Bosch-Bereichsvorstand Sobottka: "Autos fahren 2020 automatisiert auf der Autobahn"

ThemaMobilität

InterviewBosch-Bereichsvorstand Sobottka: "Autos fahren 2020 automatisiert auf der Autobahn"

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Noch ist die Technik für autonomes Fahren noch nicht ausgereift.

von Annina Reimann

Das autonome Fahren treibt nicht nur Autobauer um, sondern auch deren Zulieferer. Im Interview erklärt der Chef der Lenksysteme-Sparte von Bosch, wie weit die Entwicklung ist und wann voll autonome Autos kommen.

WirtschaftsWoche: Herr Sobottka, Sie sind bei Bosch verantwortlich für den Bereich Lenksysteme, unter anderem Lenksysteme für automatisierte Fahrzeuge. Wozu sind die wichtig und was müssen die können?
Christian Sobottka: Die Lenkung ist das Schlüsselelement, damit Autos in Zukunft hochautomatisiert fahren können. Sie benötigen dazu zwingend eine elektrische, teilweise redundante Lenkung.

Wann haben Sie die Technik so weit entwickelt, dass Autos autonom fahren können?
Das passiert nicht zu einem Stichtag, das kommt in Stufen.

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Zur Person

  • Christian Sobottka

    Christian Sobottka ist Vorsitzender des Bereichsvorstands Robert Bosch Automotive Steering GmbH.

Auf welcher Stufe sind wir heute?
Heute befinden wir uns in der Phase der Teilautomatisierung, das heißt, dass der Fahrer trotz aller Hilfssysteme noch die Verantwortung für das Fahrzeug hat. Unsere Systeme unterstützen ihn dabei bereits vielfältig: So gibt es schon heute den Notbrems-Assistenten für Pkw und Lkw. Er erkennt zum Beispiel Stauenden, warnt den Fahrer und bremst notfalls auch selbsttätig. Ebenfalls mehr Sicherheit bietet eine Funktion, die dem Fahrer hilft, in der Spur zu bleiben, oder ein Ausweichassistent, der in Notsituationen hilft, sicher Hindernisse zu umfahren. Das kann Unfälle in Baustellen verhindern oder solche, die durch Sekundenschlaf ausgelöst werden. Automatisierung erleben wir heute auch schon beim Parken. Viele neue Modelle können völlig selbstständig in die Parklücke fahren, und die ersten Autos sogar bereits in die Garage.

Die fünf Stufen des automatisierten Fahrens

  • Stufe 1: Fahrassistenten

    Der Fahrer lenkt, bremst und beschleunigt selbständig. Einfache Systeme wie Abstandshalter unterstützen ihn.

  • Stufe 2: Teilautomatisiertes Fahren

    Das elektronische System übernimmt bestimmte Funktionen wie automatisches Einparken oder das Spurhalten. Der Fahrer bleibt aber weiter in der Verantwortung, die Hände bleiben am Lenkrad.

  • Stufe 3: Hochautomatisiertes Fahren

    Das Fahrzeug fährt weitgehend autonom, der Fahrer muss nicht mehr alles dauerhaft überwachen. Er darf die Hände vom Lenkrad nehmen, muss aber in der Lage sein, nach Vorwarnung die Kontrolle wieder zu übernehmen.

  • Stufe 4: Vollautomatisiertes Fahren

    Der Fahrer kann noch übernehmen, ist aber nicht mehr erforderlich, um das Auto zu steuern. Elektronische Systeme können alle Verkehrssituationen automatisch bewältigen.

  • Stufe 5: Fahrerloses Fahren

    Das Lenkrad entfällt, das Auto wird nur noch vom System gesteuert.

Was entwickeln Sie als nächstes?
Auf dem Weg zum hochautomatisierten Fahren ist das Fahren auf der Autobahn ein wichtiger Schritt. Das Umfeld ist dort gut vorhersehbar, es gibt keinen Gegenverkehr und keine Fußgänger oder Radfahrer. Es ist ein erster Meilenstein, wenn Autos zum Beispiel im Stau selber fahren. Mit solchen Staupiloten ist der Fahrer nicht mehr voll für das Fahrzeug verantwortlich und muss auch nicht mehr sofort eingreifen. Am Ende der Entwicklung steht die automatisierte Fahrt auch bei höheren Geschwindigkeiten von der Autobahn-Auffahrt bis zur -Abfahrt.

Wann rechnen Sie damit, dass Autos auf der Autobahn voll autonom fahren können?
Autos werden ab 2020 dazu in der Lage sein, Lkw dann 2025.

Autonomes Fahren Was Mobileye so mächtig macht

Das israelische Unternehmen Mobileye ist ökonomisch ein Zwerg, aber technologisch ein Riese. Seine Kameras gelten als Schlüssel zum autonomen Fahren. Nun hat es Tesla die Freundschaft gekündigt.

Mobileye: Das Auge für autonomes Fahren. Quelle: Presse

Und im Stadtverkehr?
Das liegt ein gutes Stück weiter in der Zukunft, denn der Verkehr in Innenstädten mit Fußgängern und Radfahrern stellt mit weitem Abstand die größten Herausforderungen an die Funktion. Aber: Alle erforderlichen Komponenten wie die Radarsensorik, Videokameras, Ultraschallsensoren sowie die erforderlichen Brems- und Lenksysteme gibt es bereits. Die Herausforderung ist jetzt, die Elemente zusammenzubringen, die erforderliche Software zu entwickeln, sie zu testen und auf den Markt zu bringen.

Der Wettbewerb ist aber auch groß. Und der technische Fortschritt fordert seine Opfer. Zuletzt machte Ihr Vorhaben Schlagzeilen, dass Bosch am Standort Bietigheim-Bissingen 300 Stellen streichen will. Wieso?
In Bietigheim-Bissingen produzieren wir Pumpen für hydraulische Lenkungen. Hier ist die Nachfrage deutlich zurückgegangen, weil Elektrolenkungen zunehmend die hydraulischen Varianten ersetzen. Darauf mussten wir reagieren und haben für den Standort ein Zukunftskonzept erarbeitet. Unter anderem werden dort rund 80 Entwickler angesiedelt, die in der Systementwicklung des automatisierten Fahrens arbeiten. Gemeinsam mit den Bosch-Standorten Leonberg und Abstatt bildet Bietigheim-Bissingen in Deutschland damit das Kompetenzzentrum für Autonomes Fahren.

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