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Automobilbranche: Die Chancen der Zulieferer beim Elektroauto

von Franz W. Rother, Jürgen Rees und Hans-Jürgen Klesse

Der Elektroantrieb zwingt die Hersteller dazu, das Auto neu zu erfinden. Für die Zulieferindustrie sind die Chancen deutlich größer als die Risiken, vor allem für Neueinsteiger.

Arbeit beim Zulieferer ZF Quelle: dpa
Arbeit beim Zulieferer ZF Quelle: dpa

Kolben, Kurbelwelle, Kühler, Auspuff und Katalysator. Dazu Getriebe, Nebenaggregate und jede Menge Kleinteile: Was beim Tritt aufs Gaspedal einen satten Sound und viele Pferdestärken erzeugt, ist ein technisches Wunderwerk. Rund 1400 Einzelteile greifen ineinander, viele davon produziert von hoch spezialisierten Zulieferern, wahren Weltstars ihres Fachs.

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So war es bisher.

Ein magnetischer Rotor, drumherum elektrische Spulen, untergebracht im Gehäuse eines kleinen Getriebes und gesteuert von einem Kästchen, vollgestopft mit Elektronik. Ohne Pumpen für Kraftstoff, Kühlmittel oder Hydraulik, ohne Auspuff – alles in allem nur noch rund 210 Teile.

Größte Herausforderung für Zulieferer

So könnte es in Zukunft sein, wenn statt eines Verbrennungs- ein Elektromotor das Auto antreibt.

Die Einführung des E-Autos stellt Hersteller, vor allem aber Zulieferer, die inzwischen für 75 Prozent des Werts eines Autos stehen, vor die vielleicht größte Herausforderung seit Jahrzehnten. „Der Wandel vom Auto mit Verbrennungsmotor zum Elektromobil hat weiter gehende Auswirkungen, als die meisten Autohersteller heute wahrhaben wollen“, sagt Wolf Ritschel, Leiter des Instituts für Elektromobilität an der Hochschule Bochum. Es sei nicht damit getan, den Verbrennungsmotor durch einen Elektromotor und den Benzintank gegen einen Akku auszutauschen: „Die Architektur des Autos muss komplett neu entwickelt werden“, sagt Ritschel. „Betroffen davon ist die gesamte Zulieferindustrie, von der Karosserie bis zum Antrieb“, ergänzt Oliver Hazimeh, Automobilexperte bei der Managementberatung PRTM.

Genügend Zeit

Das ist die schlechte Nachricht für die rund 3000 Zulieferunternehmen weltweit. Aber es gibt auch positive Botschaften. Der Wandel passiert nicht über Nacht. „Der Elektroantrieb kommt, aber auf absehbare Zeit ganz überwiegend in einer Hybridvariante – die meisten Autos werden auch in Zukunft noch einen Verbrennungsmotor unter der Haube haben“, prognostiziert Martin Haubensak, Autoexperte der Unternehmensberatung A.T. Kearney. „Autohersteller und Zulieferer haben genügend Zeit, sich anzupassen.“

Und auch die Aussichten auf auskömmliche Geschäfte bleiben gut. „Die deutschen Zulieferer sind aufgrund ihres Technikvorsprungs, der Qualität ihrer Produkte und ihrer Kostenposition in diesem internationalen Wettlauf gut aufgestellt und werden auch bei den Zukunftstechnologien zu den Gewinnern gehören“, glaubt Haubensak. „Der anstehende Systemwechsel eröffnet völlig neue Märkte – wie etwa Batteriemanagement, Leistungselektronik oder Systemintegration – sowohl für bestehende Zulieferer als auch für Neueinsteiger“, sagt Gregor Matthies, Partner und Auto-Spezialist bei Bain & Company. PRTM-Berater Hazimeh schätzt das weltweite Marktvolumen der Wertschöpfungskette, die mit der Elektrifizierung des Straßenverkehrs entstehen wird, auf 250 bis 300 Milliarden US-Dollar bis 2020.

10 KommentareAlle Kommentare lesen
  • 10.05.2010, 18:20 UhrAnonymer Benutzer: Minstrel

    Zum Thema mangelnde infrastruktur für Elektrofahrzeuge:
    Vor Jahren habe ich in einem Antiquariat ein paar Straßenkarten aus den 30er Jahren erworben. Die wurden damals von den Mineralölgesellschaften verkauft und zeigten dem geneigten Kraftfahrer, wo sich im betreffenden Gebiet Tankstellen befanden. Denn mit einer flächendeckenden Versorgung mit benzin war es damals auch noch nicht weit her.
    Automobile und Traktoren waren damals auußerhalb der Städte ein Luxusartikel für reiche Leute; der Normalbürger fuhr mit dem Zug, und die bauern spannten Pferde oder Ochsen an.
    Und das Elektroauto kann sich genau so verbreiten. Erst in der Stadt, dann mit steigender Reichweite und verkürzter Ladezeit (oder mit Austauschlösungen) hinaus aufs Land. Der Verbrennungsmotor war doch auch nicht von Anfang an die eierlegende Wollmilchsau, die man jetzt zu seiner Ablösung fordert!

  • 10.05.2010, 17:17 UhrAnonymer Benutzer: masberg

    Die Wirtschaftswoche sollte mal in ihren eigenen Archiven stöbern. Sie würde dabei im Jahr 1998 ff fündig werden mit einem Gewinner des innovationspreis (Conti) den zugehörigen Verantwortlichen usw. Das Folgende ist dann ein Lehrstücke darüber, dass ideen oft zu früh erscheinen, alte industrien bestehende investitionen und Schein-Dogmen verteidigen und die Zeit verschlafen.

  • 09.05.2010, 21:39 UhrAnonymer Benutzer: Geschwätz

    Für einige sind alle Komponenten erfunden: Die batterie kennen sie aus dem Handy, und die 'Stromspannung' mit einem 'Strom' von 230 V kommt aus der Steckdose (aus Frankreich). Ein stückweit (Lehrersprache) wollen sie aber vielleicht noch erforschen, evt. Farbe und barrierefreiheit der Ladestecker im Rahmen eines Sozialforschungsprojekts mit Wissenschaftlerinnen aus Afrika? So ähnlich läuft es doch momentan bei den Durchgeknallten.

    Wer bei dieser Finanzkrise immer noch nicht aufwacht, kann nicht mehr wiederbelebt werden. Was haben wir nur für Leute im Land: Kein Physik- oder ingenieursstudium haben sie absolviert, aber über Physik und ingenieurswesen geben sie ihre steindummen Urteile ab. Sie sollten sich besser ohne Medizinstudium gegenseitig auf dem Küchentisch operieren. Der Grad des Laienhaften wäre identisch, die Folgen anders.

    Nun, Piech hat heute zu dem Geschwätz NEiN gesagt. Er ist ingenieur und hat scharfen Verstand im Gegensatz zu dem Heer von Laien, die ihre Grenzen nicht kennen, übergeschnappt sind und deshalb irgendwann scheitern werden - ebenso wie heute einige Übergeschnappte in der Finanzkrise scheitern.

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