Recycling: General Motors verdient eine Milliarde Dollar

Recycling: General Motors verdient eine Milliarde Dollar

von Felix Ehrenfried

General Motors ist der "Recyclingkönig" unter den Autobauern. Die Amerikaner zeigen, wie Umweltschutz sich auch für die Bilanz auszahlt.

„Unser Ausschuss ist der Rohstoff für jemand anders.“ So beschreibt der General Motors (GM) Manager John Bradburn das Recyclingkonzept seines Arbeitgebers. Das klingt gut, ökologisch richtig und vor allem: lukrativ. Denn der Autokonzern mit Sitz in Detroit (USA) recycelt sicherlich nicht nur, um das schlechte Gewissen zu beruhigen und für gute PR zu sorgen. Wenn unter dem Strich nicht wenigstens eine Null steht, greifen wenige Unternehmen zu Recyclingmaßnahmen.

Doch das Beispiel GM zeigt, dass Wiederverwertung positive Effekte für alle haben kann. Der Verursacher des Abfalls erhält Geld für seine unbrauchbaren Reststoffe, daneben macht es sich auch aus PR-Sicht gut, den Müll zu reduzieren. Der Recycler wiederum erhält die benötigten Materialien zu oftmals günstigen Preisen. Dass die Umwelt bei solch einem Tausch geschont wird, ist klar.

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Die Gewinne für den Autobauer GM sind enorm. Rund eine Milliarde Dollar (773 Millionen Euro) generierte das Unternehmen im vergangenen Jahr durch seine Recyclingmaßnahmen. Und das, obwohl die Integration eines solchen Wiederverwertungsprozesses nicht kostenlos ist. Fachleute zur „Abfallverwaltung“ müssen eingestellt werden, Recyclingpartner gefunden und neue Maschinen zur Wiederverwertung angeschafft werden. Doch anscheinend lohnt sich das Ganze trotzdem. Doch wie generiert der Autobauer, zu dem auch die deutsche Marke Opel gehört, diesen immensen Gewinn aus Abfall? Hier ein paar Beispiele:

  • Das Ausstanzen von Autotüren erzeugt enormen Ausschuss, beispielsweise entsteht viel nutzloses Blech durch das Fensterloch, das weggestanzt wird. Andere Unternehmen verkaufen das Blech an Metallhändler, die lassen es einschmelzen und zu neuen Blechen formen. Das ist zwar auch Recycling, jedoch ist dieser Weg sehr energie-und zeitintensiv, außerdem erhält der Abfallproduzent nur einen geringen Preis für sein Metall. GM geht einen anderen Weg und verkauft das Blech direkt an andere Unternehmen, die daraus kleinere Teile für beispielsweise Klimaanlagen ausstanzen. Das spart Zeit, Ressourcen und beide Unternehmen profitieren von den guten Preisen.
  • Transportkartons, die beim Autoriesen GM tonnenweise anfallen, werden nicht verbrannt oder entsorgt. Die Kartons werden geschreddert und anschließend als Dämmmaterial für Autos verwendet.
  • Ölrückstände von der Lackiererei werden in Plastikstoffe umgewandelt und zu Transportbehältern geformt, in denen GM seine Komponenten versendet.
  • Das Dämmmaterial von Fahrzeugen, die verschrottet werden sollen, wird als Wärmedämmung für Jacken verwendet, die an Obdachlose in Detroit ausgegeben werden.

Autobatterien werden zu Häusern für FledermäuseSpeziell an dem letzten Beispiel erkennt man, dass GM nicht nur versucht, eigene Abfälle im Haus wieder zu verwenden. Denn manche Materialien sind trotz aller Bemühungen für einen Autobauer nicht mehr nutzbar. So wurden auch 250 ausrangierte Transportkisten mit Erde gefüllt und dienen nun als transportable „Minigärten“ für einige Bewohner Detroits. Ähnliches passierte mit den Hüllen alter Autobatterien, die heute an Bäumen hängen und Eulen oder Fledermäuse beherbergen.

Das Beispiel GM zeigt, dass Recycling für ein Unternehmen mehr als gute PR sein kann. So ist es auch wenig erstaunlich, dass der Autokonzern sein Recyclingprojekt weiter ausbauen will. 2011 konnte das Unternehmen 2,5 Millionen Kubikmeter Müll für andere Zwecke weiterverwenden. Das entspricht 90 Prozent der weltweiten Abfälle des Konzerns. Damit ist das Unternehmen, der Nachhaltigkeitsberatung Two Tomorrows zufolge, unter Autobauern „Recyclingkönig“.

Diese Masse an recyceltem Abfall führt dazu, dass 104 Fabriken des Autobauers jetzt schon abfallfrei sind. Ein Blueprint, also eine Art Leitfaden, zeigt, wohin die Recyclingreise bei GM gehen soll. Bis 2020 will GM die Anzahl der abfallfreien Fabriken auf 125 ausbauen. Recycling profitiert, wie jedes andere Geschäft auch, von Erfahrungswerten. Als GM 2005 begann, kostete eine Tonne Abfallreduzierung oder Recycling das Unternehmen gut 10 Dollar. Mittlerweile liegen die Kosten dafür bei unter einem Dollar, was die Attraktivität von Recycling weiter erhöht.

Das Beispiel GM zeigt also, wie Recycling unternehmerisch viel Sinn machen kann. Der finanzielle Anreiz sollte Unternehmen weltweit in Zukunft zum Umdenken anregen.

 

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