Nahrungsmittel: App soll Transparenz im Supermarkt schaffen

Nahrungsmittel: App soll Transparenz im Supermarkt schaffen

von Lara Sogorski

Erst der Pferdefleischskandal, jetzt falsch etikettierte Bio-Eier: Eine neue App soll die Herkunft von Nahrungsmitteln offenlegen.

Pferdefleisch in Lasagne, Ehec-Keime auf rohem Gemüse, falschetikettierte Bio-Eier – immer wieder kommen solche Skandale bei Lebensmitteln ans Licht. Viele Verbraucher wünschen sich in solchen Zeiten besonders, im Supermarkt besser über Herkunft und Herstellung der Produkte informiert zu werden. Auch wenn auf der Verpackung beispielsweise ein Bio-Siegel prangt, haben sie gelernt: Wo bio drauf steht, muss nicht immer bio drin sein. Die unterschiedlichen Siegel verwirren zudem.

Die gute Nachricht ist: Rein technisch ist es heute kein Problem, die Herkunft von einem Stück Fleisch, Obst oder Gemüse vom Landwirt bis zur Supermarktkasse genau zu bestimmen, und diese Information auch für den Verbraucher abrufbar zu machen. Zum Beispiel über einen Barcode, der mithilfe einer App und einem Smartphone ausgelesen werden kann. Möglich ist, die Produktionskette eines Steaks bis zum Futtersack zurückzuverfolgen, den das Rind am Tag X zu fressen bekommen hat.

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Natürlich gibt es an der Sache den ein oder anderen Haken. Keine solche Technik kann einen Lebensmittelskandal verhindern. Wenn jemand die Kennzeichnung von Waren absichtlich fälscht, helfe auch eine Rückverfolgung nicht mehr, sagt Björn Anderseck, Leiter der AutoID-Technologien am Fraunhofer-Institut für Materialfluss und Logistik in Dortmund. Kann der Verbraucher Herstellern und Händlern aber besser auf die Finger schauen, haben diese immerhin einen Anreiz noch genauer auf ihre Qualität zu achten.

QR-Code soll zum Standard werdenDiesen Gedanken verfolgt auch der fTrace Code. Dabei handelt es sich um einen QR-Code – der aussieht wie das Schneerauschen bei Fernsehern – der bereits auf verschiedenen Produkten im Einzelhandel abgedruckt ist, und Auskunft darüber geben soll, woher eine Ware stammt, wann und wie sie verarbeitet wurde und wie die Qualität überwacht wird. Dahinter steht die Organisation GS1 Germany, ein internationaler Dienstleister für Identifikations-, Kommunikations- und Prozessstandards. Bekannt ist die Organisation vor allem als Vergabesteller der schwarzen Strichcodes GTIN, früher EAN-Code genannt.

Der fTrace Code kann entweder mittels Smartphone und passender App, oder über eine Zahlenfolge im Internet ausgelesen werden. Auf der dazugehörigen Internetseite findet sich dann eine Datenbank mit allen Informationen, die ein Hersteller zu seinem Produkt gemacht hat. Diese Angaben fallen allerdings je nach Produzent unterschiedlich detailliert aus. Zwar gibt es eine standardisierte Eingabemaske, doch die Angaben sind freiwillig und eigenverantwortlich zu machen. So kommt es aber auch vor, das manche sogar kleine Videos von ihren Ställen anbieten.

Derzeit sind es immerhin schon 20 Hersteller, die ihre Produkte mit dem Code kennzeichnen. Das Problem: Es sind fast ausschließlich Fleischproduzenten- und Händler wie Wiesenhof, Tönnies und Bauernglück – sie alle stehen nicht unbedingt für besonders artgerechte Tierhaltung. Diese Großproduzenten werden auch Futterzusätze wie Antibiotika kaum freiwillig transparent machen wollen. Außerdem haben sich bislang nur Aldi und Lidl bereit erklärt, die so gekennzeichneten Waren in ihr Sortiment aufzunehmen. Mit allen anderen Handelsketten ist GS1 Germany noch im Gespräch.

Das fTrace Code soll zu einem branchenweiten Standard in der Lebensmittelindustrie werden für Fleisch, Fisch, Obst und Gemüse. Noch steht das Projekt ganz am Anfang. Erst im vergangenen Jahr übernahm GS1 Germany fTrace von seinem Entwickler, dem Fleischproduzenten Tönnies aus Ostwestfalen. Der hatte den Verbraucherinformationsservice 2011 auf den Markt gebracht.

Dass das Interesse der Kunden an mehr Information da ist, zeigen zum einen die Scanraten des fTrace-Codes. Laut GS1 Germany haben sich diese seit dem Pferdefleisch-Skandal mehr als verdoppelt. Auch eine Umfrage der Organisation zur Wichtigkeit der Herkunftsangabe beim Kauf von Lebensmitteln zeigt, dass mehr als 80 Prozent der Befragten besonders bei Fleisch und Fisch darauf achtet - wenn die Hersteller nun auch noch dazu gebracht werden, wirklich valide Angaben zu machen, könnte der Code tatsächlich ein Gewinn für die Verbraucher werden.

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