Erneuerbare Energien: Strom vom Meer soll wettbewerbsfähig werden

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Erneuerbare Energien: Strom vom Meer soll wettbewerbsfähig werden

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Bei Offshore-Windparks gibt es viele Einsparungsmöglichkeiten

von Dieter Dürand

Neue Technik soll Windparks in Nord- und Ostsee endlich wettbewerbsfähig machen. Doch werden die Anlagen für die Energiewende überhaupt gebraucht? Eine Exklusivstudie deckt Risiken auf.

Mitte der Achtzigerjahre, als die DDR noch existierte, bauten auf der Volkswerft in Stralsund fast 8500 Menschen Fracht- und Containerschiffe wie am Fließband. Es war ein ständiges Hämmern und Kreischen. Heute würden sich die 57.000 Einwohner des Ostseestädtchens nahe der Insel Rügen über ein wenig Lärm freuen, aber meist ist es still. Gerade noch rund 100 Schiffbauer beschäftigt der aktuelle Eigentümer der einstigen Volkswerft, die Nordic Gruppe des russischen Investors Witali Jussufow.

Jetzt keimt Hoffnung. In einer angemieteten Halle auf dem weitläufigen Gelände der Werft schweißen Schlosser des Dresdner Ingenieurunternehmens Gicon seit Juni Stahlrohre mit mehreren Meter Durchmesser zusammen. Sie bauen den Prototyp eines völlig neuen, schwimmenden Fundaments. Auf ihm sollen sich bald Windräder weit höher als der Kölner Dom drehen. Draußen auf dem Meer – selbst dort, wo es 500 Meter tief ist.

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Die Konstruktion rammen die Arbeiter nicht wie heute üblich metertief in den Seeboden. Stattdessen versenken sie Betonklötze am Meeresgrund, befestigen an diesen Stahlseile, die das Fundament knapp unter der Wasseroberfläche in einer stabilen Position halten, unbeeindruckt von Wind und Wellen. Spätestens vom Juni nächsten Jahres an soll das Stahlungetüm, bestückt mit einer 2,3-Megawatt-Turbine, am Rande des Offshore-Windparks Baltic 1 in der deutschen Ostsee seine Tauglichkeit beweisen.

Strom vom Meer wird wettbewerbsfähig

Bewährt sich die Technik, könnte sie den maritimen Grünstrom von seinem größten Makel befreien: Er ist mit rund 14 Cent je Kilowattstunde (kWh) zum Teil mehr als doppelt so teuer wie an Land produzierter Windstrom. Das preiswerte Gicon-Fundament, das mit relativ wenig Material auskommt und sich günstig aufstellen lässt, würde die Erzeugungskosten laut Berechnung der Glücksburger Consulting Group (GLC) auf rund 9,5 Cent senken. Die Wettbewerbsfähigkeit der Meerelektrizität hätte sich mit einem Schlag um einen riesigen Satz verbessert.

Die 15 aussichtsreichsten Windparkprojekte vor Deutschlands Küsten

  • Dan Tysk

    Größe: 70 qkm
    Anzahl der Anlagen: 80
    Einzelleistung je Anlage: 3,6 MW
    Parkleistung: 288 MW

    Projektentwickler: Vattenfall
    Eigentümer: Vattenfall, Stadtwerke München
    Investoren: Vattenfall, Stadtwerke München

    Anzahl versorgter Haushalte: 400.000¹
    Investitionssumme: 1000 Mio. Euro
    Einnahmen nach 20 Jahren: 2.695 Mio. Euro²
    Voraussichtliche Inbetriebnahme: 2014

    ¹Angaben der Projektentwickler, zum Teil geschätzt; ²Aus Einspeisevergütung
    Stand: 15.09.2014
    Quelle: windresearch

  • Global Tech I

    Größe: 41 qkm
    Anzahl der Anlagen: 80
    Einzelleistung je Anlage: 5,0 MW
    Parkleistung: 400 MW

    Projektentwickler: Windreich (in Insolvenz)
    Eigentümer: Stadtwerke München, Heag, Axpo International, Exportes Offshore, Windreich, Norderland
    Investoren: Stadtwerke München, Heag, Axpo International, Exportes Offshore, Windreich, Norderland

    Anzahl versorgter Haushalte: 445000¹
    Investitionssumme: 1700 Mio. Euro
    Einnahmen nach 20 Jahren: 3744 Mio. Euro²
    Voraussichtliche Inbetriebnahme: 2014

    ¹Angaben der Projektentwickler, zum Teil geschätzt; ²Aus Einspeisevergütung

  • Meerwind Süd-Ost

    Größe: 40 qkm
    Anzahl der Anlagen: 80
    Einzelleistung je Anlage: 3,6 MW
    Parkleistung: 288 MW

    Projektentwickler: WindMW
    Eigentümer: Blackstone, Windland
    Investoren: Blackstone, Windland

    Anzahl versorgter Haushalte: 370.000¹
    Investitionssumme: 1200 Mio. Euro
    Einnahmen nach 20 Jahren: 2695 Mio. Euro²
    Voraussichtliche Inbetriebnahme: 2014

    ¹Angaben der Projektentwickler, zum Teil geschätzt; ²Aus Einspeisevergütung

  • Trianel Windpark Borkum (Phase I)

    Größe: 56 qkm
    Anzahl der Anlagen: 40
    Einzelleistung je Anlage: 5,0 MW
    Parkleistung: 200 MW

    Projektentwickler: Trianel
    Eigentümer: Trianel
    Investoren: Trianel, Europ. Investment Bank, NRW-Bank, Dexia Kommunalbank, UniCredit

    Anzahl versorgter Haushalte: 200.000¹
    Investitionssumme: 800 Mio. Euro
    Einnahmen nach 20 Jahren: 1872 Mio. Euro²
    Voraussichtliche Inbetriebnahme: 2014

    ¹Angaben der Projektentwickler, zum Teil geschätzt; ²Aus Einspeisevergütung

  • Amrumbank West

    Größe: 32 qkm
    Anzahl der Anlagen: 80
    Einzelleistung je Anlage: 3,6 MW
    Parkleistung: 288 MW

    Projektentwickler: E.On
    Eigentümer: E.On
    Investoren: E.On

    Anzahl versorgter Haushalte: 300.000¹
    Investitionssumme: 1000 Mio. Euro
    Einnahmen nach 20 Jahren: 2799 Mio. Euro²
    Voraussichtliche Inbetriebnahme: 2015

    ¹Angaben der Projektentwickler, zum Teil geschätzt; ²Aus Einspeisevergütung

  • EnBW Baltic 2

    Größe: 27 qkm
    Anzahl der Anlagen: 80
    Einzelleistung je Anlage: 3,6 MW
    Parkleistung: 288 MW

    Projektentwickler: EnBW
    Eigentümer: EnBW
    Investoren: EnBW

    Anzahl versorgter Haushalte: 340.000¹
    Investitionssumme: 1100 Mio. Euro
    Einnahmen nach 20 Jahren: 2675 Mio. Euro²
    Voraussichtliche Inbetriebnahme: 2015

    ¹Angaben der Projektentwickler, zum Teil geschätzt; ²Aus Einspeisevergütung

  • Borkum Riffgrund I

    Größe: 36 qkm
    Anzahl der Anlagen: 78
    Einzelleistung je Anlage: 4 MW
    Parkleistung: 312 MW

    Projektentwickler: PNE 2 Riff I
    Eigentümer: DONG Energy, Kirkbi, Oticon Stiftung
    Investoren: DONG Energy, Kirkbi, Oticon Stiftung

    Anzahl versorgter Haushalte: 320.000¹
    Investitionssumme: 1250 Mio. Euro
    Einnahmen nach 20 Jahren: 2592 Mio. Euro²
    Voraussichtliche Inbetriebnahme: 2015

    ¹Angaben der Projektentwickler, zum Teil geschätzt; ²Aus Einspeisevergütung

  • Butendiek

    Größe: 33 qkm
    Anzahl der Anlagen: 80
    Einzelleistung je Anlage: 3,6 MW
    Parkleistung: 288 MW

    Projektentwickler: wpd
    Eigentümer: Marguerite Fund, Siemens Financial Service, Industriens Pension, PKA, CDC Infrasturcture, wpd Butendiek
    Investoren: E.On

    Anzahl versorgter Haushalte: 300.000¹
    Investitionssumme: 1000 Mio. Euro
    Einnahmen nach 20 Jahren: 2799 Mio. Euro²
    Voraussichtliche Inbetriebnahme: 2015

    ¹Angaben der Projektentwickler, zum Teil geschätzt; ²Aus Einspeisevergütung

  • Nordsee Ost

    Größe: 24 qkm
    Anzahl der Anlagen: 48
    Einzelleistung je Anlage: 6,15 MW
    Parkleistung: 295 MW

    Projektentwickler: RWE Innogy
    Eigentümer: RWE Innogy
    Investoren: RWE Innogy

    Anzahl versorgter Haushalte: 300.000¹
    Investitionssumme: 1000 Mio. Euro
    Einnahmen nach 20 Jahren: 2869 Mio. Euro²
    Voraussichtliche Inbetriebnahme: 2015

    ¹Angaben der Projektentwickler, zum Teil geschätzt; ²Aus Einspeisevergütung

  • Gode Wind I+II

    Größe: 42 qkm
    Anzahl der Anlagen: 55
    Einzelleistung je Anlage: 6 MW
    Parkleistung: 330 MW

    Projektentwickler: Dong Energy
    Eigentümer: Dong Energy
    Investoren: Dong Energgy

    Anzahl versorgter Haushalte: 340.000¹
    Investitionssumme: 1250 Mio. Euro
    Einnahmen nach 20 Jahren: 3207 Mio. Euro²
    Voraussichtliche Inbetriebnahme: 2016

    ¹Angaben der Projektentwickler, zum Teil geschätzt; ²Aus Einspeisevergütung

  • MEG Offshore 1

    Größe: 46 qkm
    Anzahl der Anlagen: 80
    Einzelleistung je Anlage: 5 MW
    Parkleistung: 400 MW

    Projektentwickler: Nordsee Offshore MEG
    Eigentümer: Windreich (in Insolvenz)
    Investoren: keine Angaben

    Anzahl versorgter Haushalte: 445.000¹
    Investitionssumme: 1400 Mio. Euro
    Einnahmen nach 20 Jahren: 3780 Mio. Euro²
    Voraussichtliche Inbetriebnahme: 2018

    ¹Angaben der Projektentwickler, zum Teil geschätzt; ²Aus Einspeisevergütung

  • Nordergründe

    Größe: 6 qkm
    Anzahl der Anlagen: 18
    Einzelleistung je Anlage: 6,15 MW
    Parkleistung: 111 MW

    Projektentwickler: wpd
    Eigentümer: wpd
    Investoren: wpd

    Anzahl versorgter Haushalte: 140.000¹
    Investitionssumme: 300 Mio. Euro
    Einnahmen nach 20 Jahren: 1046 Mio. Euro²
    Voraussichtliche Inbetriebnahme: 2018

    ¹Angaben der Projektentwickler, zum Teil geschätzt; ²Aus Einspeisevergütung

  • Nordsee One

    Größe: 33 qkm
    Anzahl der Anlagen: 54
    Einzelleistung je Anlage: 6,15 MW
    Parkleistung: 332 MW

    Projektentwickler: Rwe Innogy
    Eigentümer: RWE
    Investoren: RWE

    Anzahl versorgter Haushalte: 300.000¹
    Investitionssumme: 1100 Mio. Euro
    Einnahmen nach 20 Jahren: 3138 Mio. Euro²
    Voraussichtliche Inbetriebnahme: 2018

    ¹Angaben der Projektentwickler, zum Teil geschätzt; ²Aus Einspeisevergütung

  • Sandbank

    Größe: 66 qkm
    Anzahl der Anlagen: 72
    Einzelleistung je Anlage: 4 MW
    Parkleistung: 288 MW

    Projektentwickler: Vattenfall
    Eigentümer: Vattenfall, Stadtwerke München
    Investoren: Vattenfall, München

    Anzahl versorgter Haushalte: 370.000¹
    Investitionssumme: 1200 Mio. Euro
    Einnahmen nach 20 Jahren: 2722 Mio. Euro²
    Voraussichtliche Inbetriebnahme: 2018

    ¹Angaben der Projektentwickler, zum Teil geschätzt; ²Aus Einspeisevergütung

  • Wikinger

    Größe: 35 qkm
    Anzahl der Anlagen: 70
    Einzelleistung je Anlage: 5 MW
    Parkleistung: 350 MW

    Projektentwickler: Iberdrola
    Eigentümer: Iberdrola
    Investoren: Iberdrola

    Anzahl versorgter Haushalte: 400.000¹
    Investitionssumme: 1500 Mio. Euro
    Einnahmen nach 20 Jahren: 3612 Mio. Euro²
    Voraussichtliche Inbetriebnahme: 2018

    ¹Angaben der Projektentwickler, zum Teil geschätzt; ²Aus Einspeisevergütung

Und die Stralsunder könnten auf neue Jobs hoffen. Setzt sich das Gicon-System als Standard durch, wovon Projektleiter Burkhard Schuldt überzeugt ist, würden die Sachsen schon 2017 die Serienproduktion aufnehmen.

Die heimische Offshore-Industrie ist auf solche Erfolgsmeldungen dringend angewiesen, denn ansonsten drohen die anderen erneuerbaren Energien sie endgültig abzuhängen. Zu unwirtschaftlich, zu kompliziert, zu zentralistisch seien die Windmüller, meinen Kritiker. Selbst der einstmals teure Solarstrom wird nach dem Erneuerbaren-Energien-Gesetz (EEG) mit 8,8 bis 12,5 Cent je kWh inzwischen deutlich geringer vergütet. Windparkbetreiber zu See hingegen kassieren weiterhin bis zu 19,4 Cent.

Experten halten Offshore-Windräder für überflüssig

Nicht alle ziehen aus dem Kostennachteil der Offshore-Anlagen so radikale Schlüsse wie Matthias Willenbacher, Mitgründer des Ökokraftwerk-Planers Juwi im rheinhessischen Wörstadt. Er hält sie schlicht für überflüssig, um die Energiewende zu schaffen. „Man kann an Land genug Strom erzeugen – und das preiswerter.“ Eine Studie des Berliner Thinktanks Agora Energiewende stützt seine Position. Fazit der Experten: Windräder an Land statt auf dem Meer zu bauen mache die Energiewende deutlich billiger, nämlich um zwei bis zweieinhalb Milliarden Euro pro Jahr.

Dennoch wird es laut Dirk Briese, Geschäftsführer des Bremer Beratungsunternehmens windresearch, nicht ganz ohne die Watt und Volt aus Nord- und Ostsee gehen. Sonst müsse ganz Deutschland mit Windrädern und Solarmodulen zugepflastert werden, um die 400 Terawattstunden pro Jahr zu erzeugen, die die Bundesregierung 2050 als Bedarf unterstellt. „Langfristig brauchen wir Offshore im Mix“, betont Briese.

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