Autoindustrie in den USA : BMW investiert halbe Milliarde Dollar in US-Werk

Autoindustrie in den USA : BMW investiert halbe Milliarde Dollar in US-Werk

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BMW baut im US-Werk Spartanburg vor allem SUV-Modelle.

BMW will trotz des schwelenden Streits mit US-Präsident Donald Trump mehrere Millionen US-Dollar in sein Werk im amerikanischen Spartanburg investieren und damit in den USA weiter Jobs schaffen.

„Great for US“ - das Werbeschild am Straßenrand der Interstate 85 nahe des BMW-Werks Spartanburg im US-Bundesstaat South Carolina kann vieles heißen. Vor allem aber kann es dieser Tage als Anspielung auf US-Präsident Donald Trumps Wahlslogan „Make America Great Again“ gelten. Dass der Münchner Autobauer hier das 25-jährige Jubiläum seiner Entscheidung zum Bau des damals ersten Vollwerks außerhalb Deutschland feiert, gerät zur Nebensache. Dass BMW-Chef Harald Krüger als Höhepunkt der Feierlichkeiten die dritte Generation des Stadtgeländewagens X3 enthüllen lässt, ebenso.

Diese US-Fabrik, intern „Plant 10“ genannt, ist das größte Produktionswerk des BMW-Konzerns weltweit. BMW hat bisher 8 Milliarden Dollar investiert, 9000 Leute arbeiten hier, weitere rund 60 000 Arbeitsplätze bei Hunderten Lieferanten hängen zudem an der Fabrik. Und doch muss sich der Dax-Konzern ständig rechtfertigen für seinen Fabrikneubau im Nachbarland Mexiko.

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Zum Jubiläum kündigt Krüger denn auch neue Investitionen in Höhe von 600 Millionen US-Dollar (535 Mio Euro) in Spartanburg an, zudem die Schaffung von 1000 neuen Arbeitsplätzen. Dafür gibt es lauten Jubel von der Belegschaft. Der republikanische US-Senator Lindsey Graham und der Gouverneur von South Carolina, Henry McMaster, stehen demonstrativ auf und applaudieren.

Trump hatte schon früh die US-Konzerne General Motors (GM), Fiat Chrysler und Ford in die Schusslinie genommen, weil sie angeblich zu viele Autos in Mexiko bauen und sie in die USA verkaufen. Dass er Industriejobs zurück ins Land holt, hat Trump seinen Wählern versprochen. Später gab es im Weißen Haus einen Fototermin, die US-Konzerne gelobten Besserung, Trump freute sich.

Noch bevor er im Amt vereidigt wurde, gab er der „Bild“-Zeitung und der Londoner „Times“ ein Interview, in dem auch BMW und Daimler ihr Fett wegbekamen. „Wenn sie eine Fabrik in Mexiko bauen und Autos in die USA verkaufen wollen ohne eine 35-Prozent-Steuer, dann können sie das vergessen“, polterte er in Richtung BMW. Im mexikanischen San Luis Potosi wollen die Münchner von 2019 an den 3er für den Weltmarkt bauen. Die Investitionen dafür belaufen sich laut Krüger auf rund 1 Milliarde Dollar.

Im März sprach der BMW-Chef als Teil einer Delegation im Weißen Haus vor. Er kündigte dreistellige Millionen-Investitionen in die Ausbildung von Mitarbeitern an. Vor kurzem besuchte auch US-Arbeitsminister Alexander Acosta die Münchner, um sich über die Berufsausbildung zu informieren. Die Wogen glätteten sich etwas. Er habe schon den Eindruck, dass auch die neue US-Administration den Wert dessen, was BMW in den USA auf die Beine stelle, anerkenne, sagt Krüger nun in Spartanburg.

Trumps Auto-Schelte Das Problem sind nicht die deutschen Autobauer

Die Deutschen verkaufen zu viele Fahrzeuge in den USA. Das werde nun gestoppt, tönt Donald Trump. Doch den wahren Grund verschweigt er: Amerikanische Autos sind einfach nicht gut genug, um auf dem Weltmarkt zu bestehen.

Donald Trump und mehrere US-Autobosse Quelle: REUTERS

Der Konzern tut derzeit vieles, um gut Wetter in den USA zu machen. Spartanburg, das Städtchen mit 40 000 Einwohnern, und die Nachbarstadt Greer leben von BMW. Fast vier Millionen Autos mit dem weißblauen Logo haben sie hier seit 1994 gebaut. Aktuell läuft jede Minute einer der bei den Amerikanern so beliebten SUV-Stadtgeländewagen der BMW-X-Modellserie vom Band, gut 1400 Stück am Tag. 411 000 waren es vergangenes Jahr.

70 Prozent von ihnen hat BMW exportiert, rechnet Krüger erneut vor. Mitnichten baue der Konzern auf Kosten von US-Arbeitsplätzen seine Autos woanders und verkaufe sie dann in den USA, soll das heißen. Dass mehr als 60 Prozent der bisher in diesem Jahr in den USA verkauften Autos importiert wurden, steht auf einem anderen Blatt. 3er, 5er und 7er werden eben nicht in den USA gefertigt. Per Saldo sind die Münchener aber dennoch Exporteur.

Marktanteile der Autohersteller in den USA

  • Drei Prozent Marktanteil

    Drei Prozent Marktanteil haben in den USA sowohl Subaru wie auch VW.

    Die Zahlen beziehen sich auf Juli 2016.

    Quelle: Kelley Blue Book Automotive Insights

  • Sieben Prozent Marktanteil

    Sieben Prozent Marktanteil entfallen auf "Sonstige".

  • Neun Prozent Marktanteil

    Hyundai-Kia kommen auf neun Prozent Marktanteil. Ebenfalls neun Prozent vom Kuchen holt sich Nissan.

  • Zehn Prozent Marktanteil

    Zehn Prozent des Automarktes in den USA sind in der Hand von Honda.

  • Zwölf Prozent

    Zwölf Prozent der in den USA verkauften Wagen stammen von Fiat.

  • 14 Prozent Marktanteil

    Toyota kommt auf 14 Prozent Marktanteil.

  • 15 Prozent Marktanteil

    Ford hat in den USA einen Marktanteil von 15 Prozent.

  • 18 Prozent Marktanteil

    18 Prozent Marktanteil entfallen auf General Motors.

Warum Trump sich gerade BMW vorgenommen hat, ist für die Münchner ein Rätsel. Wie umgehen mit diesem US-Präsidenten, der so unberechenbar scheint? Der groß angekündigte Austritt aus der nordamerikanischen Freihandelszone Nafta: Abgeblasen. Wird stattdessen neu verhandelt, so Trump. Ob die angedrohte 35-Prozent-Strafsteuer für Autos aus Mexiko nun kommt - unklar.

In seinem im April vorgestellten Steuerkonzept spielte die von den Republikanern ins Spiel gebrachte „Border Adjustment Tax“, eine „Grenzsteuer“ auf importierte Güter, keine Rolle. Aus Branchenkreisen der deutschen Autoindustrie heißt es, dass die US-Regierung durchaus konkrete Pläne dafür in der Schublade hat - und diese den Firmen auch schon präsentiert wurden, allerdings vor dem Konzept im April.

Die Sorge der Branche ist, dass Trump diese Importsteuer doch noch aus dem Hut ziehen könnte - um seine großzügigen Versprechen sinkender Unternehmenssteuersätze zu finanzieren. Allerdings, so glauben die Fachleute in den Konzernen, fehlen ihm dazu momentan die nötigen Stimmen im US-Senat.

Aber wer weiß, was ist, wenn der Präsident unter Druck gerät. Dass Trump bisher nur wenige Auto-Jobs zurückgeholt hat, wurde erst kürzlich wieder offenbar. Da kündigte Ford nach einigen Kehrtwenden an, den nächsten Ford Focus weder in den USA noch in Mexiko, sondern in China zu bauen.

Die US-Werke der deutschen Autokonzerne

  • Daimler

    Pkw-Werk in Vance (Tuscaloosa)
    Bundesstaat: Alabama
    Mitarbeiter: 3.500
    Modelle: C-Klasse (für Nordamerika), GLE, GLS

    Lkw-Werk in Cleveland
    Bundesstaat: North Carolina
    Mitarbeiter: ca. 3000

    Lkw-Werk in Mount Holly (Freightliner)
    Bundesstaat: North Carolina
    Mitarbeiter: 1.000

    Lkw-Werk in Portland (Western Star)
    Bundesstaat: Oregon
    Mitarbeiter: 1.000

    Van-Werk in Charleston (im Bau)
    Bundesstaat: South Carolina
    Mitarbeiter: bis zu 1.300 (geplant)
    Modelle: Sprinter

  • BMW

    Pkw-Werk in Spartanburg
    Bundesstaat: South Carolina
    Mitarbeiter: 8.000
    Modelle: X3, X4, X5, X6

  • Volkswagen

    Pkw-Werk in Chattanooga
    Bundestaat: Tennessee
    Mitarbeiter: 2.200
    Modelle: US-Passat, künftig Midsize-SUV

BMW jedenfalls zeigt gern her, was Spartanburg zu bieten hat. Die große Show liefern die beiden geladenen US-Politiker McMaster und Graham. „Diese Firma hat den Werdegang unseres Staates verändert“, sagt Gouverneur McMaster. „Wir brauchen mehr Freihandel, nicht weniger“, ruft Senator Graham, der Trump schon des Öfteren kritisierte. Der Präsident solle sich lieber darum kümmern, dass Autobauer aus den USA den gleichen zollfreien Zugang zum EU-Markt bekämen wie aus Mexiko.

Am Schluss bringt er es sogar auf die fromme Formel „God bless BMW“. Krüger hatte auch Donald Trump eingeladen. Gekommen ist er nicht.

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