
Es gibt Gesten, die sind aussagekräftiger als ein paar Zahlen: Etwa, als sich bei der Bilanzpressekonferenz der Deutschen Bank die 13-köpfige Runde noch einmal erhebt, um überraschend für ein Gruppenfoto zu posieren. Spontan zieht Risikovorstand Hugo Bänziger seinen Nachbarn Anshu Jain herüber, sodass dieser direkt neben dem scheidenden Bankchef Josef Ackermann zu stehen kommt.
Der gemeinsame Auftritt vor den Fotografen stellt das Symbol für mehr Teamgeist in der Führungsriege der Deutschen Bank dar.
Nach dem Abschied des Alleinherrschers Ackermann bei der Hauptversammlung im Mai wird die designierte Doppelspitze aus Deutschland-Chef Jürgen Fitschen und dem bisher in der Londoner City stationierten Anshu Jain für eine bessere Machtteilung und Kollegialität unter den Vorständen sorgen, wie Kenner des Instituts hoffen.
Quelle: dpaJosef Ackermann - Meilensteine einer Karriere
Bereits vor den Ergebnissen des ersten Quartals 2012 hatte Josef Ackermann enttäuscht - und zwar mit der Jahresbilanz 2011. Im Gesamtjahr 2011 verdiente das Geldinstitut nur 5,4 Milliarden Euro. Dank einer Steuergutschrift stand zum unter dem Strich ein Gewinn von 147 (Vorjahr: 601) Millionen Euro in den Büchern. Damit verfehlte die Bank die Prognosen deutlich. Nichtsdestotrotz: Der scheidende Deutsche-Bank-Chef kann auf eine imposante Karriere zurückblicken.
Quelle: rtr1996
Josef Ackermann verlässt die Schweizer Bank Credit Suisse und wechselt in den Vorstand der Deutschen Bank, wo er zunächst für Kreditrisiken und später für das Investmentbanking zuständig ist.
Quelle: AP2000
Die Investmentbanker verhindern mit Ackermann die Fusion mit der Dresdner Bank.
Quelle: APSeptember 2000 - Mai 2002
Im September 2000 wird Ackermann frühzeitig zum Nachfolger des umstrittenen Rolf Breuer als Vorstandssprecher gewählt. Im Januar 2002 gibt sich die Deutsche Bank gibt eine neue Führungsstruktur, die die Rolle des Vorstandssprechers stärkt. Ackermanns Gegner Thomas Fischer verlässt den Vorstand. Ackermann tritt im Mai 2002 sein Amt als Vorstandssprecher an.
Quelle: rtrJuni 2003
Der internationale Bankenverband IIF macht Ackermann zu seinem Chef.
Quelle: ZBAb 2003
Die Deutsche Bank trennt sich von Anteilen an Unternehmen wie der Münchener Rück, Gerling und Daimler.
Quelle: APJanuar 2004
Ackermann macht zu Beginn des Mannesmann-Prozesses, bei dem er und andere Aufsichtsräte des Mobilfunkkonzerns sich wegen angeblich überhöhter Abfindungszahlungen verantworten müssen, das "Victory"-Zeichen. Das belastet sein Image über Jahre. Im November 2006 wird der Mannesmann-Prozess gegen Zahlung einer Auflage von rund drei Millionen Euro durch Ackermann eingestellt.
Quelle: APFebruar 2005
Ackermann kündigt den Abbau von 6400 Arbeitsplätzen trotz eines um 87 Prozent gestiegenen Gewinns an.
Quelle: rtrFebruar 2006
Ackermann übernimmt als erster Chef der Deutschen Bank den Titel Vorstandsvorsitzender, was seine Position nochmals stärkt.
Quelle: rtr2006
Die Eigenkapitalrendite der Deutschen Bank liegt erstmals über dem von Ackermann avisierten Ziel von 25 Prozent.
Josef Ackermann - Meilensteine einer Karriere
Bereits vor den Ergebnissen des ersten Quartals 2012 hatte Josef Ackermann enttäuscht - und zwar mit der Jahresbilanz 2011. Im Gesamtjahr 2011 verdiente das Geldinstitut nur 5,4 Milliarden Euro. Dank einer Steuergutschrift stand zum unter dem Strich ein Gewinn von 147 (Vorjahr: 601) Millionen Euro in den Büchern. Damit verfehlte die Bank die Prognosen deutlich. Nichtsdestotrotz: Der scheidende Deutsche-Bank-Chef kann auf eine imposante Karriere zurückblicken.
Zudem will sich die Bank stärker auf das Geschäft mit Privat- und Geschäftskunden besinnen, wobei das von Ackermann stark geförderte Investmentbanking an Bedeutung verliert.
„Das ist eine Leistung des gesamten Teams“, betonte Ackermann bei der Präsentation der Geschäftszahlen für 2011 oft, auch wenn dies laut offiziellem Manuskript stellenweise nicht vorgesehen war. Lag die ungewohnte Beschwörung des Gemeinschaftsgefühls daran, dass der Konzerngewinn mit 5,4 Milliarden Euro vor Steuern enttäuschend ausfiel?
Ursprünglich hatte Ackermann einen Rekordgewinn von rund zehn Milliarden Euro angepeilt. Aus dem fulminanten Abschied nach zehn Jahren an der Spitze wurde nichts.
"Macht Joe glücklich"
Die Deutsche Bank muss die Ära Ackermann bewältigen und wird danach nicht mehr dieselbe sein. Das wäre gut so. Joe Almighty, der allmächtige Josef, wurde so dargestellt, als sei er wichtiger als das Unternehmen. Andere Vorstandsmitglieder wurden abgeschirmt, sprechen durfte das größte deutsche Kreditinstitut nur mit einer Stimme – und zwar mit der von Ackermann.
Die an Personenkult grenzende öffentliche Vermarktung des Großen Vorsitzenden war die einzige Säule der Kommunikationsstrategie. „Macht Joe glücklich“, lautete die Losung auf den Fluren der PR-Abteilungen.
So kam Ackermann trotz eklatanter Kommunikationspannen vergleichsweise gut davon, während die Bank dem Trommelfeuer von Kirch-Prozess und immer neuen Klagen nichts entgegenzusetzen hatte: Die Personal-PR wurde zum Instrument der Machtpolitik, die Bank zur Plattform der Selbstdarstellung. Ihr legendärer Korpsgeist ging dabei verloren.
Zudem führte Ackermann 2002 bei der Deutschen Bank ein Group Executive Committee nach angelsächsischem Vorbild ein. Die Macht des Vorstands, dessen Mitglieder kollegial entscheiden, schränkte er damit ein. Dem Group Executive Committee unter Ackermanns Regie gehören neben den Vorständen auch die nachgeordneten Leiter großer Geschäftsbereiche an.
Hier dominierte CEO Ackermann – anders als im Vorstand, wo der Vorsitzende überstimmt werden kann. Mit der neuen Doppelspitze aus Jürgen Fitschen und An-shu Jain wird die Ein-Mann-Show bei der Deutschen Bank jedoch ein Ende haben.













