Frage der Woche: Sind Äpfel aus Neuseeland Klimakiller?

Frage der Woche: Sind Äpfel aus Neuseeland Klimakiller?

von Felix Ehrenfried

Sind regionale Äpfel automatisch besser für das Klima als Produkte vom anderen Ende der Welt? Das Ergebnis ist verblüffend.

In unserer Rubrik „Frage der Woche“ gehen wir regelmäßig einer spannenden Frage nach. Heute geht es um die Frage, ob Äpfel aus Übersee schädlich für das Klima sind und man lieber auf heimische Produkte zurückgreifen sollte. Haben Sie auch eine Frage? Dann schreiben Sie uns an die Adresse green@wiwo.de.

Das Lieblingsobst der Deutschen ist unangefochten der Apfel. Rund 30 Kilogramm verspeist jeder im Jahr, aus knapp 20 Sorten können sie im gut sortierten Supermarkt auswählen. Doch nicht nur im Verzehr, auch in der Produktion ist der Apfel der Liebling der Deutschen. Rund 80 Prozent des hierzulande angebauten Obstes sind Äpfel, heißt es beim Deutschen Fruchthandelsverband.

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Doch obwohl der Apfel bei deutschen Obstbauern ganz vorn auf der Liste steht, ist das Angebot international geworden. Ob  Pink Lady aus Neuseeland oder Royal-Gala aus Südafrika: Äpfel kommen mittlerweile aus allen Ecken der Welt. Aber das schadet dem Klima - oder?

Das hat sich auch Michael Blanke, Agrarwissenschaftler an der Universität Bonn gefragt. Er reiste um die Welt, untersuchte die Lieferkette von Äpfeln aus der ganzen Welt, die Lagerungsverhältnisse deutscher Äpfel und verglich die Klimabilanz, also den Schadstoffausstoß der beiden "Konkurrenten". Das Ergebnis dürfte viele verblüffen. "Ein Apfel aus Deutschland ist nicht per se klimafreundlicher als ein Apfel aus Chile oder Neuseeland", erklärte Blanke im Handelsblatt.

Doch beginnen wir am Anfang der Herstellungsprozesses von Äpfeln.

Die Erntezeit für Äpfel liegt im Deutschland im Spätsommer, zwischen August und November fahren die meisten Obstbauern ihren Ertrag ein. Wer zu dieser Zeit Äpfel kauft, sollte klar zu den heimischen Produkten greifen. Sozusagen direkt vom Baum in den Supermarkt ohne lange Lieferketten, das ist selbstverständlich klimafreundlicher als einen Apfel vom anderen Ende der Welt herzuschiffen.

Deutsche Äpfel - Im Frühjahr aus KühlhäusernAnders sieht es im Frühjahr aus. Da kommen die deutschen Äpfel aus Kühlhäusern, sind also nicht mehr taufrisch und haben indirekt Energie durch ihre Lagerung verbraucht. Anders der Apfel aus Neuseeland. Dort ist im Frühjahr Erntezeit. Anschließend wird das Obst per Schiff nach Europa gebracht und landet wenige Wochen später im Supermarkt neben den heimischen Produkten aus dem Kühlhaus. Die Äpfel aus Neuseeland reisten mehr als 20 000 Kilometer auf dem Containerschiff nach Deutschland.

Diese Reise ist, auf den einzelnen Apfel hinuntergerechnet, überraschend wenig schädlich für das Klima.Im Schnitt erzeugt der Transport von einem Kilogramm Obst aus Übersee per Schiff nach Deutschland 570 Gramm CO2. Ein Transport innerhalb Deutschlands schlägt mit 230 Gramm zu Buche. Damit liegt sie Belastung durch den Transport von Überseeäpfel zwar mehr als doppelt so hoch wie bei heimischen Produkten, jedoch entfällt die lange Lagerung im Kühlhaus.

Was hinzukommt: Die Ausbeute ist bei neuseeländischen Äpfelbäumen aufgrund des Klimas höher als bei Bäumen die am Bodensee oder in der Uckermark stehen. In Neuseeland tragen die Bäume mehr Früchte. Daher benötigt die Herstellung von einem Kilogramm Äpfel dort 2,1 Megaujoule Energie, in Deutschland werden für die gleiche Menge 2,8 Megajoule benötigt.

Pluspunkt für Äpfel aus Neuseeland in Sachen Ausbeute und Emissionen durch LagerungVergleicht man am Ende den Energiebedarf der beiden Äpfel, liegt das neuseeländische Produkt rund 30 Prozent über dem lokalen Apfel. Punktabzug gibt es bei dem Überseeprodukt für den langen Transportweg, positiv hingegen ist die geringere Emission in der Produktion und der Wegfall einer langen Kühlung.

Auch wenn am Ende die 30 Prozent Mehrbelastung nach viel klingt,  ist sie weit geringer als man denkt. Rund 1,5 Kilometer Autofahren entspricht in etwa der Umweltbelastung, um die der Apfel aus Neuseeland in Sachen Schädlichkeit über dem deutschen Konkurrenten liegt.

Diese Erkenntnis wirft ein ganz anderes Licht auf den Obsteinkauf. Um möglichst ökologisch einzukaufen spielt weniger das Herkunftsland als die Jahreszeit und das Verkehrsmittel zum Supermarkt eine Rolle.

Dann sollte die Maxime heißen: Immer das einkaufen, was aktuell geerntet wird. Im Sommer Erdbeeren, im Herbst Äpfel. Sollte einem dann dennoch im Frühjahr nach Äpfeln sein, kann man auch zu den Produkten aus Übersee greifen. Die sind frischer als Äpfel aus Deutschland und in der Klimaschädlichkeit nur minimal höher. Um das auszugleichen sollten Sie dann lieber mit dem Fahrrad statt dem Auto zum Supermarkt kommen, so hat man diesen Schaden schnell wieder ausgeglichen.

Was allerdings ein absolutes No-Go in Sachen Klimaschutz bleibt sind Früchte, die statt per Containerschiff mit dem Flieger nach Deutschland kommen. Dazu zählen beispielsweise Ananas oder Mangos. Die Umweltbelastung, die durch den Flugtransport dieser Früchte entsteht ist derart hoch, dass auch versierte Radler sehr lange treten müssen.

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