Volkswagen: VW-Markenchef will weitere Milliarden einsparen

VW-Betriebsversammlung: Volkswagen plant weitere Milliarden-Einsparungen

, aktualisiert 20. Oktober 2016, 17:13 Uhr
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Die VW-Mitarbeiter in der technischen Entwicklung sollen bald 40 Stunden pro Woche arbeiten.

Es wird ernst bei VW: Die gewinnschwache Pkw-Kernmarke muss sparen – der Autobauer ringt daher um einen Zukunftspakt. Während der Betriebsrat rote Linien zieht, macht eine weitere Milliarden-Summe die Runde.

Turbulente Zeiten für die VW-Belegschaft: Der Autobauer will die kriselnde Pkw-Kernmarke mit milliardenschweren Sparprogrammen, Jobabbau und womöglich auch mit Mehrarbeit für seine Entwickler auf Zukunftsfähigkeit trimmen. So brachte VW-Markenchef Herbert Diess für Tausende Fachkräfte fünf Stunden mehr Arbeitszeit pro Woche ins Spiel. Diess sprach am Donnerstag im Wolfsburger Stammwerk bei der Betriebsversammlung von einer 40-Stunden-Woche für die Mitarbeiter in der Technischen Entwicklung (TE). Bisher gilt für sie laut VW-Haustarif in aller Regel eine 35-Stunden-Woche. Wie am Abend bekannt wurde, würde die Mehrarbeit über Lohnausgleich laufen.

Generell will Volkswagen mit einem „Zukunftspakt“ bis Ende 2020 bei der Pkw-Kernmarke rund 3,7 Milliarden Euro Sparvolumen freischaufeln. Teile dieser Zielsumme resultierten bereits aus Ansätzen aus dem 2014 gestarteten Effizienzprogramm, erfuhr die Deutsche Presse-Agentur.

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Das Treffen in Wolfsburg mit rund 20 000 Mitarbeitern war nicht öffentlich. Aus dem Umfeld von Diess verlautete am Nachmittag, dass die zusätzlichen fünf Wochenstunden auf jeden Fall bezahlt werden würden. Es gehe bei diesem Vorstoß um eine „vereinfachte Vereinbarung zu Mehrarbeit“. Klar sei, dass damit ohne Frage die Grundvergütung auch entsprechend steigen würde. Von Mehrarbeit ohne angemessenen Einkommensausgleich könne keine Rede sein. VW-Betriebsratschef Bernd Osterloh betonte am Abend: „Wir haben heute schon die Möglichkeit, über Mehrarbeit oder den Arbeitszeitfixpunkt flexibel zu reagieren. Ich verstehe die Diskussion gar nicht.“

VW US-Richter signalisiert Ja zum "Dieselgate"-Vergleich

Zwar rückt mit dem finalen Abschluss des Milliarden-Vergleichs im US-Rechtsstreit um manipulierte Abgaswerte ein wichtiger Meilenstein für VW näher. Ausgestanden wäre der Fall damit aber noch nicht.

VW: US-Richter signalisiert Ja zum "Dieselgate"-Vergleich Quelle: AP

Nach dpa-Informationen geht es Diess um Lösungen für ein Nadelöhr. Die TE leidet seit Monaten unter Arbeitsspitzen des Diesel-Rückrufes. Dafür müssen technische Lösungen für Hunderte Software-Updates gefunden werden. Das erschwert die alltägliche Arbeit an neuen Modellen und Antrieben. Laut Unternehmensdarstellung arbeiteten allein in der Wolfsburger TE zuletzt mehr als 9300 Menschen.

Ein seinerzeit noch unter dem damaligen Konzern- und Markenchef Martin Winterkorn aufgelegtes Effizienzprogramm hatte als Sparziel fünf Milliarden Euro. Dabei ging es um ein jährliches Volumen, das im Vergleich zum Status quo 2014 bis 2017 erreicht werden sollte. Damals ging es vor allem um die Struktur des Autobauers, um verbesserten Einkauf und weniger Doppelarbeit in der Entwicklung.

Die Milliarden-Buße für VW im Überblick

  • Wozu genau wurde VW verdonnert?

    Der Konzern hat mit US-Klägern einen Vergleich ausgehandelt. Demnach muss VW die knapp 15 Milliarden Dollar für verschiedene Dinge ausgeben: für einen Umweltfonds und die Förderung von emissionsfreien Autos etwa. Der weitaus größte Teil wird aber an Kunden fließen, die in den USA einen manipulierten VW oder Audi besitzen.

  • Wie hoch ist die Entschädigung für US-Kunden?

    Die reine Entschädigung für Autobesitzer soll zwischen 5100 und knapp 10.000 Dollar pro Fahrzeug liegen. Das kommt darauf an, wie alt das Auto ist. Zusätzlich muss der Konzern den Kunden anbieten, ihre Autos zurückzukaufen. Die Diesel-Besitzer sollen dabei so viel Geld bekommen, wie ihr Auto vor Bekanntwerden der Manipulationen wert war.

  • Wird es in den USA keinen Rückruf geben wie in Deutschland?

    Jein. Generell haben US-Kunden eine Wahlmöglichkeit: Entweder Rückruf mit einer Nachbesserung oder Rückkauf, also Rückgabe. Diese Varianten stehen in Deutschland und Europa nicht zur Auswahl. Dafür hat der Rückruf hierzulande schon begonnen und in den nächsten Wochen soll er weiter Fahrt aufnehmen, so dass zum Jahresende alle 2,5 Millionen Diesel in Deutschland nachgebessert sein könnten. In den USA hat VW bis Mai 2018 Zeit, um sich technische Nachbesserungslösungen von den Behörden absegnen zu lassen. Das gilt dort als deutlich kniffliger.

  • Was bedeutet eine Entscheidung in den USA für deutsche Kunden?

    Wahrscheinlich nicht viel. Volkswagen hat wiederholt betont, dass eine Entschädigung wie in den USA in Europa und damit auch in Deutschland nicht infrage komme. Vorstandschef Matthias Müller selbst hat das mehrfach ausgeschlossen. Verbraucherschützer kritisieren, dass Kunden in den USA mehr bekommen sollen. Einige Anwaltskanzleien haben sich zum Ziel gesetzt, auch für betroffene Autobesitzer in Europa Schadenersatz zu erstreiten. Die Erfolgsaussichten sind aber aufgrund der unterschiedlichen Rechtssysteme ungewiss.

  • Ist die Abgas-Affäre für VW nach einer US-Lösung ausgestanden?

    Nein. Zum einen müssen sich nicht alle Kläger in den USA einem Vergleichsvorschlag anschließen und können individuell weiter klagen. Auch von drei US-Bundesstaaten sind inzwischen Klagen eingegangen. Zum anderen muss VW auch außerhalb der USA viele Verfahren bewältigen. In Deutschland fordern ebenfalls Kunden Entschädigungen oder Rückkäufe. Gerichte haben hier in ersten Instanzen unterschiedlich geurteilt. Zudem fühlen sich zahlreiche VW-Aktionäre von dem Konzern zu spät über die Manipulationen informiert. Sie wollen sich Kursverluste erstatten lassen.

Das neue Ziel von 3,7 Milliarden Euro aus dem Zukunftspakt, den Betriebsrat und Unternehmen derzeit verhandeln, könne nicht auf die fünf Milliarden aus dem Effizienzprogramm addiert werden, hieß es aus Konzernkreisen. Teils überschnitten die Programme. Der Zukunftspakt soll in den nächsten Wochen stehen.

Mit ihm wollen Betriebsrat und Unternehmen Reformen in der gewinnschwachen Kernmarke VW-Pkw mit Sicherheiten für die Belegschaft vereinen. Dabei geht es um die Aufgaben der Standorte, etwa im VW-Motorenwerk Salzgitter, das wegen der Elektromobilität absehbar Arbeit verliert.

Der VW-Betriebsrat hat in den Gesprächen für den Zukunftspakt laut dpa-Informationen einige Punkte als nicht verhandelbar erklärt. Betriebsbedingte Kündigungen dürfe es nicht geben und an bestehenden Verträgen wie dem VW-Haustarif - mit Regeln etwa für Einkommen und Arbeitszeit - sei nicht zu rütteln. Der VW-Haustarif läuft noch gut ein Jahr.

Eine Forderung, mit der sich Betriebsratsboss Osterloh wohl durchsetzen konnte. In einer gemeinsamen Erklärung von VW und Betriebsrat hieß es am Donnerstag, betriebsbedingte Kündigungen seien vom Tisch. „Wir müssen die Mannschaft verkleinern, aber es wird keine Kündigungen geben“, sagte Diess. Personalvorstand Karlheinz Blessing sagte: „Wo Aufgaben entfallen, werden wir Stellen nicht wieder besetzen.“

Außerdem zog der Betriebsrat eine weitere rote Linie ein: Die schwierige Situation sei nur zu meistern, „wenn wir für alle Standorte eine klare Zukunftsperspektive, neue Produkte und damit langfristig sichere Arbeitsplätze erhalten“, sagte Osterloh. In einem Schreiben an die Belegschaften der deutschen VW-Standorte forderten die Betriebsräte eine Garantie für Beschäftigtenzahlen an den Standorten.

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