Zerfällt Piëchs Markenreich? VW prüft offenbar Ducati-Verkauf

Ducati, Phaeton und andere Spielzeuge: VW verabschiedet sich von Piëchs Hobbys

, aktualisiert 27. April 2017, 12:37 Uhr
von Sebastian Schaal

VW sucht offenbar einen Käufer für Ducati. Die Motorradmarke hatte einst Ferdinand Piëch in den Konzern geholt. Es ist nicht die erste seiner Anschaffungen, die den Aufräumarbeiten zum Opfer fällt – und kaum die letzte.

Ferdinand Piëch hat noch nicht einmal seinen Rückzug bei der Volkswagen-Mutter Porsche SE komplett vollzogen, da arbeitet der Konzern bereits an der Auflösung des Markenimperiums, das Patriarch einst schuf. Wie die Nachrichtenagentur "Reuters" berichtet, hat VW eine Investmentbank beauftragt, einen Käufer für Ducati zu finden.

Der Hintergrund: Audi hatte 2012 die italienische Motorradmarke gekauft und neben Lamborghini in das Unternehmen eingegliedert. Die Akquisition selbst und der Kaufpreis von 860 Millionen Euro sorgten damals für Verwunderung in der Branche. Doch der wahre Grund war schnell klar: Ferdinand Piëch, zu jener Zeit noch mächtiger Aufsichtsratsboss in Wolfsburg, wollte schon immer eine Motorradmarke besitzen. 2012 sah er die Chance gekommen, um sein Lebenswerk zu vollenden.

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So recht wollten die feuerroten Edel-Motorräder aus Mittelitalien aber nicht passen – weder bei der Technik noch beim Marketing hat der Konzern von Ducati wirklich profitiert, andersherum aber schon. Immerhin schafften es die Ingenieure mit viel Aufwand, einem der Ducati-Motoren einen variablen Ventiltrieb zu verpassen. Mit der aus dem Autobau bekannten Technologie hebt sich Ducati von der Konkurrenz ab – ob das aber als Kaufargument für eine Multistrada 1200 ausreicht, darf bezweifelt werden.

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Volkswagen E-Golf. Quelle: dpa Picture-Alliance

Spätestens seit dem Ausbruch der Diesel-Krise wurde die Motorradmarke im Konzern zunehmend in Frage gestellt, zumindest in der Öffentlichkeit. Seitens des Unternehmen hieß es beharrlich, "man plane keine Veränderung des Markenportfolios". Sollte heißen: Ducati bleibt. Nach dem Reuters-Bericht lautet die Antwort nur noch "Kein Kommentar". Soll heißen: Es ist was dran.

Wie die "Süddeutsche Zeitung" unter Berufung auf Unternehmenskreise schreibt, gebe es weder einen Käufer noch einen Zeitpunkt. Die Zeitung spekuliert weiter: "Wo Investmentbanker eingespannt sind, soll bald auch ein Geschäft stattfinden." Das trifft zwar zu, klar ist aber auch: VW muss keinen Notverkauf tätigen und Preisabschläge in Kauf nehmen.

Was die VW-Marken 2016 verdient haben

  • Volkswagen Pkw

    Umsatz: 105,7 Milliarden Euro
    Operatives Ergebnis vor Sondereinflüssen: 1,9 Milliarden Euro
    Operative Rendite: 1,8 Prozent

    Quelle: Geschäftsbericht

  • Audi

    Umsatz: 59,3 Milliarden Euro
    Operatives Ergebnis vor Sondereinflüssen: 4,8 Milliarden Euro
    Operative Rendite: 8,2 Prozent

    inklusive der Finanzkennzahlen von Lamborghini und Ducati

  • Skoda

    Umsatz: 13,7 Milliarden Euro
    Operatives Ergebnis vor Sondereinflüssen: 1,2 Milliarden Euro
    Operative Rendite: 8,7 Prozent

  • Seat

    Umsatz: 8,9 Milliarden Euro
    Operatives Ergebnis vor Sondereinflüssen: 153 Millionen Euro
    Operative Rendite: 1,7 Prozent

  • Bentley

    Umsatz: 2,0 Milliarden Euro
    Operatives Ergebnis vor Sondereinflüssen: 112 Millionen Euro
    Operative Rendite: 5,5 Prozent

  • Porsche

    Umsatz: 22,3 Milliarden Euro
    Operatives Ergebnis vor Sondereinflüssen: 3,9 Milliarden Euro
    Operative Rendite: 17,4 Prozent

  • Volkswagen Nutzfahrzeuge

    Umsatz: 11,1 Milliarden Euro
    Operatives Ergebnis vor Sondereinflüssen: 455 Millionen Euro
    Operative Rendite: 4,1 Prozent

  • Scania

    Umsatz: 11,3 Milliarden Euro
    Operatives Ergebnis vor Sondereinflüssen: 1,1 Milliarden Euro
    Operative Rendite: 9,5 Prozent

  • MAN

    Umsatz: 10,0 Milliarden Euro
    Operatives Ergebnis vor Sondereinflüssen: 230 Millionen Euro
    Operative Rendite: 2,3 Prozent

  • Volkswagen Financial Services

    Umsatz: 27,6 Milliarden Euro
    Operatives Ergebnis vor Sondereinflüssen: 2,1 Milliarden Euro
    Operative Rendite: 7,6 Prozent

Der Konzern spart zwar kräftig, um die Strafzahlungen und den teuren Konzernumbau schultern zu können, doch das Geschäft läuft. Das zeigen die unerwartet hohen Milliarden-Gewinne aus dem ersten Quartal. Mindestens genauso wichtig: Ducati hat ein funktionierendes Geschäftsmodell und trägt sich selber. Seit die Motorradmarke zu Audi gehört, hat sie einen Verkaufsrekord nach dem anderen erzielt. An der neuen Konzernzugehörigkeit lag das aber kaum: Die Italiener haben ihr Angebot exklusiver und teurer Sportmotorräder Stück für Stück nach unten erweitert. Der neue Verkaufsschlager ist die 2014 vorgestellte Ducati Scrambler – kein radikales Superbike, sondern ein auf die Lifestyle-Kundschaft ausgerichtetes Retro-Motorrad im Stil der 1960er Jahre – mit simpler und günstiger Motorrad-Technik und ohne Technologie-Transfer aus Ingolstadt.

Im vergangenen Jahr verkaufte das Unternehmen aus Bologna 55.000 Motorräder und erwirtschaftete bei einem Umsatz von 731 Millionen Euro einen Gewinn von 51 Millionen Euro. Das erscheint zwischen all den Milliarden-Zahlen im Konzern zwar nicht viel, aber es sind deutlich schwarze Zahlen. Und mit sieben Prozent liegt die operative Rendite in einem Bereich, von dem Audi und VW derzeit nur träumen können.

Große Abschläge muss VW also nicht hinnehmen, wenn es um den Kaufpreis geht. Dennoch ist ein Fakt nicht wegzudiskutieren: Ducati ist kein Must-have in einem Konzern, der sich derart im Umbruch befindet wie VW. Es ist ein wenig wie ein Motorrad selbst: Ein sehr schönes und emotionales, aber auch teures Hobby. Ändern sich aber die Lebensumstände, kann das geliebte Motorrad schnell zu Verkauf gestellt werden.

In wenigstens einem Bereich hat es im Volkswagen-Konzern zuletzt nicht an konsequentem Durchgreifen gemangelt: Wenn es darum ging, teure Hobby-Projekte zu streichen. Das bekamen etwa die Motorsport-Abteilungen von VW und Audi zu spüren, als die Auftritte in der Rallye-Weltmeisterschaft und bei den 24 Stunden von Le Mans im letzten Moment gestrichen wurden – obwohl die neuen Rennwagen quasi schon fertig entwickelt in der Garage standen. Die Kosten für den Rennbetrieb spart sich der Konzern, die Millionen für die Entwicklung sind aber verloren.

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