Abgas-Skandal: Börse zweifelt an Volkswagens Stärke

Abgas-Skandal: Börse zweifelt an Volkswagens Stärke

Obwohl VW in den USA Strafzahlungen in Milliardenhöhe drohen, beteuert der Autobauer, finanziell stark aufgestellt zu sein. Die Rückstellungen deckten aller Risiken ab. An der Börse bleiben jedoch Zweifel.

Volkswagen sieht sich trotz drohender Strafzahlungen in Milliardenhöhe in den USA weiter in der Lage, die Lasten des Abgasskandals zu stemmen. Die finanzielle Stärke des Konzerns sei „immer noch ziemlich robust“, teilten die Wolfsburger mit. Ein Sprecher verwies auf die im Zusammenhang mit den Abgasmanipulationen bisher gebildeten Rückstellungen von 17,8 Milliarden Euro. Damit seien alle bis heute bekannten Sondereffekte abgedeckt.

An der Börse blieben jedoch Zweifel. Die VW-Aktie, die zuvor wegen eines Medienberichts massiv an Wert verloren hatte, dämmte ihre Verluste nur wenig ein. Am Nachmittag notierte das Papier bei 111,65 Euro fast vier Prozent im Minus und war damit einer der größten Verlierer im Leitindex Dax.

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Dabei spielten offenbar Spekulationen eine Rolle, Volkswagen könnte in den USA das gleiche Schicksal drohen wie der Deutschen Bank. Für Deutschlands größtes Geldhaus hat das US-Justizministerium umgerechnet gut zwölf Milliarden Euro als Strafe für unsaubere Geschäfte auf dem amerikanischen Immobilienmarkt vor der Finanzkrise aufgerufen. Diese Summe übersteigt die Rückstellungen der Deutschen Bank um ein Vielfaches. Experten und die Bank selbst rechnen jedoch damit, dass die endgültige Strafe im Rahmen von Verhandlungen noch deutlich gedrückt werden kann.

Einigung bis Januar?

Hintergrund des Kursrückgangs bei VW war Börsenhändlern zufolge ein Bericht der Agentur „Bloomberg“, wonach das amerikanische Justizministerium derzeit auslote, wie hoch eine Strafe gegen Volkswagen ausfallen könnte, ohne die Zukunft des Unternehmens infrage zu stellen.

Die US-Regierung und Volkswagen strebten eine Einigung bis Januar an, bevor die neue Regierung in Washington ins Amt komme und die politischen Beamten ausgetauscht würden, die das Verfahren gegen VW bisher begleiteten.

Die Abgas-Tests in Deutschland und Europa

  • Die Vorgaben in Deutschland

    Neue Modelle werden in Deutschland und der EU nach dem Modifizierten Neuen Fahrzyklus (MNEFZ) getestet. Die Tests laufen unter Laborbedingungen, das heißt auf einem Prüfstand mit Rollen. Dies soll die Ergebnisse vergleichbar machen. Der Test dauert etwa 20 Minuten und simuliert verschiedene Fahrsituationen wie Kaltstart, Beschleunigung oder Autobahn-Geschwindigkeiten.

  • Wer testet?

    Getestet wird von Organisationen wie dem TÜV oder der DEKRA unter Beteiligung des Kraftfahrt-Bundesamtes (KBA). Dieses untersteht wiederum dem Verkehrsministerium.

  • Kritik an Prüfung

    Die Prüfungen der neuen Modelle werden von ADAC und Umweltverbänden seit längerem als unrealistisch kritisiert. So kann etwa die Batterie beim Test entladen werden und muss nicht - mit entsprechendem Sprit-Verbrauch - wieder auf alten Stand gebracht werden. Der Reifendruck kann erhöht und die Spureinstellungen der Räder verändert werden. Vermutet wird, dass etwa der Spritverbrauch im Alltag so häufig um rund ein Fünftel höher ist als im Test.

  • Weitere Prüfungen

    Neben den Tests für neue Modelle gibt es laut ADAC zwei weitere Prüfvorgänge, die allerdings weitgehend in der Hand der Unternehmen selbst sind. So werde nach einigen Jahren der Test bei den Modellen wiederholt, um zu sehen, ob die Fahrzeuge noch so montiert werden, dass sie den bisherigen Angaben entsprechen, sagte ADAC-Experte Axel Knöfel. Zudem machten die Unternehmen auch Prüfungen von Gebrauchtwagen, sogenannte In-Use-Compliance. Die Tests liefen wieder unter den genannten Laborbedingungen. Die Ergebnisse würdem dann dem KBA mitgeteilt. Zur Kontrolle hatte dies der ADAC bei Autos bis 2012 auch selbst noch im Auftrag des Umweltbundesamtes gemacht, bis das Projekt eingestellt wurde. In Europa würden lediglich in Schweden von staatlicher Seite noch Gebrauchtwagen geprüft, sagte Knöfel.

  • Geplante neue Prüfmethode

    Die EU hat auf die Kritik am bisherigen Verfahren reagiert und will ab 2017 ein neues, realistischeres Prüfszenario etablieren. Damit sollen auch wirklicher Verbrauch und Schadstoffausstoß gemessen werden ("Real Driving Emissions" - RDE). Strittig ist, inwiefern dafür die bisherigen Abgas-Höchstwerte angehoben werden, die sich noch auf den Rollen-Prüfstand beziehen.

Vertreter von Volkswagen und des US-Justizministeriums verhandeln Insidern zufolge bereits seit einigen Wochen über eine Beilegung der strafrechtlichen Ermittlungen. Damit wollen die Niedersachsen nach dem milliardenschweren Vergleich zur Entschädigung der Kunden für manipulierte Dieselmotoren die nächste Hürde bei der Bewältigung des Dieselskandals angehen.

Analysten halten es für möglich, dass Volkswagen für seine Manipulation in den USA eine Rekordstrafe leisten muss. Experten rechnen damit, dass die Strafe über dem liegen wird, was Toyota bezahlen musste. Der japanische Weltmarktführer hatte für klemmende Gaspedale die bisher höchste Strafe eines Autobauers in den USA von 1,2 Milliarden Dollar geleistet.

Welche Modelle unter den Diesel-Vergleich fallen

  • VW Beetle

    Baujahre 2013-2015

  • VW Golf

    Baujahre 2010-2015

  • VW Jetta

    Baujahre 2009-2015

  • VW Passat

    Baujahre 2012-2015

  • Audi A3

    Baujahre 2010-2013 und 2015

Die Opel-Mutter General Motors musste wegen des Skandals um defekte Zündschlösser 900 Millionen Dollar Strafe zahlen. „Und eine Geldbuße, die die Zukunft von VW in Frage stellen würde, müsste viel größer sein als die, die wir in der jüngeren Geschichte gesehen haben“, sagte Arndt Ellinghorst von Evercore ISI. „Wir fragen uns, ob das gerechtfertigt wäre?“, fügte der Autoexperte hinzu.

Ellinghorst schätzt die Gesamtkosten des Dieselskandals für VW abzüglich Steuern auf gut 26 Milliarden Euro. Darin seien Kosten für die zivil- und strafrechtliche Vergleiche von insgesamt zehn Milliarden Euro enthalten. Mögliche Kosten für Anlegerklagen seien indes nicht berücksichtigt, da diese nur schwer geschätzt werden könnten.

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