstimmigkeiten hin prüfen, mehrere Wochen. Aber ich gehe davon aus, dass ein angesehenes Fachblatt wie „Cell“ gerade nach der Vorgeschichte mit Herrn Hwang hier sorgfältig geprüft hat.

Sind die Forscher denn bekannt?
Es sind Kollegen, die bereits in der Vergangenheit durch Publikationen in hochrangigen Journalen aufgefallen sind – also kein Team, das unbekannt ist.

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