Klimakiller: Kohle-Comeback macht Umweltschützern Sorgen

Klimakiller: Kohle-Comeback macht Umweltschützern Sorgen

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Indische Frauen suchen nach wiederverwertbaren Kohle-Stücken

China, Indien und die USA haben in den vergangenen Monaten wieder mehr Kohle gefördert. Sollte der Trend anhalten, könnte das den Klimazielen von Paris zusetzen.

Schlechtes Zeichen für die Klimaziele: Die drei größten Kohleverbraucher der Erde haben in diesem Jahr ihre Förderung des fossilen Brennstoffs hochgeschraubt. Und das, nachdem der Klimakiller in den vergangenen Jahren eigentlich schon auf Talfahrt war.

Der Aufstieg von erneuerbaren Energien und Chinas Kampf gegen den belastenden und gefährlichen Smog in seinen Städten machten die Kohle mit ihrer CO2-Last zunehmend unpopulär. Zuletzt meldete der britische Energieriese BP für 2016 den größten Rückgang in der weltweiten Kohleförderung in der Geschichte: ein Minus von 6,5 Prozent. Den Löwenanteil der Einsparungen leisteten den Angaben zufolge China und die USA. Doch neue Förderdaten, die der Nachrichtenagentur AP vorliegen, künden eine Kehrtwende an.

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In Indien, China und den USA wurden demnach in den ersten fünf Monaten dieses Jahres mindestens 121 Millionen Tonnen oder sechs Prozent mehr Kohle aus dem Boden geholt als im Vergleichszeitraum 2016. In Prozenten ist der Umschwung in den Vereinigten Staaten am dramatischsten: Dort stieg der Kohleabbau in den ersten fünf Monaten um 19 Prozent, wie aus Zahlen des US-Energieministeriums hervorgeht.

Das Pariser Klimaabkommen

  • Ziel

    Die Erderwärmung soll auf klar unter zwei Grad im Vergleich zur vorindustriellen Zeit begrenzt werden. Die Vertragsstaaten sollten sich aber anstrengen, sie bei 1,5 Grad zu stoppen.

  • Hintergrund

    US-Präsident Donald Trump hat den Ausstieg seines Landes aus dem Pariser Klimaabkommen angekündigt. Die Ende 2015 beschlossene Vereinbarung ist ein Meilenstein im Kampf gegen die Klimaerwärmung. Ein Überblick.

    Quelle:dpa

  • Wege zum Ziel

    Die Staaten wollen den Netto-Ausstoß ihrer Treibhausgase in der zweiten Hälfte des Jahrhunderts auf Null bringen. Sie dürfen dann nur noch so viele Treibhausgase ausstoßen, wie etwa mit Waldanpflanzungen aus der Atmosphäre gezogen wird. Dafür müsste die Verbrennung von Kohle, Öl und Gas von 2050 bis 2070 enden.

  • Geld für Klimaschutz und Anpassung

    Von 2020 bis 2025 sollen die Industriestaaten jährlich 100 Milliarden Dollar (ca. 90 Milliarden Euro) für Entwicklungsländer bereitstellen. Für die Jahre danach soll es ein neues, höheres Ziel geben.

  • Verluste und Schäden

    Die Vertragsstaaten erkennen die Notwendigkeit an, ärmeren Staaten bei Verlusten und Schäden durch den Klimawandel zu helfen. Es soll ein Versicherungssystem aufgebaut werden.

  • Verbindlichkeit

    Entscheidende Teile der Vereinbarung sind völkerrechtlich verbindlich. Es gibt jedoch keine Strafen bei Nichterfüllung der Zusagen.

  • USA

    Nach China sind die USA der zweitgrößte Klimasünder. Trump wendet sich von der Klimapolitik seines Vorgängers ab. Bereits im März hob er Vorschriften zum Klimaschutz auf. Er will den „Clean Power Plan“ zum Abbau der Treibhausgase bis 2030 um 32 Prozent gegenüber 2005 überarbeiten lassen.

Experten sind sich noch uneins, wie anhaltend dieser Trend sein wird. Bei den befürchteten negativen Folgen fürs Klima hingegen gibt es kaum Kontroversen. „Wenn man sich diese drei Länder anschaut, sind alle anderen eigentlich unbedeutend in diesem Schema“, sagt Tim Buckley vom Institut für Energiewirtschaft und Finanzanalyse (IEEFA) in Cleveland. Zusammen stellen die USA, China und Indien etwa zwei Drittel der weltweiten Kohleproduktion.

Und gemeinsam sind die drei Länder auch für fast die Hälfte des weltweiten Treibhausgasausstoßes verantwortlich. Anders als US-Präsident Donald Trump wollen Indien und China zwar am Pariser Abkommen von 2015 festhalten. Aber die jüngsten Zahlen dämpfen die Hoffnungen, dass China und Indien nun einer Vorreiterrolle gerecht werden könnten.

China hat zwar zugesichert, seine Treibhausgase bis 2030 zu kappen. Und von einigen Beobachtern wurde der Durchbruch sogar schon früher erwartet, hatte sich die Volksrepublik doch bereits zum Pionier für erneuerbare Energien entwickelt. Allerdings ist das Riesenland noch immer der größte Kohlekonsument und verbraucht nach Angaben des internationalen Wissenschaftsnetzwerks Global Carbon Project (GCP) etwa die Hälfte des weltweiten Angebots.

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Die chinesische Kohleproduktion stieg in den ersten fünf Monaten 2017 laut Regierungszahlen um vier Prozent - nachdem sie im gleichen Zeitraum des vergangenen Jahres um mehr als acht Prozent zurückgegangen war. Mitverantwortlich für den Umschwung ist eine Erholungsphase nach wirtschaftlichem Stocken 2015. Fabriken produzieren wieder mehr, Straßen und Brücken werden gebaut.

Trotz allem kann China sein Ziel bis 2030 erreichen, ist Energieanalyst Xizhou Zhou von IHS Markit in Peking überzeugt. Die optimistische Annahme, dass es schon früher geschafft werden könnte, hält er aber mit Blick auf die neuen Produktionszahlen für zweifelhaft. „Der Kohleverbrauch wird noch steigen, vor allem weil asiatische Länder ihn ankurbeln“, erklärt Zhou. Bis in die Mitte der 2020er Jahre werde der Anstieg anhalten, meint er. Dann werde es ein globales „Kohle-Plateau“ geben.

In Indien kommen derzeit 70 Prozent des Stroms aus Kohlekraftwerken. Entgegen dem globalen Trend wuchs hier auch schon in den vergangenen Jahren die Kohleförderung. Das Land argumentiert, es habe das Recht und die Pflicht, für mehr Elektrizität zu sorgen, um den bisher vom Strom abgeschnittenen zig Millionen Indern Zugang zu bieten. Wie aus Daten des für Kohlabbau zuständigen Ministeriums hervorgeht, stieg die Förderung der staatlichen Bergwerke in den ersten fünf Monaten dieses Jahres um vier Prozent. In ihren Händen liegt der überwältigende Anteil der indischen Kohleförderung.

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Zugleich hat die indische Regierung aber verkündet, keine neuen Kohlekraftwerke mehr zu brauchen. Sie hat Anreize für erneuerbare Energien ausgelobt und erklärt, bei steigendem Verbrauch erst einmal die Erträge aus Solaranlagen auszunutzen.

In den USA wurde ein Anstieg vor allem in Staaten wie Wyoming, Pennsylvania und West Virginia verzeichnet. Experten sehen aber weniger Trumps Kohle-freundliche Politik dahinter als wirtschaftliche Logik: Der Preis für Erdgas sei Anfang 2017 nach oben geschnellt, was der Kohle Aufschwung verliehen habe, sagt Andy Roberts vom Beratungsunternehmen Wood Mackenzie. Daher werde auch kein dauerhafter Kohle-Boom erwartet. Und Unternehmen, die schon stark in alternative Energien investiert hätten, würden sich wohl auch kaum vom Kurs abbringen lassen, meint Roberts.

IEEFA-Energieexperte Buckley sieht das ähnlich. Er gehe davon aus, dass sich die Zunahmen in diesem Jahr als Ausnahme erwiesen, sagt er. Dennoch sei die Kohle aktuell noch lange kein Auslaufmodell. „Wir sprechen nicht über das Ende der Kohle morgen oder das Ende der Kohle im nächsten Jahrzehnt“, betont Buckley. „Wir sprechen von einem 40 Jahre währenden Übergang.“

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