Donald Trump und die Autowelt: Das Verhältnis ist angespannt

Donald Trump und die Autowelt: Das Verhältnis ist angespannt

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Das Verhältnis zwischen Trump und den Autobauern ist angespannt.

Eine Branche betreibt Selbsttherapie: Beim Treffen in Detroit macht sich die Autowelt Mut vor der Trump-Ära. So schlimm werde es schon nicht kommen, so der Tenor. Doch die Verunsicherung ist groß.

Ford schafft 700 neue Arbeitsplätze, Fiat Chrysler 2000 - fast könnte man meinen, die großen Autobauer wollten dem neuen US-Präsidenten einen besonders warmen Empfang bereiten. Donald Trump hat ein Jobwunder versprochen, nun parieren die Unternehmen artig - so hat es den Anschein.

Mit Wohlwollen gegenüber der neuen Regierung muss das Entgegenkommen jedoch nichts zu tun haben. Denn der republikanische Rechtspopulist geht nicht mit Klingelbeutel von Tür zu Tür - er setzt die Konzerne mit der Androhung von hohen Strafzöllen auf US-Importe massiv unter Druck. Die Verunsicherung ist groß.

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So gleicht das Verhältnis der Autobauer zu Trump zum Auftakt der wichtigsten US-Automesse dem Wetter: In Detroit herrscht Eiszeit mit bis zu zweistelligen Minusgraden. Die Bedenken gegenüber dem designierten US-Präsidenten überschatten das traditionelle Schaulaufen der Hersteller zum Auftakt des Autojahres.

Die US-Werke der deutschen Autokonzerne

  • Daimler

    Pkw-Werk in Vance (Tuscaloosa)
    Bundesstaat: Alabama
    Mitarbeiter: 3.500
    Modelle: C-Klasse (für Nordamerika), GLE, GLS

    Lkw-Werk in Cleveland
    Bundesstaat: North Carolina
    Mitarbeiter: ca. 3000

    Lkw-Werk in Mount Holly (Freightliner)
    Bundesstaat: North Carolina
    Mitarbeiter: 1.000

    Lkw-Werk in Portland (Western Star)
    Bundesstaat: Oregon
    Mitarbeiter: 1.000

    Van-Werk in Charleston (im Bau)
    Bundesstaat: South Carolina
    Mitarbeiter: bis zu 1.300 (geplant)
    Modelle: Sprinter

  • BMW

    Pkw-Werk in Spartanburg
    Bundesstaat: South Carolina
    Mitarbeiter: 8.000
    Modelle: X3, X4, X5, X6

  • Volkswagen

    Pkw-Werk in Chattanooga
    Bundestaat: Tennessee
    Mitarbeiter: 2.200
    Modelle: US-Passat, künftig Midsize-SUV

Dass die Stimmung diesmal gedämpft ist, liegt zwar auch daran, dass die kurz vorher stattfindende Technikmesse CES in Las Vegas dem Event immer mehr den Rang abläuft. Doch der Trump-Faktor hängt wie ein Damokles-Schwert über der Branche.

Dabei sah es zuletzt gut aus. Der Absatz brummt, die boomende Nachfrage hat den Herstellern 2016 einen erneuten Verkaufsrekord auf dem US-Markt beschert. Eigentlich könnten sich die Autobauer beim Branchentreffen in der krisenerprobten US-Industriemetropole auf die Schultern klopfen - trotzdem ist keinem zum Feiern zumute, denn mit dem Regierungswechsel zieht Ungewissheit auf.

In Detroit bemühen sich die Größen der Industrie, Gelassenheit zu demonstrieren. „Wir sind zwei Wochen vor der Inauguration, insofern würde ich sagen, befinden wir uns im wesentlichen noch im Reich der Spekulation“, sagt Daimler-Chef Dieter Zetsche am Vorabend der North American International Auto Show. „Deswegen würde ich eigentlich gerne tatsächliche Entscheidungen abwarten.“ Was würde es bedeuten, wenn Strafzölle kommen würden? „Ich erwarte es nicht.“

us-wahlTrump und Clinton Was die US-Wahl für die deutschen Autobauer bedeutet

Für die meisten deutschen Autobauer sind die USA der zweitwichtigste Auslandsmarkt – nach China. Ob die Pläne von Daimler, Volkswagen und Co aufgehen hängt auch davon ab, wer künftig im Weißen Haus regiert.

US-Wahl und die Konsequenzen für deutsche Autobauer. Quelle: dpa Picture-Alliance

Andere Branchen-Insider äußern sich ähnlich. „Trump wird einsehen müssen, dass nicht alles, was er sagt, umgesetzt werden kann“, sagt Sandy Schwartz, Chef des US-Autohandelsriesen Cox Automotive. Früher oder später werde der Immobilienmogul die Realität anerkennen. „Ich gehe nicht davon aus, dass wir eine seismische Verschiebung erleben werden.“ Doch hinter vorgehaltener Hand räumen viele Analysten ein, dass die Lage durchaus prekär ist.

Mit heftiger Kritik an Globalisierung und Freihandel hat Trump die Branche vor den Kopf gestoßen. Oft reichten ihm dafür 140 Zeichen bei Twitter. In der letzten Woche attackierte Trump zuerst US-Marktführer General Motors (GM) und dann den weltgrößten Autobauer Toyota für geplante Investitionen im benachbarten Niedriglohnland Mexiko. Die Aktionen sorgten für Wirbel, sogar die japanische Regierung schaltete sich ein, um Toyota in Schutz zu nehmen.

Am Sonntag kündigte der italienisch-amerikanische Autokonzern Fiat Chrysler an, eine Milliarde Dollar in zwei bestehende Werke in den USA zu stecken. Nur wenige Tage vorher hatte Ford nach andauernder Kritik von Trump verkündet, Pläne für eine 1,6 Milliarden Dollar teure Fabrik in Mexiko zu streichen und stattdessen 700 Millionen Dollar in den USA zu investieren. Insgesamt sollen die Initiativen von Ford und Fiat Chrysler rund 2700 neue US-Jobs schaffen. Beide Unternehmen bestreiten zwar, dass Trump dabei eine Rolle gespielt hat. Doch ein Beigeschmack bleibt.

Keine neuen Produktionspläne GM will sich nichts von Trump-Tweets diktieren lassen

Der Auftrag für die neue Air Force One oder Produktionsverlagerungen nach Mexiko - US-Firmen mussten zuletzt per Twitter von Donald Trump viel einstecken. Einige ruderten deshalb zurück - Autobauer General Motors nicht.

Der Twitter-Account des zukünftigen Präsidenten der Vereinigten Staaten von Amerika, Donald Trump. Quelle: dpa

Das Verhältnis zwischen dem New Yorker Immobilien-Tycoon und der Autobranche war nicht immer so angespannt. Vor gut 30 Jahren pflegte Trump sogar eine innige Beziehung - insbesondere zur GM-Konzerntochter Cadillac. Die gipfelte 1988 in der gemeinsamen Entwicklung zweier extravaganter Stretch-Limousinen. Die „Cadillac Trump Series“ sollte damals den Standard setzen, was Ultraluxus angeht. Trump hatte schon zuvor nie einen Hehl aus seinem Faible für die Kultmarke Cadillac gemacht.

Auch dieser Tage könnte er sich für Detroit durchaus noch zum Hoffnungsträger entwickeln. Einerseits bedroht Trumps Hang zum Protektionismus zwar die Geschäfte der dort ansässigen US-Hersteller wie GM oder Ford. Andererseits aber hat er der Autostadt frei nach seinem Motto „Amerika zuerst“ ein fulminantes Comeback versprochen. Mit Konjunkturpaketen und Steuerreformen will Trump der US-Wirtschaft zu einem neuen Boom verhelfen, von dem auch die Autoindustrie profitieren soll.

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