Geoengineering: US-Physiker will Klimawandel mit CO2-Pumpen aufhalten

Geoengineering: US-Physiker will Klimawandel mit CO2-Pumpen aufhalten

von Jürgen Klöckner

Wohin mit dem CO2, das die Menschheit täglich in die Atmosphäre pustet? Ein US-Forscher will es im Meer versenken.

Ein kleiner, aber entschlossener Kreis von Wissenschaftlern hält die Klimafrage für so aussichtslos, dass er die Erde umprogrammieren will. Sie verfechten das Forschungsfeld Geoengineering, frei übersetzt arbeiten sie also als Planeten-Ingenieure. Sie suchen Wege, unser Ökosystem so umzubauen, dass es die steigenden CO2-Emissionen durch den Menschen doch noch überstehen kann.

Planeten-Ingenieure halten ihre Vorschläge für die vielleicht letzte Rettung vor einem verheerenden Klimawandel, viele Experten aber bezeichnen sie als gefährlichen Blödsinn - nicht, weil sie nicht umsetzbar wären. Vielmehr sind die Folgen der Eingriffe in die natürlichen Kreisläufe schwer vorherzusehen. Dennoch hat das renommierte Massachusetts Institute of Technologie (MIT) nun eine dieser Ideen für einen Innovationspreis für Klimaschutz-Technologien nominiert.

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Der Biophysiker William Calvin von der University of Washington will CO2 im Meer versenken. Innerhalb von 20 Jahren soll so jede vom Menschen verursachte Emission aus der Atmosphäre verschwinden. Insgesamt 600 Gigatonnen Kohlenstoff (GtC) sollen das sein - also 350 GtC, die die Menschheit seit 1750 in die Atmosphäre gepustet hat und 250 weitere, die in diesem Zeitraum produziert werden.

Calvin hat dafür eine sogenannte Push-Pull Pumpe entwickelt. Damit will er Nährstoffe vom Ozeangrund an die Meeresoberfläche bringen, was die Planktonproduktion anregen soll. Algen speichern ähnlich wie Pflanzen an der Erdoberfläche CO2, vermehren sich aber explosionsartig.

Billiglösung für das Klimaproblem?Es gibt aber ein Problem: Ein Großteil zersetzt sich schon, bevor sie wieder zum Meeresgrund absinken. Dann wird das gespeicherte Kohlenstoffdioxid wieder freigesetzt, der Speicher-Effekt wäre verpufft. Bevor das passieren kann, soll die Pumpe die CO2-Suppe wieder 150 bis 200 Meter unter die Meeresoberfläche befördern.

Um das überschüssige CO2 auf natürliche Weise aus der Atmosphäre zu filtern, müsste man 70 Prozent der Erdoberfläche mit Algen pflastern. Die Ozeanlösung erfordere allerdings nur etwa ein Prozent der Meeresoberfläche, also in etwa die Größe der Karibik, glaubt Calvin. Außerdem sollen die Pumpen recht günstig sein: Nur einige tausend Dollar kosten sie laut Calvin pro Stück.

Würde man einige Millionen von ihnen auf der Welt installieren würde das immer noch nicht mehr kosten als US-Amerikaner alleine in einem Monat für Hundefutter ausgeben. Die Wartungskosten beziffert er allerdings nicht.

Straffer ZeitplanGinge es nach Calvin, wären in vier Jahren bereits alle Pumpen an den Küsten dieser Welt aufgestellt. Da sich Algen aber nur in kaltem Wasser richtig wohl fühlen, kommen die Tropen und Subtropen dafür nicht in Frage - dafür allerdings viele Küstenregionen industrialisierter Länder in der EU oder den USA. Vorher will Calvin die Technik allerdings auf verlassenen Ölplattformen in der Nordsee und im Golf von Mexiko testen. Zehn Jahre danach will er schon die Hälfte des 600 GtC-Ziels erreicht haben.

Würde Calvins Idee tatsächlich funktionieren, entkäme der Planet vermutlich dem Klimawandel, außerdem könnte die Menschheit munter weiter CO2 in die Atmosphäre pusten und hemmungslos Öl und Kohle verbrennen. Völlig ungeklärt sind allerdings die Folgen für das Ökosystem von Calvins Idee.

Geoengineering oder nicht? Viel Zeit hat die Menschheit nicht mehr, um sich über diese Frage Gedanken zu machen. Wenn sich die Weltgemeinschaft dagegen entscheidet, kommt sie aber um einen engagierteren Klimaschutz nicht herum.

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